Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 35 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- Seite 675 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 675 Das Jüdische Echo ist. Ich will nur einige Hauptfragen herausgreifen. Zionismus ist für uns nationale Erneuerung des jüdischen Volkes. Den Satz, daß wir mit den Juden zu rechnen haben, wie sie sind, anerkennen wir nie h t. Die zionistische Bewegung will sie in den Ländern des Gallith zu einem neuen Typus umformen. Wir sind heute in Gefahr, daß das bisherige hohe Zentrum sittlicher zionistischer Kraft in Palästina gemindert wird in seinem Wirken. Man tragt sich, was ist der Sinn der zionistischen Bewegung, wenn sie nichts anderes sein soll als eine T r a n s p o r l f r a g e. Mit der vierten Alijah müssen wir zionistisch fertig werden. Wir betrachten diese ganze Einwanderung, wie sie kritisch von einem Zionisten betrachtet werden muß. Es ist nicht nur die Anziehungskraft von Erez Israel in ihr zu spüren, sondern auch die Abstoßungskraft der Länder des Galuth. Wenn man auch auf der Linken, wie Rubaschow es lut, die vierte Alijah bewundert, so kann es nur geschehen, wenn man die Vorstellung einer mystischen Kraft mit ihr verbindet. Wir aber müssen politisch mit dem Problem fertig werden. Den Begriff „Gleichgewicht“ aus Dr. Halperns Rede hat bereits Arlosoroff ins rechte Licht gerückt. Gleichgewicht heißt doch zumindest normale Schichtung des palästinensischen Lebens. Selbst in höchst entwickelten Industrieländern sind 25% der Bevölkerung in landwirtschaftlichen Berufen tätig. Es gibt keine andere Möglichkeit, ein Land durch Juden zu erobern als daß diese Juden selbst den Boden bearbeiten. Wir verlangen mit aller Kraft Kontrolle d e r E inwand e r u n g durch die Zionistische Organisation. Die Machlakoth Haawodah müsse so zusammengesetzt sein, daß alle Gruppen an der Kontrolle beteiligt sind. Was in Palästina geschehen ist, ist mit dem Namen Ruppin verbunden, dem wahrhaft schöpferischen Geist, den wir in Palästina besaßen. Umso schmerzlicher berührt uns daher, wie gewisse Teile des Kongresses ihn würdigen. Alle Gedanken über Palästinawirtschaft sind von ihnV gedacht und vorgeschlagen worden. Unser Hauptproblem besteht darin, das städtische Element in die Landwirtschaft überzuführen, die Sicherung und Gestaltung des Palästinaaufbaus durch eine Neuordnung werden wir zu wahren wissen gegen rechts und links und gegen jeden Versuch der Unsachlichkeit auch aus der Mitte. Inwieweit die politischen Rückschläge auf objektive Faktoren zurückzuführen sind, ist in der politischen Kommission zu prüfen. Für uns ist hier die Frage: haben die Führer der Politik uns die Garantie gegeben, daß sie die wahren und rechten Repräsentanten der zionistischen Bewegung sind, daß sie mit Mut und Kraft und nationalem Stolz unsere Sache vertreten? Wir erklären, daß wir zur politischen Führung der Exekutive und insbesondere zu Dr. Weizm a n n Vertrauen haben (andauernder, lebhafter Beifall). Wir glauben, daß gerade die Würde im Auftreten für unsere Sache, die er geführt hat, gewahrt ist, und daß wir in dieser Richtung beruhigt sein können. Wir müssen unsere Kräfte konzentrieren, unsere Verpflichtung fortzusetzen. Das hat nichts zu tun mit Einzelheiten, die einer Kritik unterzogen werden können. Ich begrüße unsere Vertretung beim Völkerbund und freue mich, daß damit Dr. Jacobson betraut worden ist. Es ist ein Zeichen politischer Stärke, politisches Kraftmeiertum abzulehnen. Politik ist nicht Versammlungsdemagogie, ihre Sache ist es, den Zielen der nächsten Tage gerecht zu werden, ohne die Idee zu verleugnen. Viel leichter ist es immer, mit den Ewigkeitswerten der Idee zu jonglieren. Wir haben vor Jahren den Keren Kajemeth gegründet, und es hat lange gedauert, bis wir ihn durchgesetzt haben. Den Keren Hajessod schufen wir gegen die Widerstände der ganzen Welt. Heute kommt der Gedanke der Anleihe, und er wird, so hoffe ich, Gestalt annehmen, nicht gegen den Keren Hajessod. Rechnet man ja beim Plan der Durchführung mit dem Keren Hajessod und der erweiterten Jewish Agency als Garanten. Die Anleihe ist gedacht auf der Grundlage der großen Volkssteuer, die gewirkt hat auf das Finanzkapital. Das ist keine Ablösung unserer Arbeit, sondern Fortsetzung unserer Anspannungen für den Keren Hajessod. Unsere Aktionen gedeihen nur in einer Atmosphäre zionistischen Lehens. Ohne Reorganisation der zionistischen Welt werde n wir a 11 m ä h 1 i c h stecken bleibe n. Wir brauchen die Einheit der Zionistischen Organisationen, Propaganda des KH und KKL und zwar keine mechanische. Wenn Sie von der Stagnation der Zionistischen Organisation reden, beschuldigen Sie nicht die Jewish Agency! Eine echte Bewegung wird nicht durch Maßnahmen einer äußeren Politik, zu der die Frage der Jewish Agency gehört, geschwächt. Die Organisation braucht nicht in keimfreier Luft und künstlicher Abgeschlossenheit zu leben. Eine Bewegung scheint machtvoll im Aufstiege, die Schwierigkeiten zeigen sich auf dem Höhepunkte, wenn sie sich in realen Tatsachen auswirken muß. Wir leben in einer Welt, in der gewaltige Bewegungen Menschen ergreifen. Der Zionismus kann jeden Tag wieder eine solche Bewegung werden. Unsere Aufgabe ist, den Fatalismus zu bekämpfen, als ob alles beim Alten bleibe. Wir müssen auf diesem Kongreß zur Klarheit kommen, wenn es sich darum handelt, eine einheitliche Exekutive zu bekommen, die befähigt ist, Kritik gegen jeden zu üben nach rechts und nach links, eine Exekutive, die nicht Durchschnitts-Zionismus zu machen versucht, sondern den Zionismus der lebenden, siegenden Bewegung. Den Geist des zionistischen Enthusiasmus müssen wir organisatorisch erfassen. Daß es gelingen kann, muß dieser Kongreß zeigen. Wir wollen daran arbeiten unter der Führung der Menschen, denen wir bisher die Leitung anvertraut haben, die bereit sind, sich von - einer verantwortungsvollen Majorität leiten zu lassen und mit ihr zusammen die nächsten zwei Jahre zu arbeiten. Unsere Kraft wird dann stärker sein als alle Hindernisse. Dr. Stephan Wise über das Krimprojekt Bevor ich dem vorgemerkten Redner das Wort gebe und meinen Sitz als Vorsitzender einnehme, möchte ich ein Wort über ein außerordentlich wichtiges Problem sagen, das wahrscheinlich zur Behandlung vor den Kongreß kommt. Ich glaube, daß es meine Pflicht als amerikanischer Jude ist. Ich spreche allerdings für mich persönlich und nicht als Vertreter der amerikanischen Zionisten. Vor wenigen Monaten ist in Amerika der Beschluß gefaßt worden, wieder das Werk aufzuneh-