Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 33 (14.8.1925)
- Date
- 1925-08-14
- Page
- Seite 643 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9155971--07033-9079751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 33 Das Jüdische Echo 643 Hebräische Sprachschule München Über die Tätigkeit im Schuljahre 1924/25. In den ersten Tagen des Septembers beginnt das neue (zweite) Schuljahr der Hebräischen Sprachschule München — Anlaß genug, um hier einen kurzen Überblick über die Tätigkeit der Schule im ersten Jahre ihres Bestehens zu ^geben. Hebräischer Sprachunterricht in Abendkursen ist für München kein Novum. Bereits lange vor Ausbruch des Weltkriegs, im Jahre 1909/10 war in München ein besonderer Verein gegründet worden, der sich die Verbreitung hebräischer Sprach- und Literaturkenntnisse zur Aufgabe gemacht hatte. Die „I v r i a h“ richtete damals Sprachkurse ein, berief allwöchentlich einmal den „Klub der Hebräisch-Sprechenden“ ein, unterhielt eine reichhaltige hebräische Leihbibliothek und pflegte nach Kräften hebräische Kulturbestrebungen durch Abhaltung allgemeiner Veranstaltungen, die der Ehrung hebräischer Schriftsteller und Dichter sowie der Unterstützung kultureller Unternehmungen und Institutionen galten. Auch für Verbreitung hebräischer Zeitungen und Zeitschriften sorgte sie. Jene Jahre vor dem Kriege waren durch einen zufälligen Umstand der hebräischen Sache ln München besonders günstig. Eine große Zahl i ü - discher Studenten aus Rußland waren in jenen Tagen nach München zum Studium an den Hochschulen gekommen und haben während der Dauer ihrer Studienzeit die hebräische Kulturarbeit in München geleitet. Mit den Gefühlen der größten Dankbarkeit erinnern sich'noch heute die damaligen Mitglieder und Schüler der „Ivriah“ jener idealistischen russisch-jüdischen Lehrer-Studentenschaft, die in aufopfernder Selbstlosigkeit ihre Zeit und ihr großes Wissen in den Dienst dieser Aufgabe stellten. Vom ,„J üdisch-Akademischen Kulturverei n“, der Gesamtonganisation aller nationaljüdischen Studenten aus dem Osten, sowie dem Verein zionistischer Hochschüler in München „M a k k a b ä a“ im Verband des „Hechawer“ und von der „Ivriah“ strahlten damals die größten hebraisierenden und judaisierenden Wirkungen auf jüdische Kreise verschiedenster politischer Einstellung aus. Es gab in jenen Tagen keine größere öffentliche zionistische Versammlung, in der nicht hebräische Redner in der Diskussion auftraten und mit dem lebendig gesprochenen hebräischen Worte manchmal größeren Eindruck auf die anti- und äzionistische Hörerschaft machten als die begeisterten Propagandareden in deutscher Sprache. Unter diesen Studenten gab es ausgezeichnete Kenner der alten und neuen hebräischen Literatur, des Talmud usw. Mit Ausbruch des Krieges erfuhr diese günstige Entwicklung des hebräischen Sprachstudiums in München eine jähe Unterbrechung. Das Interesse der jüdischen Jugend wurde durch die kulturfeindliche Atmosphäre des Krieges und dessen lähmende Wirkungen fast gänzlich von der Pflege hebräischer Kulturgüter abgezogen und die „Ivriah“ mußte infolge Mangels an geeigneten Lehrkräften und an einer genügenden Zahl Lernbegieriger ihre Tätigkeit einstellen. Freilich fehlte es auch während des Krieges und nach Kriegsende nicht an stets erneuten Versuchen, die hebräische Unterrichtsarbeit wieder aufzunehmen, und es läßt sich wohl behaupten, daß der ernstlich um das Studium Bemühte zu jeder Zeit Gelegenheit hatte, einen seinen Bedürfnissen entsprechenden Unterricht zu genießen. Wir erinnern nur an die ersprießliche Tätigkeit wertvoller Lehrkräfte aus diesen Jahren, wie etwa Dr. Leo Rosenberg, Ariel Awigdor, Dr. Gerhard Scholem, Fräulein Else Burchard usw. Erst im Herbst letzten Jahres konnte mit dem Wiederaufbau der hebräischen Kulturarbeit in München begonnen werden. Die eifrigen Bemühungen des verhältnismäßig kleinen Kreises, dem die Wiederbelebung und Fortfühl ung des begonnenen Werkes besonders am Herzen lag, waren von Erfolg gekrönt. Es gelang, in der Person des zu unser aller größtem Leidwesen in diesen Tagen dahingeschiedenen Herrn J. Argasi*) einen hebräischen Lehrer zu gewinnen, der als Absolvent des hebräischen Gymnasiums zu Jaffa und Wanderlehrer in den palästinensischen Arbeiterkwuzoth ausgezeichnete Voraussetzungen für die hebräische Unterrichtsarbeit in München mitbrachte. Das größte Verdienst um die Wiederbelebung der hebräischen Abendkurse hat sich unstreitig Herr Paul Grünbaum erwoyben, dessen zäher und energischer Tätigkeit der neue Versuch in größerem Maßstab zu danken ist. Die Kurse, anfangs drei an Zahl, begannen mit etwa 40 Schülern, sind aber gegen Ende des Berichtsjahres (von Pessach an), noch um zwei weitere Anfängerstufen vermehrt worden und hatten zusammen mit den beiden Bibelkursen, die ebenfalls seit Pessach bestanden, und dem seit November bestehenden „Klub der Hebräisch-Sprechenden“, der sich allmählich zu einem freien Lektürekurs entwickelte, eine Gesamtfrequenz von 112 Schülern, wobei diejenigen nicht mitgerechnet sind, die nur versuchsweise einige Stunden besucht haben. Wenn auch die über die Frequenz der Kurse geführte Statistik als Zahl der regelmäßigen Teilnehmer nur 86 ergibt, so muß, bei vergleichsweiser Heranziehung ähnlicher Unternehmungen, etwa sonstiger Abend-Sprachkurse, dieses Resultat als nicht unerfreulich bezeichnet werden. Jedenfalls n.iuß anerkannt werden, daß sich das Interesse für die Erlernung der hebräischen Sprache im letzten Jahre, im Vergleich zu den früheren Jahren, sichtbar gesteigert hat und daß der Erfolg dieser Arbeit in einer a u f s t eigen d e n Linie begriffen ist. Wenn es auf Grund einer systematischen Tätigkeit von einem Jahre gelungen ist, in München ca. 100 Hebräisch-Lernende (um die ungefähre Mitte zwischen Gesamtfrequenz und regelmäßigen Teilnehmern zu nehmen) in die Kurse einzugliedern, so ist es keine übertriebene Annahme, die voraussichtliche Zahl im kommenden Jahre noch etwas höher anzunehmen. Denn die Zahl derer, die sich zu den neuen Anfängerkursen melden werden, wird gewiß die Zahl derer übertreffen, die nach einjährigem Studium ihre Bemühungen aufgeben. Für die richtige Beurteilung des in die hebräischen Kurse eingegliederten Schülermaterials und der geleisteten Arbeit mögen noch folgende Daten von Interesse sein: Die Zahl der m ä nnlichen Teilnehmer war unge- *) Siehe den Nachruf in unserer heutigen Nr. Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel. 20542 Ledererstr. 12