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Das jüdische Echo · 1925-09-04 · 36 (4.9.1925) · p. Seite 692

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
36 (4.9.1925)
Date
1925-09-04
Page
Seite 692 (sequence 4)
Language
German
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692 Das Jüdische Echo Nr.?6 Depeschenwechsel anläßlich des 80. Geburtstages Baron Edmond de Rothschilds Präsident Sokolow lenkte am 1. Verhandlungstag die Aufmerksamkeit des Kongresses auf den am 19. August stattfindenden 80. Geburtstag Baron E d m o n d d e Rothschilds, der so Grobes für das Palästinawerk geleistet hat. Baron Rothschild liebe es nicht, daß über ihn Reden gehalten werden. Auch Rothschild könne als Chaluz bezeichnet werden, als Chaluz unter den reichen Juden der ganzen Welt. Die Exekutive stelle Erwägungen an, wie man den Namen Rothschilds mit einer großen Stiftung des Zionismus verbinden könne, und werde darüber dem Kongreß berichten. Per Akklamation wird beschlossen, Baron Rothschild die G 1 ü c k w ü n s c h e des Kongress e s zu übermitteln. In der Sitzung vom 24. August brachte Präsident Sokolow eine von Baron Rothschild eingelangte Depesche zur Verlesung, die in deutscher Übersetzung lautet: ..Weizmann, Sokolow, Zionistenkongreß Wien: Ich danke Ihnen für die mir im Namen des Kongresses übersandten Wünsche. Ich bewundere die ungeheure Arbeit, die vom Zionismus geleistet wurde und danke dem Ewigen, daß er mich an meinem Lebensabend die Wiederbelebung Israels im Lande u ns erer A h n e n sehen ließ. Übermitteln Sie der hohen Versammlung meine Wünsche anläßlich des XIV. Kongresses.“ Sokolows Erwiderung in der Generaldebatte S o k o 1 o w (vom ganzen Kongreß lebhaft i^kla miert) erklärt, er habe gesagt, er betrachte diesen Kongreß gewissermaßen als den ersten Kongreß ohne Phrasen, als den Kongreß der T a t. Einer der Redner hat das so ausgelegt, daß ich damit eine Kursänderung andeuten wollte. Ich muß dem entgegentreten. Es ist der I\ o ngre ß der A 1 i j a h. Wir sind in einer Zeit zusammengetreten, wo der Zionismus in höherem Maß eine Realität geworden ist als früher. Es muß festgestellt werden, daß wir trotz aller Polemik und Diskussion in vielen Punkten.einig sind. Wir wissen alle, daß der Ackerbau die unverrückbare Grundlage des Palästina-Autbaus bleiben muß. Mir in meiner Eigenschaft als Präsident der Exekutive ist nichts von einer beabsichtigten Kursänderung bekannt. Auf die harmlose und unpolitische Tatsache, daß unser hochverdienter I)r. Ruppin nach 18jähriger schwerer Arbeit zurücktritt, ist ein neuer babylonischer Turm aufgebaut worden. Aber auch unsere Freunde auf der Linken geben zu, daß nunmehr die Zeit gekommen ist, auch andere Kreise heim Aufbau zu berücksichtigen. Wir müssen jetzt auch f ii r die Mitt e 1 £ t ä n d 1 e r sorgten. Wir stehen an einem Wendepunkt unserer Geschichte, der Zio nismus hat begonnen in Erfüllung zu gehen, von diesem Kongreß ah. Auch ich sehe natürlich den Unterschied zwischen kapitalistischer und sozialistischer Weltanschauung, aber wir sind doch nicht auf den Zionistenkongreß gekommen, um die Sozialisten zum Kapitalismus zu bekehren oder umgekehrt und darüber abzustimmen. Wir sind keine religiösen Reformatoren und haben nicht soziale Reformen zu diskutieren. Der Zionismus muß allein als Ideal dienen, und darf kein Zionismus auf Bedingung sein. Wir werden in Palästina verschiedene Richtungen haben und diese werden und sollen ihre Kämpfe ausfechten. Aber hier sind wir im Zionistenkongreß, und was wir hier weiter zu bringen haben, ist der Zionismus, unser Ideal. Wir halten vom Ackerbau so viel, weil wir mit ihm stehen u n d falle n. Wer mit eigenen Augen Palästina gesehen hat, begreift, daß es nicht nur ein jüdisches Wunderwerk, sondern ein Weltw u n d e r ist. Daß mit dem Aufbau zugleich eine innere U m f o r m ung des Menschen vor sich geht, das ist unser aller Programm. Wozu also der Streit. Wenn wir tatsächlich einig sind, erwekken Sie doch nicht nach außen den Eindruck, daß wir zerrissen sind. Wir dürfen die Begründung vom Klassengegensatz nicht schahionenmäßig gebrauchen. Es gibt zweifellos einen Gegensatz der Klassen, aber hei uns Juden sind die Grenzen sehr labil. Wir sind ein Wandervolk. Wir wandern nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Klasse zu Klasse. Auch die sogenannten Luftmenschen haben keinen sehnlicheren Wunsch als den nach Bodenständigkeit. Ein Plebiszit in Haifa oder Jaffa oder Warschau würde zeigen, daß alle sich zur Bodenständigkeit hinsehnen. Jetzt kommt die Industrie nach Palästina. Muß ich Ihnen sagen, daß Industrialisierung die weltwirtschaftliche Entwicklungslinie ist? Wir begrüßen die Entwicklung im eigenen Interesse und in dem der arbeitenden Bevölkerung von Erez Israel und der Judenheit. U nser Z i o n i s m u s m u ß größer w erd e n. Ein Redner hat hier die oberflächliche Bemerkung gemacht, die Exekutive möge sich nicht mit der Auswanderung aus Polen brüsten, denn diese sei nur darauf zurückzuführen, daß es den Juden in Polen schlecht gehe. Auch die Juden in Ägypten halten es mit einem Pharao zu tun. War der Auszug aus Ägypten etwa kein idealistischer Zug? Wer hat Ihnen denn gesagt, daß die Zionistische Exekutive sich damit brüstet. Wir haben stets gesagt, daß die Gleichberechtigung nicht die Lösung der Judenfrage sei. Wir wollen darauf stolz sein, daß wir dem G ö t - z e n der Gleichberechtigung nicht nachgegangen sind wie die anderen. Da nun die Zeit gekommen ist, wo unsere Voraussagen eintrafen, muß unser Kongreß ein Kongreß des Aufschwungs sein. Jetzt ist die Zeit, daß sich das ganze Volk erhebe zu einem großen Beschluß, zu größeren Opfern, zur Vergrößerung der Zionistischen Organisation. Wäre unser Budget ein Vielfaches, wir könnten ein Vielfaches leisten. Die gegenwärtigen politischen Möglichkeiten genügen uns, um noch viel mehr zu leisten, als wir bisher geleistet haben. Noch für lange Zeit liegt der Schlüssel dieser Frage allein in unserer Hand. Wir stehen mit großer Achtung der Mandatsregierung gegenüber und erwarten, daß die Mandatarmacht bestrebt sem wird, die Balfour-Deklaration, die die Grundlage unserer Politik ist, durchzuführen, wie es das Wohl Palästinas und das Wohl des jüdischen Volkes erheischt. Ich glaube auch, herausgehört zu haben, daß sich der Kongreß bewußt ist, daß wir uns auf einem internationalen Terrain befinden, und daß unsere Sache zum großen Teil vom Völkerh u n d abhängt. Ich glaube auch, herausgehört zu haben, daß wir uns der Hoffnung nicht verschließen, daß die Zeit nahe ist, wo wir mit den anderen Völkerschaften des Orients beraten und arbeiten werden, und daß wir uns freuen, daß sich schon manche Berührungspunkte herausgebildel haben. Eine andere Politik gibt es nicht.

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