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Das jüdische Echo · 1925-08-07 · 32 (7.8.1925) · p. Seite 627

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
32 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
Seite 627 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 627 Üfe Am 8. November Wahlen zur Palästinensischjüdischen Nationalversammlung. Jerusalem (J.T.A.). Die Wahlen zur Palästinensisch-Jüdischen Nationalversammlung (Assefath Haniwcharim), die am 19. Juli hätten stattfinden sollen, jedoch verschoben worden sind, um den Zentrumsparteien zu ermöglichen, eine Einigung des linken und rechten Flügels der Nationalversammlung herbeizuführen, sind nunmehr endgültig auf den 8. November d. J. festgesetzt worden. Der W a a d Leumi (Nationalrat der Pal.-Juden) beschloß, an den Kongreß die Forderung zu richten, daß ihm in der Zion. Exekutive zwei Sitze eingeräumt werden und daß seinen Vertretern volle Rechte gleich den anderen Mitgliedern der Exekutive gewährt werden sollen. Literarisches Echo Lilien, der jüdische Künstler Der Künstler ist kein Lehrer. Multatuli. Drohobycz. Graue Landschaft, graues, stickiges Leben, in welchem ein eben erst erschlossener Goldquell, das Erdöl, zu sprudeln beginnt und einige Bewohner dieser fahlen Ödnis jäh reich macht. Nur einige. Zu ihnen gehört der Drechslermeister Lilien nicht, dessen Sohn, vierzehnjährig, unter die vom Vater geträumte bessere Zukunft, die das Mittelschulstudium verheißt, einen Strich setzen muß, um — Schildermaler zu werden. Sein künstlerischer Drang treibt ihn nach Krakau an die Kunstschule, doch das graue Elend stößt ihn in die Heimat zurück; die schaffende Sehnsucht jagt ihn nach Wien, doch die bittere Armut treibt ihn in die Vaterstadt zurück; gewaltsam reißt ihn der Wille zur Kunst nach M ii neben und dort durchlebt er, ohne Mittel zu systematischem Studium, nur auf sein zeichnerisches Talent angewiesen und ihm vertrauend, mühselige Jahre der Not, in denen jeder Augenblick den Strebenden in die Flut der armseligen Handwerklichkeit zu ziehen droht. Auch als die am Ende der Neunzigerjahre begrün dete Münchener ,,J ugen d“ den Zeichner Lilien an sich zieht, als die Blätter in der „Jugend“ den Künstler bekanntmachen und er ein gesuchter Illustrator wird, ist das Schicksal noch nicht gebannt, in der großen Handwerkermasse der Illustratoren, jener stiefmütterlichsten Kunstgattung, die ausschließlich der Verlegerräuberei ausgeliefert ist, unterzugehen. Liliens illustrative Tätigkeit in dieser Zeit zeigt deutlich, wie sehr dieser mit der Anpassungsfähigkeit seiner Rasse begabte Künstler mit unheimlicher Leichtigkeit alles zu zeichnen imstande ist, was von ihm gefordert wird: archaistische Blätter in Holzschnittmanier, impressionistische Zeichnungen, tändelnde Erotik, alles, was verlangt wird, wird gegeben, nur keine Eigenart; die erdrückt der Auftrag, den die Not auszuführen zwingt. Aber in den wenigen Augenblicken da der Kampf ums tägliche Brot dem Künstler eine Atempause gönnt, versucht er seinen Schaffensdrang auf großen Leinwandflächen auszuleben, will im Porträt, dem großen Geheimnis aller bildenden Kunst, die Lösung dessen finden, was in ihm nach künstlerischer Vollendung ruft. Die Lösung gelingt nicht, zerschellt oft an grober Unzulänglichkeit, welche anatomische Unkenntnis schafft. Da weckt die eben erst entstandene zionistische Bewegung eine Reihe junger Geister, formt Lieder und Gesänge, schöpft — erst romantisch unklar, dann immer sicherer und kenntnisreicher — jüdisches Wesen in neue Formen. Und an dieser Bewegung, an dem neuen Klang, den sie schafft, dem neuen Impuls, den sie der jüdischen Geistigkeit gibt, vollendet sich der Künstler Lilien. Aus dem Epigonenschaffen, das seine Anfänge beherrscht, da es die ganze damalige Kunst beherrscht, konzentriert sich Lilien zum bewußten jüdischen Schaffen. Den ersten Versuchen in der damals gegründeten, so unendlich wertvollen Zeitschrift „Ost und West“ folgt das Buchschmuckmaterial zu den jüdischen Balladen des Börries Freiherrn v. Münchhausen, jenes Buch „J u d a“, das von der ersten bis zur letzten Seite Lilien ist mit erläuternden Textworten in gebundener Form, die ein Dutzendballadendichter beigesteuert hat. Dieser Buchschmuck zum Balladenbuche „Juda“, besser dieses Liliensche Schmuckbuch, das damals erschien, hatte elementar — wie jene plötzlich durch Naturgewalten aufschießender Erdölquellen in Drohobycz — die künstlerische Bestimmung des jüdischen Zeichners Efraim Mosche Lilien aufschießen lassen. Das Schwarz-Weiß dieser Zeichnungen — die Schwarz-Weiß-Manier blieb Liliens plastischeste Kunslmethode trotz seiner vielen Versuche mit der Radiernadel oder dem Stift — gewann plötzlich Leben, Plastik, Blut. Die Liliensche Arbeit für das Balladenbuch „Juda“ kann vielleicht als des Künstlers wesentlichstes Werk angesehen werden; denn von der dekorativen Randleiste und der kleinsten Vignette an bis zur zeichnerisch erfüllten Buchseite atmet jeder Strich die Freude des künstlerischen Sichfindens, des Hingegebenseins an eine Sendung. Der Buchschmuck zu Morris Rosenfelds „Lieder des Ghett o“, den Liliens Hand kurz nachher schuf, ist viel weniger einheitlich in der Durchführung als das vorher erwähnte Werk. Dafür aber hat sich der jüdische Blick des Künstlers inzwischen gereift und so ward ihm die Gabe verliehen, jüdische Augen und jüdische Kinder mit wenigen Strichen und Punkten in ihrer ganzen Schicksalswesenheit zu erfassen und wiederzugeben. Das Stück Geschichte, das aus jedem jüdischen Auge spricht und es aus Tausenden kenntlich macht, die Erlösungssehnsucht, welche die Linie Jßs&serL-Jchnßidezoi

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