Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 35 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- Seite 672 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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672 Das jüdische Echo Nr. 35 Sekretariat an die Mandatskommission leiten wird. Sie wissen, daß wir uns gegen die im Völkerbundsberichte ungenaue Bewertung der jüdischen Immigration und der schaffenden Kräfte in Palästina gewehrt haben, und Außenminister C h a m - b e r 1 a i n hat in der Sitzung in Rom diesen Eindruck zu korrigieren gesucht. Ich bin überzeugt, daß der Völkerbund durch den jetzt vorgelegten Bericht sich davon werde überzeugen lassen, daß seine Einschätzung unserer Immigration im vorigen Jahre nicht auf genauer Kenntnis der Tatsachen beruht hat. Wir versuchen, mit dem Völkerbunde in direktere Verbindung zu treten, und haben in Genf unter Leitung von Dr. Victor Jacobson ein Büro eingerichtet. Unsere Beziehungen zur Mandatarm a c h t sind, wenn ich einen sehr bescheidenen Ausdruck gebrauchen soll, vollständig normal g e h 1 i e b e n. Die Balfour-Deklaration ist von allen drei möglichen Regierungstypen in England bestätigt worden. Wir danken den Herren im Middle East Departement des Colonial Office für ihre freundliche und sympathische Behandlung der Probleme unserer Arbeit. Wir beklagen den Verlust eines jungen englischen Diplomaten, der ein ernster und inniger Freund unserer Sache war und der vielleicht mehr als irgend jemand anders an der Fassung des Mandates verantwortlich ist, Eric Forbes-Adam, der einen tragischen Tod gefunden hat. Ohne sich irgendeiner Übertreibung schuldig zu machen, kann man die allgemeine Behauptung aufstellen, daß das Prestige der zionistischen Bewegung in den letzten zwei Jahren sich wesentlich gehoben hat. Viele in der großen politischen Welt, die unsere Arbeit in Palästina noch vor drei Jahren als einen romantischen Traum behandelt haben, rechnen damit, als mit einer konkreten Tatsache. So ist in einem vor kurzem erschienenen Bericht über die Entwicklung des britischen Handels in der Welt, der von einem von der Regierung eingesetzten Komitee zusammengestellt ist, in sehr günstiger Weise der Entwicklung Palästinas und der Situation des jüdischen Kapitals daselbst Erwähnung getan. Nicht unwesentlich dazu hat auch die Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem beigetragen. Es ist noch nicht an der Zeit, eine volle Würdigung der Tätigkeit Herbert Samuels zu geben, aber ich bin überzeugt, daß der zukünftige Geschichtsschreiber sagen wird, es ist ein Mann nach Palästina gekommen, der beseelt war von den besten Wünschen, das beste für den Aufbau des nationalen Heims zu tun, das beste nach seiner Art, und der die Möglichkeit gegeben hat, die ersten Grundsteine, die die wichtigsten sind, dieses unseres nationalen Heims zu regeln. Diese ersten Schritte hat Samuel in Würde und in Ehren für ihn und das jüdische nationale Heim getan. Wir sprechen von hier die Hoffnung aus, daß Samuel noch lange der zionistischen Sache weiter dienen wird. Ich hatte Gelegenheit, mit seinem Nachfolger Lord Plumer, der auf die glanzvollsten Leistungen zurückblicken kann, über die uns betreffenden Fragen zu sprechen, und habe den Eindruck gewonnen, daß er ein Mann ist, der den Willen der Regierung in einer geradlinigen, ehrlichen und aufrichtigen Weise ausführen wird. Wir wünschen ihm Erfolg in seiner Administration. Zusammen mit Samuel ist auch Sir Gilbert C 1 a y t o n zurückgetreten, dem wir für sein Wohlwollen unseren Dank aussprechen in der Hoffnung, daß wir ihn in einigen Jahren wieder in Palästina begrüßen werden. Sein Nachfolger, Colonel Symes, ist einer der fähigsten Administratoren in Palästina, der seine Arbeit in würdiger Weise leisten wird. Niemand kann die bedeutenden Fortschritte in Palästina übersehen. Die jüdische Bevölkerung ist auf heute fast 1.30- oder 135 000 Seelen gestiegen. Die offizielle Ziffer für den vorigen Monat gibt sie mit 120 000 an. Die Immigration ist von 600 auf 3000 monatlich angeschwollen. Mit dem Charakter dieser Immigration, der sogenannten vierten Ali j ah werden sich sicherlich noch viele Diskussionen auf dem Kongreß befassen. Dieses Anwachsen der Immigration stellt die Jewish Agency und die Zionistische Organisation vor ungeahnte Probleme. Die Beziehungen zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volke sind weniger scharf geworden; damit will ich nicht das falsche Bild geben, daß dieses vielleicht wichtigste Problem unserer politischen Arbeit gelöst ist; im Gegenteil, die Zeit ist reif, daß sich der Kongreß und die zuständigen Organe ernster als je mit diesem Problem befassen, aber die Tatsache bleibt doch bestehen, daß Palästina heute der ruhigste Teil des ganzen mittleren Orients ist. Der beruhigende Faktor für Palästina ist die von uns geleistete konstruktive Arbeit und wird es in der Zukunft noch mehr sein. Zu einem normalen Verhältnis der beiden Völker sind zwei Dinge notwendig: unser arabischer Nachbar muß überzeugt sein, daß wir es mit dem Aufbau des Landes ernst nehmen, und andererseits auch davon, daß der Geist, in dem wir das Land aufbauen, ein Geist der Freiheit, der Toleranz und Brüderlichkeit ist gegenüber allen Faktoren in Palästina. Auf dem kulturellen Felde, das keine geographischen und keine militärischen Grenzen kennt, haben wir durch Eröffnung der Hebräischen Universität und durch Schaffung der Semitischen ^arrven^ßhrwideiseL Justscorv^hnmcLeeoi