Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-08-28 · 35 (28.8.1925) · p. Seite 678

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
35 (28.8.1925)
Date
1925-08-28
Page
Seite 678 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9155975--07068-9079788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

678 Das Jüdische Echo Nr. 35 entwickelte Propaganda. Es berührt die Grundlagen der zionistischen Bewegung überhaupt. Aber da die an diesem Projekt interessierten Männer der Entwicklung Palästinas sympathisch gegenüber stehen, hoffen wir, daß sich diese Schwierigkeit im Geiste der Freundschaft wird lösen lassen können. Ben-Gurions Rede Standpunkt der palästinensischen Arbeiter. Zionismus ist Aufbau eines Staates und bleibt ohne diesen Inhalt ein leerer Gedanke. Dies erfordert vor allem eine jüdische Mehrheit in Palästina. Dr. Halpern möge verstehen, daß, wenn der Gedanke der Mehrheit überhaupt einen Sinn hat, er nur zu verwirklichen ist durch eine arbeitende Mehrheit im Lande. Es ist eine Verleumd ung, w e n n m a n b e h a u p t e t, daß de r jüdische Arbeiter die neuen Ein w a.nderer scheel a n s i e li t. Es sind unsere Väter und Mütter, und wir haben sie nach Palästina gebracht. Der letzte Rechenschaftsbericht Herbert Samuels gereicht ihm zum Ruhme und sichert ihm ein dauerndes Andenken in Palästina. Aber wir müssen von dieser Kongreßtribüne aus auf eine abschließende Feststellung hinweisen, daß die Juden für den Aufbau des Landes Großes geleistet haben, jedoch die englische Regierung nichts getan habe, um ihre Verpflichtung zu erfüllen. Das ist das Fazit des Berichtes des mit so großen Erwartungen begrüßten Oberkommissars. Auch wir wissen, auch ohne Samuels Rat, daß wir das Land nur mit unserem Fleiße und unserer Arbeit aufbauen können, aber wir dürfen nicht übersehen, daß Palästina in dem Rahmen der internationalen Politik allgemeiner politischer und wirtschaftlicher Bedingungen steht, über die wir keine Macht haben, sondern, die nur durch den Eingriff der Regierung beeinflußt werden können. Es ist Aufgabe der zionistischen Politik, die wichtigsten Strömungen der internationalen Politik zu erkennen und zu bewirken, daß diese Kräfte mit den Kräften im Lande Hand in Hand gehen. Bei zwei wichtigen Faktoren können unsere Bestrebungen Hilfe finden: das Erwachen der Völker des Orients und der Aufstieg der Arbeiter in der ganzen Welt, besonders in England. Leider übergeht der Bericht das große Ereignis der letzten zwei Jahre, nämlich die Übernahme der Regierung in England durch die L a - bour Party. Auch die größten Reaktionäre in England wissen es, daß der Tag nicht fern ist, wo die Arbeiterpartei mit einer Mehrheit die Regierung übernehmen wird. Wir müssen Palästina so bauen, daß es nicht in Widerspruch kommt zur ganzen Weltentwicklung, zu den Kräften, in deren Hand das Schicksal der Welt und Palästinas liegt. Das jüdische Volk, selbst ein orientalisches Volk, das wieder in den Orient zurückkehrt, kann der Tatsache, daß die großen Kulturvölker des Ostens zu neuem Leben zu erwachen beginnen, nicht gleichgültig gegenüberstehen. Es ist die brennendste politische Frage, daß wir nicht durch Reden, sondern durch die Tat den Weg z um Herzen des arabischen Volkes finden. Die Herstellung des Friedens im arabischen Volke ist eine der großen Aufgaben der jüdischen Arbeiter. Ich bedaure, daß der Histadruth, der allgemeinen palästinensischen Arbeiterorganisation, nicht die Möglichkeit gegeben wurde, hier ihre Meinung über den wirtschaftlichen Aufbau des Landes und insbesondere über die Frage des Verhältnisses der zionistischen Bewegung zur organisierten Arbeiterschaft in Palästina zum Ausdruck zu bringen. In der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit kann ich die schwierige und verantwortliche Frage nicht würdig erörtern. Ich sage nur, wenn Sie in einem Atemzug die jüdische Arbeit preisen und uns lebende, arbeitende Menschen, die diese verwirklicht, angreifen, die Organisation der Arbeiter zu zerstören versuchen, dann sägen sie den Ast ab, auf dem sie sitzen. Wer einen Keil treiben will zwischen die Arbeiter, die unsere Brüder sind, der zerstört die Grundlagen unseres Werkes. Jabotinskys Oppositionsrede und Schmarjah Lewins Antwort Jabotinsky erklärte, er habe zur heutigen Exekutive kein Vertrauen. Es sei dies nicht eine Frage von Fehlern, sondern eine Frage des Weges. Wir glauben, daß jede Aufgabe des Zionismus durch politische Methoden gelöst werden muß. Unser Endziel ist die Schaffung der jüdischen Mehrheit in Palästina. Dazu ist eine jährliche Einwanderung von 40 000 nötig. Die Frage des Absatzes der Palästina-Industrie ist die wichtigste Frage der städtischen Kolonisation. Die jüdische Industrie kann nicht ohne Staatsmajorität und ohne ein intensives Schutzsystem existieren. Das Problem der städtischen Siedelung in Palästina ist somit ein politisches Problem. Auch die Methode der landwirtschaftlichen Kolonisation kann nur eine Staatsmethode sein. Es gibt in Palästina noch unbebaute, aber anbaufähige Flächen und diese Strecken müssen eine vom Staat enteignete Bodenreserve werden. Landreformen in dieser Art werden heute in ungefähr 22 Ländern Europas durchgeführt von Parlamenten, die weder sozialistisch noch kommunistisch sind. Jabotinsky wandte sich dann der Frage einer Anleihe mit Völkerbundgarantien zu, von der schon Ruppin gesprochen hat. Jabotinsky bezweifelte, daß die von Ruppin genannten Sicherheiten, die nationalen Fonds, von der Geschäftswelt als solche anerkannt werden. Aber es gibt eine Sicherheit der Anleihe und das ist die Bodenreserve in Palästina. Aus den Erträgnissen der Ansiedler wird die Anleihe zurückgezahlt. Von dieser Bodenreserve aus muß das ganze Problem des Zionismus betrachtet werden. Ohne politische Vorbedingungen kann man keine Arbeit leisten. Nachdem dem Redner auf Befragen des Kongresses unter Protest der Linken die Redezeit verlängert worden ist, fährt er fort: Es entspricht nicht dem Geiste und dem Buchstaben des Mandats, wenn man einflußreiche Beamtenstellen mit Gegnern der Balfour-Deklaration besetzt. Die Regierung darf nicht ein unbeschränktes Recht auf Ernennung von Beamten auf höheren Regierungsposten besitzen. Tief besorgt — so fährt Jabotinsky fort — stehen wir vor der Frage der Sicherheit. Palästina, ein Land mit hundert möglichen Angriffspunkten, besitzt einen nur kleinen englischen Apparat. Wir verlangen von der Mandatarmacht die Verantwortung für Ruhe, aber kein Opfer an Geld und Menschen. Unsere Pflicht ist es, die Menschen zu stellen. Davon müssen wir und können wir das englische Volk und die Welt überzeugen. Jabotinsky schlug statt der erweiterten Jewish Agency die Schaffung zweier Kammern vor, die in rein budgetären Fragen Zusammenarbeiten. Die eigentliche Agency muß in zionistischen Händen bleiben. Man wird die nichtzionistischen Parteien nicht überzeugen. Die Ica arbeitet 25 Jahre in wunderbarer Weise im Lande, doch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.