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Das jüdische Echo · 1925-08-14 · 33 (14.8.1925) · p. Seite 639

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
33 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
Seite 639 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 639 Gesichtern spricht die Neugier des Kindes, das ein Märchen hört. „Se woll worschili zum Congresse der Jude? Kimme Se, isch werde Ena zeige.“ Ich werde sanft gefaßt und unter den, musternden Blicken des Baseler Volkes ins Congreßbureau geführt. „Zioniisten-Congreß“ leuchtet es auf weißem Schilde den Kommenden weithin entgegen und leuchtet hinaus, in diel Welt. Ich danke meinem Begleiter und gehe hinauf. Das Herz klopft etwas stürmischer — vielleicht sind die Treppen daran schuld —< und wir treten in die Stube. Wir umarmen uns und küssen uns. Wir kennen uns noch nicht, Oh doch, wir kennen uns schon, wir sind Brüder. Und nachdem wir uns umarmt und geküßt, sagen wir uns wie wir heißen. Und da wir die Namen erfahren, küssen wir uns nochmals, denn sie sind uns bekannt. Freunde und Genossen, die sich noch nicht gesehen, lernen sich persönlich kennen und schließen Freundschaft. Wie ein elektrischer Funke springt es von Herz zu Herz und entzündet sie. So leuchtet die erste Sonne über das Weltall und erfüllte und erwärmte es bis in die tiefsten Winkel. Es ist merkwürdig, wie stark die Ideengemeinschaft ist und wie stark sie macht. Auf einmal verstehen wir alle Sprachen. Aus dem vieltömigen Gewirr der modernen Sprachen klingt nur ein Ruf uns entgegen: Iwri onoehi! Die Galerie. Eine Eintrittskarte zum Congreß ist ein viielbegehrtes Ding. Tage vorher melden sich die Baseler an. Am Vortage des Congresses wird das Bureau nicht leer von solchem, die um Einlaß bitten. Universitäts-Professoren, Studenten aus Basel und Zürich, viele Damen, darunter mehrere Studentinnen befinden sich unter den Zuhörern — Juden und Nichtjuden. Man gibt Eintrittskarten aus, solange es eben geht. Einen Theil kann das Bureau noch unten im Sitzungssaal unterbringen, wo gerade ein Plätzchen frei ist — viele muß man wegschicken und vertrösten auf Nachmittag, auf morgen, auf übermorgen. Manchmal gibt es sogar einen kleinen Streit, wenn einer auf einen Augenblick fortgegangen ist und ein anderer ihm seinen Platz inzwischen geraubt hat. Unsere Studenten vermitteln bald. Lange vor Beginn der Sitzung ist die Galerie bereits gefüllt. In der ersten Reihe sitzen die Frauen und Mädchen und die Älteren unter den Bürgern. Sie blicken neugierig in den Saal. Eine Judenversammlung! Was es da wohl zu sehen und zu hören geben wird! Hat sich vielleicht der eine oder der andere zum Lachen vorbereitet? Die Sitzung beginnt. Sie blicken gespannt hinunter und horchen aufmerksam zu. Sie hören die großen Reden des Tages. Stürmischer Beifall erdröhnt unten, die Wellen der Begeisterung schäumen hoch auf und fluthen durch den Saal. Da werden auch die von oben mitgerissen. Sie klatschen lebhaft Beifall, und die Mädchen schwenken die Tücher. Der Präsident hat nichts auszusetzen an dieser Demonstration von oben. Ein enges Band schlingt sich um Mitglieder und Zuhörer des Congresses. Wären sie nicht räumlich getrennt von einander, man würde sie nicht unterscheiden. Saal und Galerie, beide folgen mit bewunderungswürdiger Ausdauer den oft schwierigen Verhandlungen des Congresses. Die große Zahl der aufeinander folgenden Referate ermüdet sie nicht. Die Galerie — das ist das Symbol der Aufrichtigkeit, der Loyalität, der vollständigen Öffentlichkeit im Zionismus. Die erste Probe des öffentlichen Verfahrens hat der Zionismus glücklich bestanden. Die Leute von der Galerie haben in Basel weiter erzählt, was sie gehört haben. Es muß nur Gutes gewesen sein. Am zweiten Tage kommen neue Leute, die auch gerne etwas von der Sache hören möchten, eine Weile wenigstens, eine Stunde. Wir lassen sie in den Saal eintreten. Sie müssen stehen. Wenn wir nach ein paar Stunden, wiederkommen» stehen sie noch immer auf ihrem Platze. Sie drükken uns freundlich die Hand. An diesem Händedruck erkennen wir, daß sie uns verstanden haben. Die Studenten. Die Studenten bilden eine sehr kleine, aber vielbemerkte Gruppe unter den Theilnehmern des Congresses. Wenn man sie beobachtet und mit ihnen spricht, weiß man, wie der Congreß der Zukunft aussehen wird. Es sind Studenten aus Wien und Mähren da. aus Galizien, Rußland, aus Frankreich und aus Deutschland. Ein jeder von ihnen hat bereits für den Zionismus gewirkt, und ein großer Ernst erfüllt sie Alle. Sie bethätigen in Basel Ihre junge Kraft. Mit großem Feuer gehen sie ins Zeug, insbesondere die österreichischen, denen man die Vertrautheit mit der Veranstaltung von Zusammenkünften sofort anmerkt. Sie besorgen schnell und freudig die kleinen Dienste, die nöthig sind, damit alles klappt. Und es klappt recht gut. Die Studenten aus Frankreich bestechen durch ihre weltmännische Geistesschärfe und ein weitblickendes Verständnis, die österreichischen durch ihre Strammheit und die Routine in der Organisation. Auf dem Congresse sind Alle natürlich nur die bescheidenen Jünger, die aufhorchen zu den Meistern droben auf der Tribüne. Wenn sie aber daheim sind, dann werden sie die Offenba- Bayer. Vereinsbank Gegründet München'Nürnberg 1869 Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns Besondere Einrichtungen für den Fremdenverkehr Ausstellung von Kreditbriefen auf Reichsmark und ausländische Währungen Moderne Stahlkammeranlage zur vorübergehenden Aufbewahrung von Wertgegenständen

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