Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 35 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- Seite 683 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 683 das Problem der Okkupationsperiode ist noch ungelöst. Wenn wir schweren Herzens dazu kommen müssen, neue Siedlungen nicht beschließen zu können, so liegt das darin, daß wir keine sichere Form der Okkupation haben. Professor Mead erklärte vor drei Jahren bei seiner Expertise in Erez Israel, es müßten bemittelte Landwirte kommen, um zu zeigen, was in diesem Lande möglich ist. Es ist traurig, daß wir im ganzen Lande solche Siedlungen nicht haben. Jetzt haben wir wohl bemittelte Reflektanten auf unsere Böden, aber wir haben sie mit neuen großen Fragezeichen, die den Vorteil des Geldes aufheben. Und wiederum stehen wir vor einer schweren Aufgabe. Ich erinnere an das Problem der Bauernfrau, die in diesen bürgerlichen Moschwim da sein muß. Es gibt auch noch keine wirklich klare Ergebnisrechnung, auf Grund deren man Verträge schließen könnte. Man weiß heute noch nicht, wer eigentlich Kontrahent des Keren Hajessod ist. Die Frage des Kontrahenten ist ein zentraler Punkt. Die Anleihe ist nur möglich bei einem klaren, juristisch gesicherten Rentendienst, und dazu gehören sichere Vertragsvoraussetzungen. Daß wir in unserer Wirtschaft auch wirtschaftlich Aktiven haben, ist uns doch klar. Aber eine gute Wirtschaft muß ausreichend finanziert sein. Der Kongreß darf seine Exekutive nicht der Not und der Sorge ausliefern. Die Exekutive, die wir zu wählen haben, muß so konstruiert sein, daß sie eine homogene Treuhänderschaft darstellt, die nicht in sich den Keim zu dauernden Interessedebatten hat. Und wenn der Kongreß diese seine Pflicht und Schuldigkeit tut, dann stehen wir am Ende einer sechsjährigen Epoche, die alles in. allem einen anständigen Abschluß ergibt. Der Kongreß der zionistischen Frauen Die Eröffnungssitzung. Freitag, 21. August nachmittags wurde im Sitzungssaale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft die Eröffnung der dritten Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen in feierlicher Weise vorgenommen. Die Eröffnungsrede hielt die Vorsitzende des Präsidiums, Frau Romana Goodman (London), die ausführte: Die dritte Konferenz der Histadruth Olamith le Naschim Zionith eröffnet ihre Beratungen unter dem Einfluß der jetzt stattfindenden Tagungen der Zionistischen Weltorganisation, von der wir ein Teil sind. Wir sind hier versammelt, um zunächst einen Tätigkeitsbericht über die Arbeit während der letzten zwei Jahre zu erstatten und die Richtlinien für ihre weitere Entwicklung festzusetzen. Die Organisation der zionistischen Frauenarbeit ist für uns in Palästina eine unumgängliche Notwendigkeit. Wir haben es aber auch nicht unterlassen, mit anderen Pro-Palästina-Frauenorganisationen, die nicht auf ausgesprochen zionistischer Basis stehen, zusammenzugehen. Aufgabe dieser Konferenz wird es sein, die Grundlage für ein ferneres Zusammenwirken mit solchen Organisationen zu schaffen. Wenn Sie bedenken, daß unsere Organisation noch jung ist, dann werden Sie dies bei Beurteilung unserer Tätigkeit berücksichtigen. Wenn wir unsere Arbeit ziffernmäßig ausdrücken, so haben wir eine Summe von ungefähr 24 000 Pfund-aufzuweisen, die von uns für unser Palästinawerk verwendet worden ist. Die Hauptquellen unserer Einnahmen liegen in den Ländern des britischen Reiches. Wir streben aber auch die moralische und materielle Unterstützung in vielen anderen Ländern an. Unsere Haupttätigkeit erstreckte sich auf die Aufbauarbeit in Palästina, da diese Arbeit eine große erzieherische Wirkung schon jetzt auf die Diaspora ausübt. Leider konnten wir nicht allen Anforderungen gerecht werden, wir haben uns aber bemüht, das möglichste zu leisten, ohne uns dabei zu zersplittern. Unsere Aufgabe konnte nur von einer Organisation durchgeführt werden, die wirklich die Unterstützung aller zionistisch gesinnten Frauen hatte. Wir hoffen sogar, in Palästina eine einheitliche Verbindung aller Frauenorganisationen schaffen zu können. LInsere amerikanische Schwesterorganisation Hadassah, mit der wir im besten Einvernehmen stehen, hat sich auf ein wichtiges Arbeitsfeld beschränkt, aber wir sind vorläufig weder in der Lage, ein ganzes Arbeitsgebiet selbständig zu übernehmen, noch sollten wir uns auf ein besonderes Gebiet allein beschränken. Wir haben, soweit unsere Einrichtungen als Stützpunkte aufgefaßt, die Kinderwohlfahrt, die Erziehung zur Hausarbeit, die Landwirtschaft. Diese Einrichtungen müssen von uns ausgebaut werden. Während meiner Anwesenheit in Palästina, vor einigen Monaten, war es mir vergönnt, unsere Arbeit mit eigenen Augen — mit kritischen Augen — zu sehen und ich bin überzeugt, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Insbesondere ist mir von allen Seiten nahegelegt worden, daß die Landwirtschaftsschule in Nahalal eine Notwendigkeit ist. Es bleibt für uns das stete Bestreben, im Einvernehmen — womöglich in einer organischen Form — mit den Frauenorganisationen aller Richtungen in Palästina die Arbeit fortzusetzen. Die Einigung der verschiedenen palästinensischen Frauenorganisationen ist ein unerläßliches Bedürfnis, soll der Frau im neuen jüdischen Palästina wirklich zu ihrem Recht verholten werden. Wir treiben keine Politik, aber es muß von dieser Stelle gesagt werden, daß wir die Frau in Palästina als vollberechtigte Bürgerin des jüdischen National heims betrachten. Wahrlich, die Aufgaben, die der jüdischen Frau dort harren, sind vor allem nicht nur von der traditionell charitativen Art, wie es seit jeher bei uns Juden Sitte war, sondern es gibt jetzt soziale Probleme, die nur von der Frau selbst gelöst werden können. Insoferne die Histadruth Olamith le Naschim zur Lösung dieser Aufgaben und dieser Probleme mithelfen wird, wird sie auch ihre weitere Berechtigung haben. (Lebhafter, sich lange wiederholender Beifall.) Sodann ergriff, von der Versammlung stürmisch begrüßt, Präsident Dr. Chaim W e i z m a n n das Wort. Ich kann es mit gutem Gewissen behaupten, sagte er, daß alle Arbeit dieser Organisation, so jung sie noch ist, mich mit Bewunderung erfüllt und mit Ermutigung. Ich verweise vor allem auf die erfolgreiche Tätigkeit der Schule in Nahalal, ohne die wir uns den Aufbau des Landes gar nicht vorstellen können. Ich begrüße es mit Genugtuung, daß der Organisation jeder politische Anstrich fehlt und würde wünschen, daß dieser Fehler, der kein Schönheitsfehler ist, sich auch auf andere Organisationen unserer zionistischen Bewegung, unseres nationalen Heims, erstrecken möge. Nach ihm sprach der Präsident der Exekutive, Nahum S o k o 1 o w , der die Konferenz im Namen