Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 34 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- Seite 655 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 655 Zweite jüdische Emigrationskonferenz Vom 9. bis 11. August fand in Berlin die zweite jüdische Emigrationskonferenz statt, an der 50 Delegierte aus allen Ländern —« man kann sagen der •ganzen Welt —* Teilnahmen. Die Emi'grationskonferenz befaßte sich vornehmlich mit organisatorischen Fragen, denn Ziel und Inhalt der Tätigkeit auf dem Gebiete des jüdischen Wanderwesens sind allen Vertretern völlig klar und für keinen von ihnen strittig gewesen. Man ist heute in der jüdischen Welt bereits so weit, um die tatsächlichen Probleme dessen, was man Judennot nennt, voll zu begreifen. Man weiß, daß es sich nicht mehr darum handeln kann, Juden aus den Ländern, in denen sie heute leben und ihre wirtschaftliche Existenzberechtigung und -möglichkeit verloren haben, in andere Länder zu verpflanzen, ohne sie zur gleichen Zeit auch zu produktivieren. Man weiß ferner, daß das Zeitalter der Bevormundung vorbei ist und daß die Emigranten nicht nur lediglich Objekte der Fürsorge sein können, sondern daß sie aktiv mi'twirken müssen bei der Regelung des so brennenden jüdischen Wanderproblems. Diese Erkenntnisse sind heute Allgemeingut aller derjenigen, die die sittliche Pflicht in sich fühlen, an den sozialen Aufgaben des jüdischen Volkes mitzuarbeiten. Strittig ist das Problem gewesen, auf welche Weise die Organisation ausgebaut werden soll, die als Sachwalter der jüdischen Gemeinschaft die Aufgaben der jüdischen Wanderung zu lösen hat. Die bisherige Form des Emigrationsdirektoriums, das eigentlich nur ein Ausschuß von einigen prominenten jüdischen Hilfsorganisationen darstellte, hat sich nicht bewährt. Die Anlage des Emigrationsdirektoriums brachte es mit sich, daß seine Tätigkeit trotz des besten Willens, der Leiter des Emigrationsdirektorilums nicht jenen Widerhall in der öffentlichen Meinung der Weltjudenheit finden konnte, der gerade bei der Lösung solch schwerwiegender, die gesamte jüdische Öffentlichkeit direkt oder indirekt berührenden Aufgaben notwendig gewesen wäre. Das Emigrationsdirektorium war eigentlich nur ein Ausschuß von verschiedenen Komitees und in seiner Wirksamkeit, sowie insbesondere in der Beschaffung seiner Mittel, von dem Wohlwollen der Organisationen abhängig, denen es sein Dasein verdankte. Aus diesen Gründen hat das Emigrationsdirektorium trotz besten Willens nicht initiativ und autoritativ in sehr vielen Angelegenheiten auftreten können. Wenn man schon den äußeren Verlauf der Emigrationskonferenz mit einer Tagung, um ein Beispiel zu nennen, der Zionistischen Organisation vergleicht, so springt einem der Unterschied zwischen dem Geiste, der auf der Emigrationskonferenz herrschte und der Stimmung, die auf zionistischen Konferenzen zu herrschen pflegt, in die Augen. Das Geheimnis für diese Erscheinung liegt darin, daß die Zionistische Organisation demokratisch aufgebaut ist und daß die Emigrationskonferenz — abgesehen von der Verschiedenheit und Bedeutung der tragenden Ideen beider Arten von Versammlungen — die Zusammenkunft von Komiteemitgliedern war, deren Verantwortlichkeit gegenüber Auftraggebern in keiner Weise fest Umrissen ist. Wir leben aber in einer Welt, deren Demokratisierung ununterbrochen fortschreitet, und der Widersinn und die Unmöglichkeit, daß Organisationen wie „ICA“ und andere die letzte Entscheidung in allgemeinen prinzipiellen Fragen haben, tritt immer stärker in Erscheinung. Die Sachlage war bisher derart, daß das Emigrationsdirektorium keine Möglichkeit hatte, an, die Öffentlichkeit zu appellieren und sich auf sie zu stützen und daß es einen großen Teil seiner Energie darauf verwenden mußte, sich das Wohlwollen seiner Geldgeber zu erhalten. Nun soll es anders werden! Die zweite jüdische Emigrationskonferenz in Berlin hat beschlossen, eine demokratische Organisation zu schaffen! Allerdings ist sich die Konferenz darüber klar gewesen, daß vorläufig keine demokratische Organisation reinsten Wassers gebildet werden kann. Man Ist nicht imstande, der Mitwirkung der großen Stiftungsvermögen und der undemokratiischen Hilfskomitees zu entraten. Der nächste Schritt wird also die Schaffung einer gemischten Organisation für das jüdische Wanderwesen sein. Neben Vertretern der Hilfsgesellschaften sollen Vertreter von Mitgliederverbänden und Vertrauensleute der Emigranten „mitraten und mittaten“. Wenn die Durchführung dieser Absicht gelingen wird, dann ist anzunehmen, daß tatsächlich ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Regelung des jüdischen Wanderproblems getan sein wird. M. W. Kauft bei den Inserenten des „Jüdischen Echo“. POBZEL L AN-NI EDEBLAOE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN «EBRAIICHSPORZELLAS TÄGLICHE LAGERERGÄNZUNG