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Das jüdische Echo · 1925-08-14 · 33 (14.8.1925) · p. Seite 644

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
33 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
Seite 644 (sequence 12)
Language
German
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644 Das Jüdische Echo Nr. 33 fähr der Zahl der w e i b 1 i. c h e n Teilnehmer gleich (ein Verhältnis, das sonst im jüdischen freiwilligen Unterrichtswesen völlig anders ist). Von den Schülern gehörte die überwiegende Mehrheit jüdischen Jugendorganisationen an. Die Zahl der mehr als 25jährigen war gering und nur der Bibelkurs für Geübte hatte eine Mehrheit von älteren Teilnehmern. Der Unterrichtserfolg war im großen und ganzen gut. Etwa 80 Prozent der regelmäßigen Teilnehmer haben an den Kursen mit Erfolg teilgenommen, so daß sie ohne weiteres imstande sind, den Kurs auch fernerhin mit Erfolg zu besuchen. Von den übrigen 20 Prozent haben wohl die meisten die sechswöchentliche Eenenzeit zur Nachholung des Versäumten genützt und ihre Lücken durch privaten Fleiß so weit nusgefüllt, daß auch sie nach bestandener Nachprüfung großenteils wieder in ihre entsprechenden Kursstufen einrücken können. Ausgezeichnet bewährt haben sich übrigens die Morgenk urse (von 6.30 bis 7.30), deren Besuch besonders gut und regelmäßig war. Über den im letzten Schuljahre durchgenommenen Lehrstoff gibt die folgende Übersicht Rechenschaft. 1. Anfängerkurse Ia und Ib (Pessach—15. Juli): Lehrbuch „Rath“, Lektion 1—22. (Die meisten Schüler konnten bereits lesen, manche auch Schreibschrift. Alle bis auf zwei hatten bereits Hebräisch im Religionsunterricht gelernt.) Erlernung der Schreibschrift. Schriftliche und mündliche Übersetzungsübungen aus dem Hebräischen und ins Hebräische nach dem Lehrbuch. Diktate. Ausgiebige Konversation über das Gelesene. Grammatik: vorerst unsystematisch, nur nach praktischem Bedarf; die primitivsten Erscheinungen der Formenlehre. Unterrichssprache zumeist deutsch. 2. Anfängerkurse Ila und Ilb (Oktober 24—Juli 25): Lehrbuch: „Halaschon“ 1. Teil. Gelesen wurden etwa 30 Lesestücke in steigender Schwierigkeit. Konversation über das Gelesene. Diktate, schriftliche Übungen. Grammatik: die primitivsten Erscheinungen der hebräischen Formenlehre (Konjugation des Verbums; Genus, Numerus beim Nomen; das Nomen mit Personalsuffixen usw.). Systematische Grammatik: das Verbum aller Klassen im Kal (Perf., Imperf., Inf.. Imp., Partie.). Unterrichtssprache gemischt. Bibel: das Buch Jona. 3. Kurs III für Fortgeschrittene (Oktober 24 bis Juli 25): Lehrbuch „Perakim rischonim“ 2. Teil. Gelesen wurden etwa 15 größere Lesestücke in steigender Schwierigkeit, zuletzt Stücke aus Mendeles Romanen. Übergang zum Lesen unpunktierter Texte. Konversation. Diktate. Schriftliche Nacherzählungen. Punktierungsübungen. Systematische Grammatik: Das Kal in allen, Verbklassen. Unterrichtssprache zumeist hebräisch (außer bei schwierigen grammatischen Erklärungen). Bibellektüre: Ausgewählte Stücke aus Jesaja, Esra und Nehemia. (Die Mehrzahl der Teilnehmer dieses Kurses habeni auch den Bibelkurs A (siehe unter 5!) besucht). 4. Kurs der historischen hebräischen Grammatik (Januar—April 25): Systematische Darstellung der Lautgesetze und Formenlehre, frei nach dem Lehrbuch von Genesius-Kautsch. (Zur Erleichterung des Verständnisses kamen vervielfältigte Zusammenfassungen zur Verteilung). 5. Bibelkurs A (Pessach—15. Juli 25): Buch der Richter 1—16. Ruth. Lektüre und regelmäßige Wiederholung des Gelesenen. Dieser Kurs sollte eine Art Ergänzungskurs zu den Sprachkursen Ila, Ilb, III bilden, wurde aber — mit wenigen Ausnahmen — fast ausschließich von Schülern des Kurses III besucht. Häusliche Mitarbeit war erwünscht, aber nicht gefordert, um eine Überlastung zu vermeiden. (Es empfiehlt sich jedoch für die Zukunft, zu dem früheren System der Bibellektüre innerhalb des Sprachkurses zurückzukehren, wobei allerdings der zweistündige Wochenkurs durch einen mindestens aus zwei anderthalbstündigen Wochenlektionen bestehenden abgelöst werden müßte, damit in einer Lektion zwei Gegenstände, Sprache und Bibel, zu je dreiviertel Stunde unterrichtet werden können). Übersetzung und Erläuterung in deutscher Sprache. 6. Bibelkurs B (Pessach — Juli 25): Das Buch Hiob (vollständig) mit kurzen Erläuterungen. Übersetzung und Erläuterung deutsch. 7. Klub der Hebräisch-Sprechenden: Anfangs Gesellschaftsspiele und leichte" Unterhaltungen über aktuelle Fragen. Konversation und Referate. Später Lektüre von Bialiks Gedichten und Bialiks Prosaerzählung „Arje baal guf“. Der „Klub“ nahm allmählich, besonders von Pessach an, den Charakter eines Lesezirkels mit durchaus hebräischer Unterhaltungs- und Erklärungssprache an. Auch aus diesem kurzen Bericht dürfte ersichtlich sein, daß die Tätigkeit der hebräischen Sprachschule im verflossenen Jahre Ersprießliches geleistet hat und jedenfalls als Auftakt zu einer geordneten hebräischen Erziehungsarbeit unter der Münchener jüdischen Jugend vielverheißend ist. In einem weiteren Artikel wollen wir uns mit der Frage eines systematischen Programms einer derartigen Sprachschule befassen. M. M. Haimann Perlmutter Nach kurzer aber schwerer Krankheit wurde im hohen Greisenalter von nahezu 84 Jahren der ehrwürdige Nestor der deutschen Kantoren, Haimann Perlmutter, am 12. August von einem ansehnlichen Trauergefolge zur letzten Ruhe geleitet. In beredten Worten entwarf der amtierende Rabbiner, Herr Rabbinatssubstitut Dr. Elk, ein anschauliches und zutreffendes Bild vom Wesen und Wirken des Heimgegangenen, der nach 37jähriger, vorbildlich geführter Amtstätigkeit als Scholiach zibbur in Ichenhausen seinen Lebensabend im Kreise seiner ihn liebevoll betreuenden Kinder und Enkel hier in München verlebte. Ein Meister des traditionellen Synagogengesanges, beherrschte er ebenso die süddeutsche wie die polnische Chasonus, hinterließ er musikalische schriftliche Aufzeichnungen, von denen zu wünschen wäre, sie möchten der Allgemeinheit durch Veröffentlichung zugänglich gemacht werden, Aber nicht nur auf diesem Wege erwarb er sich hohe Wertschätzung bei Kennern und Laien; Begabung und Neigung hatten ihn auch schon in jungen Jahren zu einem Talmid chochom heranreifen lassen, den der ehrende Morenutitel zierte und der wohlbewandert war ebenso im biblischen wie im talmudischen Schrifttum. Mit überraschender Gewandtheit handhabte er die hebräische Sprache in Wort und Schrift, in Poesie und Prosa, wovon Zeugnis ablegten seine zahlreichen, in klassischem Hebräisch abgefaßten, geistvollen und mitunter witzigen poetischen Episteln. Sein sangesfroher Mund ist nun verstummt. Nicht mehr werden wir den schier ewig jungen,

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