Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 36 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- Seite 694 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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694 Das Jüdische Echo Nr. 36 Locker im Namen der Vereinigten P o a 1 e Zion und Z e i r e Zion ab. Hierauf verlas im Namen der 17 Mitglieder der Konferenzgemeinschaft radikaler Zionisten Herr Dr. Israel W a 1 d m a n n eine längere Erklärung, in der u. a. gesagt wird: Die Politik der Executive, sowohl die äußere wie auch die innere jüdische, war gekennzeichnet durch Schwäche in der Vertretung der zionistischen Prinzipien, die geeignet war, die Bewegung außerordentlich zu schädigen. Aus diesem Grunde werde die Konferenzgemeinschaft gegen die vorgeschlagene Vertrauensresolution stimmen. Hierauf betrat Wladiinar J a b o t i n k y die Tribüne. Im Hause entsteht großer Lärm. Pfui-Rufe werden laut, denen Beifall antwortet. Delegierter Schmarjah L e w i n stellt den Antrag, bei der Verlesung der Deklaration Jabotinskys die Öffentlichkeit auszuschließen. Präsident M o t z k i n entscheidet gegen diesen Antrag. Weizmann ruft Jabotinsky zu: In wessen Namen sprechen Sie? Jabotinsky erwidert: Im Namen von vier Delegierten, darunter zwei aus Palästina. Jabotinsky verliest sodann eine Erklärung, in welcher er die Executive beschuldigt, daß sie die politische Position des Zionismus geschwächt und es zugelassen habe, daß das Ansehen der Organisation vor England und dem Völkerbund geschmälert werde. Der Vorsitzende schreitet zur A b s t i m m u n g. Die Zählung der Stimmen ergibt 137 Stimmen für und 17 Stimmen gegen die Vertrauensresolution. 90 Delegierte haben sich der Abstimmung enthalten. Der Kongreß nimmt das Ergebnis mit starkem Beifall auf. Dr. W e i z m a n n verlangt das Wort. Er besteigt langsam die Tribüne und gibt die folgende Erklärung ab, die vom Hause mit gespannter Stille angehört wird: ,,Ich habe die Abstimmung beobachtet und entsprechend gewertet. Ich bin denen zu Dank verpflichtet, die offen gegen mich gestimmt haben. Die Executive behält sich vor, Ihnen morgen zu erklären, ob sie in der Lage ist, auf Grund des eben gefaßten Beschlusses die Leitung der Geschäfte und die Aufbringung eines Budgets, das in der Höhe von einer Million Pfund angefordert wird, auf sich zu nehmen.“ Die Worte Dr. Weizmanns hinterließen einen liefen Eindruck; es war allen klar, daß nunmehr die Leitungskrise akut geworden ist. Im Verlauf des Vormittags des 27. August schien eine Entspannung der Situation eintreten zu wollen, indem sich die Linksgruppen, die sich am Abend Zum di» lehre - Neues lud! Die diesjährige Roschhaschanah- Aktion des Keren Kajemeth findet bereits am 13. September in Form von Hau «Sammlungen in allen Orten statt. Wir bitten alle Vertrauensleute, die notwendigen Vorbereitungen möglichst bald zu treffen. Ein genaues Rundschreiben mit Instruktionen gelangte in diesen Tagen zum Versand. vorher der Abstimmung enthielten, bereit erklärten, Weizmann eine Genugtuung zu geben in der Weise, daß der Kongreß Weizmann die Vollmacht erteilt, nach eigenem Gutdünken eine neue Executive zu bilden und dem Kongreß nur zur formalen Genehmigung vorzulegen. Doch am Nachmittag spitzte sich die Krise wieder zu. Dr. Weizmann verlas vor dem Plenum des Kongresses im Namen der Executive die folgende Erklärung: „Nach eingehender Prüfung der Lage in Berücksichtigung der gestrigen Abstimmung und der vorgelesenen Deklarationen erklärt sich die Executive außerstande, eine neue Leitung zu bilden.“ Präsident Motzkin nahm die Erklärung zur Kenntnis; im Saale herrschte Konsternation. Die Sitzung wurde geschlossen. Sofort traten Aktions- Comitee, Executive, Permanenzausschuß und Kongreßpräsidium zu einer gemeinsamen Beratung zusammen. Die Hoffnung, daß noch bis zum Abend des 27. August eine Entscheidung herbeigeführt werden könnte, ging nicht in Erfüllung. Während des 28. August dauern die Beratungen noch fort. Die für Freitag in Aussicht genommene Schließung des Kongresses konnte nicht verwirklicht werden. Das zweite Vertrauensvotum mit 217 gegen 15 Stimmen angenommen. Als der Kongreß nach dem Sonnabend-Ruhetag um 9 Uhr abends zusammentrat, war schon überall bekannt geworden, daß inzwischen die Krise der Leitung überwunden sei und daß Präsident Weizmann mit der von def fünfgliedrigen Sonderkommission unter dem Vorsitz des Dr. Leon Reich ausgearbeiteten zweiten Vertrauensreso- 1 u t i o n , die dem Kongreß zur Abstimmung vorgelegt werden soll, einverstanden sei. Inzwischen wurde die Kultur- und Erziehungsdebatte fortgesetzt. Um 10 Uhr 10 Minuten abends unterbricht Präsident Motzkin die Sitzung, die um 11 Uhr wieder aufgenommen wird. Die Executive betritt den Saal, an der Spitze Weizmann und Sokolow. Das Haus und die Galerien bereiten Ihnen eine minutenlange stürmische Ovation. Der Vorsitzende des Permanenzausschusses verliest sodann in hebräischer und englischer Sprache die folgende Erklärung, die vom stellvertretenden Vorsitzenden des Permanenzausschusses, Dr. Leon Reich, deutsch wiederholt wird: „Angesichts der Erklärung, die vom Präsidenten der Organisation im Namen der Executive abgegeben worden ist, hat der Permanenzausschuß nach Anhörung der Vertreter der Kongreßgruppen mit weitaus überwiegender Mehrheit festgestellt, daß die Deklarationen zur Abstimmung zum Absolulorium vom 26. August keinen Grund zur Rücktrittserklärung der Executive vom 27. August geboten habe. Der Permanenzausschuß hat vielniehr mit weitaus überwiegender Stimmenmehrheit festgestellt, daß die weitere politische Leitung der Organisation durch die Herren Prof. Dr. Chaim Weizmann und Nahum Sokolow im unbedingten Interesse des Zionismus liegt, und fordert sie auf, an der Spitze der Bewegung zu bleiben.“ Nachdem die Resolution auch noch in französischer Sprache verlesen worden ist, ordnet der Vorsitzende die Abstimmung an. Die Abstimmung ergibt 217 Stimmen für und 15 Stimmen gegen die Resolution; 18 Delegierte enthielten sich der Stimme. Gegen die Resolution stimmte nur die Konferenzgemeinschaft radikaler Zionisten und die Jabotinsky-Gruppe. Das Abstimmungsergebnis wird vom Saale und den Galerien mit lautem Beifall aufgenommen.