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Das jüdische Echo · 1925-08-14 · 33 (14.8.1925) · p. Seite 638

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
33 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
Seite 638 (sequence 6)
Language
German
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638 Das Jüdische Echo Nr. 35 essenstandpunkt den Zionisten einen rrt ö g - liehst vollständigen Erfolg ihrer Bestrebungen wünschen. Gerade Österreich isit schon infolge seiner .geographischen Lage das nahe Ziel einer besonders starken Einwanderung solcher Elemente, die in ihren Aufenthaltsländern schon seit langem aus verschiedenen Gründen zur Auswanderung neigen. Wir haben wohl keinen Grund, den zionistischen Bestrebungen, diesen Auswandererstrom nach Palästina zu lenken, entgegenzutreten. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, daß die zionistische Bewegung und Arbeit tatsächlich darauf gerichtet sind, die Auswanderung nach Palästina zu fördern, schon wegen der Ausgestaltung der dortigen jüdischen Siedlung, die immer -neuer Arbeitskräfte bedarf. Die mitteleuropäischen Länder, also auch Österreich, haben jedenfalls Ursache, die Auswanderung von Juden in die jüdische Heimstätte und daher die zionistische Bewegung gutzuheißen. Eine Politik, die der jüdischen Wanderung andere Wege und Ziele als die mitteleuropäischen Länder weist, entspricht sicherlich den Interessen aller Beteiligten. Es wäre daher nicht zu rechtfertigen, wenn eine Regierung einem Zionistenkongreß Schwierigkeiten bereitete. Auch die österreichische Regierung ist überzeugt, daß sie recht daran tut, den Arbeiten und Bestrebungen des zionistischen Kongresses nach dem Vorbild aller anderen Regierungen die volle, ihnen gebührende Aufmerksamkeit zuzuwenden und den Kongreßteilnehmern jene Begünstigungen einzuräumen, die ausnahmslos bei derartigen Veranstaltungen in allen Ländern gewährt werden.. Die von den Herren Interpellanten geäußerten Besorgnisse kann die Bundesregierung nicht teilen. Sanitäre Gefahren sieht sie nicht als, gegeben an. Gegenüber den sonst geäußerten Bedenken verweilst sie auf die geltenden Vorschriften über Einreise und. Aufenthalt. Zur inneren Unruhe besteht kein gerechtfertigter Anlaß. Der Zuzug von Kongreßteilnehmern wird in einer so großen Fremdenstadt wie Wien nicht sonderlich auffallen, Es wird allerdings von einigen Organisationen eine heftige Agitation gegen den Kongreß betrieben. Die Regierung ist aber überzeugt, daß sie dem gesunden, ordnungsliebenden Sinn der Bevölkerung voll vertrauen kann. Zionistenkongresse haben bereits in Basel, in London, im Haag, in Hamburg, in Karlsbad und auch schon in W i e n stattgefunden und sind durchwegs ruhig yerlaufen. Die Masse der gastfreundlichen Bevölkerung Wiens ist einsichtsvoll und besonnen und wird sich gewiß nicht von unüberlegten Elementen mißbrauchen lassen, besonders da mit der Abhaltung des Zionistenkongresses keine Schädigung der Interessen der bodenständigen Bevölkerung verbunden ist, der Kongreß vielmehr von der Fremdenindustrie, an deren Entfaltung die ganze Bevölkerung interessiert ist, begrüßt wird. Ich darf auch daran erinnern, daß in der allerjüngsten Zeit Vertreter der verschiedensten Berufszweige, des Gastgewerbes und des Handels ihr Interesse an der ungestörten Abhaltung des Kongresses zum Ausdruck gebracht haben. (Wiener Morgenzeitung.) In jenen Tagen Ein glücklicher Zufall hat uns eine Nummer der „W e 11“ aus dem Jahre 1897 auf den Redaktionstisch gebracht, in dem die ersten Berichte über den Verkauf des von Theodor Herzl einberufenen ersten Zionistenkongresses in Basel veröffentlicht sind. Bekanntlich sollte dieser erste Weltkongreß in München stattfinden, ist aber durch den Protest deutscher Rabbiner nach der Schweiz einberufen worden. Die in der genannten Nummer verstreuten kleinen Stimmungsbildchen von B. F. (Berthold F e i - w e 1) sind es wohl wert, bei so passender Gelegenheit wieder in die Erinnerung gerufen zu werden. Nach Basel. Von ernsten Gedanken bewegt, das Herz erfüllt von freudigen Erwartungen, fahren wir nach Basel. Die Fahrt ist eine hübsche Einführung in den Congreß. Es ist ein Congreß im Eisenbahnwaggon, vom Zufall ilmprovisirt, ein Congreß en miniature. Gleich bei! der Abfahrt lugten wir nach Zionisten aus. Und schon hatten wir einen entdeckt. Wir waren^ eine kleine Gesellschaft, als wir abreisten. Als wir anlamgten, waren wir eine recht stattliche Versammlung. War das jedesmal eine Freude, wenn wir einen „Baseler“ herausgefunden und uns gegenseitig bekannt gemacht hatten! Ein herzliches, brüderliches Händeschütteln und ein freudiges Sich-Kennen-Lernen. Die meisten haben bereits von einander gehört: von beiderseitigen Freunden oder aus unseren Blättern. Der Zionismus macht sie in wenigen Minuten so befreundet, als hätten sic einander durch Jahre gekannt. Wovon wir sprachen? Wovon Zionisten immer sprechen, wenn sie miteinander Zusammenkommen. Das erste Wort gilt natürlich dem Congreß. Wir wollen einander nicht einmal verrathen, mit welcher Spannung, mit wieviel Hoffnung wir. ihm entgegensehen. Dann fliegt die Rede hinüber und herüber: Wie es da und dort um die Sache steht, was man gethan hat und was man später thun wird. Es gibt ja soviel zu erzählen. Man hört alle möglichen Sprachen. Doch wir verstehen uns. Alle, denn alle Sprachen enthalten das gemeinsame Wort: „Zion“. Die Zeit verfliegt uns schnell, daß wir es kaum glauben möchten. Draußen strahlt Alles im wunderbaren Glanz der Abendsonne. Über der Alpenlandschaft liegt eine weihevolle Stimmung. Etwas davon zieht ein in unsere Herzen. So fahren wir dem Congreß entgegen. Vor dem Congreß. Ein Märchen! Ist es denn Wirklichkeit und kein Traum! Seit Titus ist die erste Judenversammlung keine jüdische, sondern eine Versammlung der Juden. Diese braven Schweizer, die uns eine so prächtige Gastfreundschaft gewähren, kennen die Freiheit, sie ist ihnen nicht neu. Darum gehen sie im Bewußtsein ihres Glückes ruhig und gemessen dahin, und eine stille Glückseligkeit und anmuthige Beschaulichkeit spricht aus ihrem Wesen. Sie sind freundlich und ihr Dialekt ist freundlich. Sie dehnen das Wort ins Breite und damit ihre Mienen. Sie sind keine Freiheitsprotzen, sondern Freiheitsbürger. Und darum können sie uns nicht ganz begreifen und staunen über die fremden Zionisten mit den fremden Sprachen. Sie stehen auf den Gassen und stecken die Köpfe zusammen. Nicht müßige Neugier unnützer Pflastertreter hält sie auf. Aber die Ahnung großer Dinge, die da werden sollen, überkommt sie, und aus ihren

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