Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 35 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- Seite 676 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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676 Das Jüdische Echo Nr. 35 men, das das Joint Distribution Committee geführt hat. Soweit ich weiß, gab es vor dieser Beschlußfassung wenig oder gar keine Beratung mit den jüdischen Gemeinden und den jüdischen Führern Europas oder jedenfalls war diese Beratung nicht ausreichend. In den Kriegsjahren 1915, 1916 und 1917 war es unmöglich, Kongresse, Konferenzen und Sitzungen abzuhalten, um die Meinung der Juden in Europa einzuholen. Kriegsjahre verlangen Kriegsmaßnahmen. Wir hatten zu handeln, wie es unsere Kenntnis und Einsicht gebot und doch hat damals eine weitgehendere Beratung mit europäischen jüdischen Führern stattgefunden als in diesem vorliegenden Falle. Jetzt aber gibt es keinen Krieg. Jetzt kann man die jüdischen Führer der Gemeinden und Gruppen zusammenrufen und ihnen sagen, wir wollen einen großen Plan einer großen Kolonisation in Rußland, auf der Krim, in der Ukraine in Angriff nehmen. Ist das geschehen? Ich habe das Recht und die Pflicht, hier auch in Ihrem Namen zu sprechen und zu fragen: Sind die europäischen Gemeinden befragt worden? So wie die Jewish Agency die gemeinsame Beratung dieser Fragen, die Palästina angehen, vorsieht, so sollten wir amerikanischen Juden nicht die Macht, sondern auch den Willen haben, zwischen den Juden West-, Ost- und Mitteleuropas zur Beratung zusammenzufinden, bevor ein Programm aufgestellt wird, das Millionen und Millionen Dollars verlangt und wobei es sich um einen ungeprüften und unsicheren Plan handelt: das Krimprojekt. Ich erkläre, ich persönlich bin gegen jeden Plan einer Kolonisation in der Krim als Ersatz für die Kolonisation in Palästina. Ich erhebe Einspruch gegen den Krimplan selbst, als den Plan eines Alternativ-Vorsehlages zur Kolonisation Palästinas, Ich bin bereit, als amerikanischer Jude das Projekt zu erwägen, wenn es nicht als Ersatz für die Kolonisation Palästinas, sondern für Kolonisationsprojekte in Mexiko oder in Südamerika vorgeschlagen wird. Es darf und kann aber keine Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel. 20542 Ledererstr. 12 Konkurrenz geben z w i s c h e n Paläs t i n a und der Krimkolonisation. Es wurde mir erklärt, daß nicht die Absicht vorhanden sei, die Krimkolonisation an die Stelle der Arbeit für Palästina zu setzen, aber tatsächlich ist jetzt schon eine gewisse Zeit die Krim und die russische Kolonisation vor die Kolonisation Palästinas gestellt worden und das auf Grund nicht- oder nur halbüberlegter Pläne. Weizmann hat in Amerika nach der Convention von Cleveland, ich betone ausdrücklich nach der Convention von Cleveland, eine ungeheure Arbeit für den Zionismus getan. Er hat der Zionistischen Organisation und dem Keren Hajessod unschätzbare Dienste geleistet. Aber er konnte nicht zum Joint gehen und 5 Millionen aus seinen Fonds für die Arbeit in Palästina verlangen. Hätte er es gefordert, sein Wunsch wäre wahrscheinlich nicht erfüllt worden, auch wenn er sich auf die Zeugenschaft einer vierzigjährigen Arbeit in Palästina berufen hätte. Aber jetzt sind einige wenige Leute einige wenige Tage in Rußland gewesen, sind zurückgekommen und habenöMillionenPfundfürdie Krimkolonisation verlangt und sie wurden ihnen ohne einen Moment der Überlegung versprochen und das Geld wird gesammelt werden, wenn nicht dieser Kongreß den Mut haben wird, ein ernstes Wort an die Führer der amerikanischen Judenheit zu richten. Wir verlangen, daß die amerikanischen Führer, bevor sie die 5 Millionen für die Kolonisation in Rußland, der Krim und der Ukraine oder irgendwo anders aufbringen, die Vergleichs weisen Vorteile prii fen, die angeblich entstehen, wenn solche Summen für Pläne in Rußland zur Verfügung gestellt werden, statt für die Befruchtung der jüdischen Arbeit in Erez Israel. Sie müssen also genau prüfen und sehr vorsichtig abwägen. Ich wäre der letzte in der Welt, irgendeinen Akt vorzuschlagen, der das Zustandekommen der Jewish Agency auch nur um einen Tag verschieben könnte. Wir haben in bezug auf die Agency eine große Verpflichtung. Aber wir müssen uns fragen, in welche Situation wir kommen, wenn einmal die Agency geformt ist, wenn wir heute mit solchen Projekten zu tun bekommen, die von Gruppen unterstützt wird, die für die Agency in Frage kommen. Edmund Burke hat gesagt, daß ein Verhältnis entstehen muß zwischen dem Preis, der gezahlt wird und dem Ding,