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Das jüdische Echo · 1925-08-14 · 33 (14.8.1925) · p. Seite 640

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
33 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
Seite 640 (sequence 8)
Language
German
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640 Das Jüdische Echo Nr. 33 rungen des Congresses hinaustragen in die Städte und Dörfer ihrer Länder. Für diese zukünftige Verkündigung der Lehren des Congresses bereiten sich die Studenten vernünftig vor. Sie haben sich bei dem Congresse zusammengethan und einen Bund der zionistischen Studenten aller Länder geschaffen. Man wird bald sehen, wie werthvoll die brüderliche Zusammenkunft unserer Jugend in Basel war. Die Baseler Presse. Die Schweiz ist das Land der Congresse. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht irgend ein internationaler Rath Zusammentritt. Ein Congreß ist nichts Neues in diesem gastlichen Lande. Doch ein Congreß der „Juden“! Davon hat das Land noch nie gehört. Sie mögen sich wohl anfangs die wunderlichsten Vorstellungen gemacht haben über die Art und den Zweck unserer Zusammenkunft, die biederen Schweizer. Doch sie hören bald mehr von der Sache. Die Baseler Presse beschäftigt sich schon einige Tage vor dem Congresse mit unseren Wünschen und den Bestrebungen unserer Zusammenkunft. Die Blätter sind so gut informirt, daß man ganz überrascht ist. Wenn wir die Zeilen lesen, die sie den Zionisten widmen, hat man ein Gefühl der Freude. Es sind ehrliche Blätter, die wi‘r in der Hand halten. Die Artikel sind ganz sachlich, nicht allzu verschwenderisch mit ihren Sympathien — aber frei von jedem Haß. Mit dem letzten Urtheiie warten sie, bis sie den Congreß gesehen haben. Nur wenige Blätter machen eine Ausnahme. Ein Blatt empfängt uns mit einem Spottgedicht, das mit den Worten schließt: „Auf nach Jerusalem, sei s früher oder später —> Zion sei Dein! Wir wünschen gute Reise.“ Werden wir uns darüber wundern? Werden wir darüber klagen, daß uns der böse Geist auch in die Berge verfolgt? Wir wollen lieber den anderen danken, jenen, die uns ein wenig verstehen und ein wenig mitfühlen mit unserem Schmerz ... Was die Blätter von den Zionisten erzählen, steigert nur noch das Interesse für den Congreß. Auch die Buchhandlungen bemächtigen sich der Sache. Exemplare des „Judenstaates“ stehen in den Auslagen in langer Reihe neben einander. Das sind die schriftlichen Einladungen an die Baseler, sich mit uns zu beschäftigen. Und die Baseler folgen theils neugierig, theils wißbegierig, dem Rufe. Ein Jubiläum der hebräischen Literatur Am 9. August (19. Ab) feierte unser Saul Tschernichowsky, einer der großen hebräischen Lyriker dieses Zeitalters, seinen 50. Geburtstag. Was Tschernichowsky für die Entwicklung der modernen hebräischen Lyrik bedeutet, hat Arthur S a k h e i m in seinen kürzlich erschienenen Vorträgen über „Das jüdische Element in der Weltliteratur“*) in kurzer, scharfumrissener Prägung formuliert. Wir geben im folgenden diesem ausgezeichneten Kenner der hebräischen Literatur das Wort. Sakheim schreibt in seinem siebenten Vortrag: Tschernichowski brachte der hebräischen, der jüdischen Dichtung fruchtbar Neues. Er hat den Pulsschlag, die irdische Mystik und die süße Klarheit. Den ungemessenen Wunsch ins Blaue, Unerforschliche und die ruhige, vornehme Schönheit der Form. Noch in der Schwermut, in der Erschütterung ist er griechisch, apollinisch heiter, ein Parnassien mit starkem Hang zu geruhsamer Stilisierung, kein klüglich balancierender Eklektiker. In Betrachtung versunken, temperamentvoll und geistreich. Manchmal ist aller Gram wie abgefallen; im Nur-Geistigen geht das Körperliche nicht unter. Tschernichowski wühlt schmerzhaft in den Wunden des Judentums, dann spricht er uns liebreich zu; und immer wieder sucht er nach einem hellen, erlösenden Zenit. Magie und Zauber der reinen Kunst haben es ihm angetäfi. Die Krim atnnt in seinen Versen und der Schwarzwald. Der Kristall seiner Idyllen spiegelt die Ukraine. Frühling und ungezähmten Aufbruch jauchzen die klangvollen, bilderreichen „Agadot Awiw“. Lebendigster Realismus erquickt Tschernichowskis Verse; transzendente Spekulation und klare Beobachtung reimen sich in der Glut, in der inbrünstigen Gewalt des Dichters zusammen. Leben ist Begehrlichkeit, Glück und Herzenstrost. Leben ist Liebe. Die erotischen Verse Tschernichowskis sind von einer seltenen Intensität der Gewißheit; kein Stiefkindgroll *) Arthur Sakheim, „Das jüdische Element in der Weltliteratur.“ Sieben Vorträge. Verlag Hazoref, Buchhandlung Goldschmidt, Hamburg. Siehe die Besprechung in Nr. 15 unserer Zeitschrift. und völlig unsentimental. Sie treten in die Welt verlangend und verbrennend. Feuerstrophen schlagen wie schlanke Flammen ungebrochen in die Höhe. Tschernichowski kennt den Fluch der Abstraktion; aber er selbst vermag das Naive naiv wiederzugeben, durch starke, feurige Leidenschaft hinzureißen. Das Meditative fehlt trotzdem nicht. Tschernichowski liebt den Aufstieg ins Grenzenlose und die natürliche Begrenzung. Er besingt prachtvoll im Ton, wild üppig, energisch Mohammed, Bar Kochba, mittelalterliche Burgen, blonde Bestien sogar; in Liturgien der Schönheit, mit wohlangewandtem Wissen, sehr graziös und meisterlich preist er die Elemente, den Waldeszauber, die Götter und Göttinnen von Hellas, Phöniziens Balsamgärten, die Unterwelt der Leidenschaften, aber Apollon vor allem. Die göttlichen Frauen und Mädchen liebt dieser Poet, die blendende Zier, die mühelose und frohbeherzte Gesundheit, den allerseligsten Freudenquell, das frische Ambrosia. Und am jüdischen Gott liebt Tschernichowski den Schaddai, die Schalhewet Iah, die Kraft aller Kräfte. Er rehabilitiert die wilde Regsamkeit der schwarzfunkelnden „Lügenpropheten“. Judentum ist ihm wenig, eine blasse Idee; Saat von Graetz gesät, dem Tage der Garben zu reifen. Judenheit ist — alles. Er glaubt an strotzende Säfte und an ein im eigenen Land genesenes, heimatseliges, großgewiegtes kräftiges Volk. Eine echte lyrische Natur. Ein Formvirtuose, aber kein launischer Zärtling; sondern künstlerische Fülle, alle engabgezirkelten Gebiete überflutend. In nahezu jedem Gedicht — Spiel und Traum, Liebe zum Lebendigen, Kraft und Grazie, Formgefühl, Sinnen und Trachten sind, unbeschadet dem Eigenwuchs und der selbstherrlichen Meisterschaft, mannigfaltig an russischer, antiker, westeuropäischer Lyrik orientiert. An Anakreon, Ovid, G/oetihe, Shelley, Puschkin, Gogol, Tiutschew, Müsset, Polon$ki, Alexei Tolstoi, Fjät, Balmont, Dehmel und Dauthendey. Dennoch bleibt Tschernichowski durchaus jüdisch und originell, seine Dichterseele — naturhaft und hohepriesterlich, Sambation und brennender Dornbusch. Und weiche Musik, zärtlich streichelnd, nächtliche

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