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Das jüdische Echo · 1925-08-28 · 35 (28.8.1925) · p. Seite 671

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
35 (28.8.1925)
Date
1925-08-28
Page
Seite 671 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 671 Vortrag Oberrabbiner Dr. Chajes’ über „Zionismus als Weltproblem“ Vor dreißig Jahren brachte Herzl die Judenfrage vor die große Öffentlichkeit und zwang sie, Fragen von einzelnen Juden und einzelnen jüdischen Gruppen als Judenfrage zu erkennen. Es war die Judenfrage eine Frage des jüdischen Menschen, der Jude n h e i t , nicht des Judentums. Der Zionismus war noch nicht das Weltproblem, wie wir ihn heute verstehen. Die Menschheit war damals noch nicht reif für die Aufrollung und noch weniger für die Lösung dieses Problems. Welch Fortschritt in den letzten dreißig Jahren! Haben sich denn wirklich im Verhältnis der Völker zu den Juden Besserungen ergeben? Entscheidend ist da nicht die Masse, sondern die führenden Geister, die heute das Judentum und die vom Zionismus vorgeschlagene Lösung der Judenfrage als Wellproblem ansehen. Wenn führende Geister wie Lord Balfour, Lord C e c i 1 und viele andere sagen, daß neben dem Gedanken des Völker bunb u n d e s der größte Gewinn der Menschheit nach dem Kriege die geplante Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina war, so ist das maßgebend für die Wandlung, die in den letzten Jahrzehnten vor sich gegangen ist. Herzl mußte den Vertretern der Mächte noch begreiflich zu machen versuchen, daß der Zionismus im gewöhnlichen materiellen Interesse ihrer Völker liege. Wir können feststellen, daß in den letzten drei Jahrzehnten die Menschheit einen ungeheuren Fortschritt in ihrem Verhalten zu dieser Frage gemacht hat. Heute brauchen wir nicht mit platten Nützlichkeitsgründen zu kommen, denn es gibt heute Menschen, die es verstehen, daß wir etwas zur Erlösung der Menschheit beitragen wollen. Es wäre für uns nicht möglich, einer Sache unsere ganze Kraft und unser ganzen Leben zu widmen, wenn es sich nur um ein Interesse der jüdischen Menschen handeln soll. Wir können unsere Aufgabe nicht trennen von der Aufgabe der Menschheit, und es heißt für uns, unseren Beitrag zu leisten zur Erlösung der Menschheit. Ich glaube dies am besten mit den Worten bezeichnen zu können: Wir suchen unseren „archimedischen Punk t“. Ich verstehe darunter die Möglichkeit, einen Punkt zu finden, von dem aus wir den Gesetzen unseres Genius gemäß unsere Kultur entwickeln können, und diesen Punkt vermögen wir nur in Palästina zu finden. Von da aus glauben wir, der Menschheit Großes geben zu können. Wir können auch darauf liinweisen, was uns in der kurzen Zeit unserer Tätigkeit von diesem unseren archimedischen Punkt aus schon gelungen ist. Wir haben* ohne äußeren Zwang nur aus innerer Überzeugung heraus die hebräische Sprache wieder lebendig gemacht. Eine Tatsache, deren Bedeutung man sich kaum richtig klar macht. Wenn uns dies gelungen ist, so gibt es im Aufbau unserer Heimat nichts, was uns nicht gelingen könnte; und wenn wir von den großen Taten unserer Landwirte in Palästina sprechen, so ist auch hier nicht die Sache an sich entscheidend — wir hatten und haben auch anderswo Landwirte —, sondern daß jene nur aus dem Gefühl heraus ihr Werk verrichten, daß dadurch am besten der Zukunft ihres Volkes und durch das Volk der Menschheit gedient wird. Jeder unserer Pioniere ist entschlossen, sein Leben dieser Arbeit zu widmen, und er widmet es der Menschheit. In der ganzen Geschichte der neuen Zeit kenne ich kein anderes Beispiel dieser Art. Dies ist uns gelungen, nicht aus einem inneren nationalen Bedürfnis heraus, sondern aus dem Bedürfnis, neue Wege für die Erlösung der Menschheit zu suchen. Und ein zweites. Wir geben der nichtjüdischen Welt die Möglichkeit, uns kennenzulernen und zu verstehen. Wir haben unter den Völkern gelebt, mit ihnen gearbeitet und gestrebt und doch versteht m a n u n s n a c h zwei J a h rlause nden noch immer nicht. Der Haß, das Vorurteil machen es unmöglich, den anderen zu verstehen. Darum kennt man uns nicht, ja man kennt uns auch deswegen nicht, weil w i r uns seihst nicht kennen. Hier im neuen Palästina geben wir den Völkern die Möglichkeit, uns zu verstehen. Und werden sie uns verstehen, so werden sie uns auch schätzen und vielleicht auch liehen lernen. Wir verlangen von den Völkern der Erde keine Hilfe. Was wir verlangen, ist, daß sie uns darin unterstützen, unsere Aufgabe zu erfüllen und der Erlösung der Menschheit dienen zu können. Wir gehen ihnen die Möglichkeit, uns kennen zu lernen. Um der Menschheit und ihrer Erlösung willen, bitten wir, fordern wir: lernt uns verstehen, Völker der Erde! Weizmanns Referat über die politische Lage Dr. Weizmann erklärt, von einem langen Berichte absehen zu wollen, da das wesentliche in dem gedruckt vorliegenden Berichte der Exekutive enthalten ist. Er wolle nur einige eklatante Tatsachen unterstreichen, die sich in der Kongreßperiode ereignet haben und die unsere politische Lage charakterisieren. In dieser Zeit ist das M a nd a t erst in Kraft getreten. Es ist zwar bereits im Juni 1922 gutgeheißen worden, das legale Inkrafttreten war jedoch abhängig von gewissen Syrien betreffenden Vereinbarungen zwischen Italien und Frankreich, die erst am 29. September 1923 zu einem Einvernehmen gelangt sind, von welchem Momente an auch das Palästinamandat erst in Kraft getreten ist. Als Mandatsterritorium konnte Palästina erst seit dem Lausanner Vertrag vom 24. Juni 1923 betrachtet werden. Diese internationalen rechtlichen Tatsachen machten es erst der palästinensischen Regierung möglich, den status der Bevölkerung Palästinas zu regeln, vor allem das Staatsangehörigkeitsgesetz für Palästina zu erlassen, das vor kurzem veröffentlicht und am 1. August 1925 in Kraft getreten ist. Im Jahre 1924 hat sich auch die permanente Mandatskommission des Völkerb u n d e s mit Palästina eingehend befaßt. Wir, die Jewish Agency oder die Zionistische Organisation haben der Mandatskommission einen ausführlichen Tätigkeitsbericht unterbreitet. Bezüglich der Prozedur sind wir gegenüber dem Völkerbund in einer juristisch recht verwickelten Lage: Die Araber oder der Waad Leumi können ihre Petitionen direkt an das Völkerbundssekretariat richten. Die Jewish Agency ist aber kein Bestandteil der palästinensischen Bevölkerung, weshalb sie auch keine Petitionen direkt an die Mandatskommission richten könne. Die Mandatskommission wird sich in ihrer nächsten Sitzung mit der für uns geltenden Prozedur zu beschäftigen haben. Unseren diesjährigen Bericht überreichten wir dem High Commissioner i on Palästina, der ihn weiter über das Colonial Office, das Foreign Office und das Völkerbunds-

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