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Das jüdische Echo · 1925-08-07 · 32 (7.8.1925) · p. Seite 626

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
32 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
Seite 626 (sequence 10)
Language
German
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626 Nr. 32 Das Jüdische Echo ,,Das französische Rabbinat begrüßt, nachdem es den Bericht des Großrabbiners zur Kenntnis genommen hat, mit Freude die beträchtlichen Fortschritte, die in Palästina erzielt worden sind, und drückt allen denen, die durch ihre Arbeit oder ihren Opfer- .sinn zu der Entwicklung dieses jedem jüdischen Herzen teuren Landes beigetragen haben, seinen Dank aus.“ Eine von der Generalversammlung eingesetzte Kommission hat bereits ein Programm für eine unter dem Namen „France-Palestine T e h i y a t h E r e t z Israel“ zu gründende Institution ausgearbeitet. Die ersten jüdischen Arbeiter für Frankreich. Platz für 36 000. Pari s. (J.T.A.) Die ersten jüdischen Landwirtschaftsarbeiter aus Bessarabien werden in diesen Tagen in Frankreich erwartet. Die Arbeiter werden sofort auf französische Bauernhöfe verteilt werden. Man rechnet hier, daß es allmählich gelingen könnte, 36 000 jüdische Familien als Landwirte und Handwerker in Frankreich anzusiedeln. Es ist aber keineswegs an eine geschlossene Siedlung gedacht, sondern die jüdischen Einwanderer werden auf verschiedene Punkte in Frankreich, je nach Bedarf, verteilt werden. Diese Aktion wird bekanntlich auf Grund einer Abmachung zwischen Welthilfskonferenz und französischer Regierung durchgeführt, zu deren Realisierung sich der Dichter Andre S p i r e als Delegierter des französischen Ackerbauministeriums und Agronom Kamink a als Delegierter der Welthilfskonferenz nach Rumänien begaben. Sechs Juden im französischen Senat. Paris. (J.T.A.) Mit der am 14. Juli erfolgten Wahl des früheren Finanzministers Klotz zum Senator des Wahlkreises La Somme ist die Zahl der jüdischen Senatoren im Palais Luxembourg auf sechs gestiegen: Die jüdischen Senatoren sind: Cremieux, Raphael-Georges, L e v y , L i s 1) o n n e , Lazare W e i 11 e r und Klotz. Der gewesene Generalsekretär beim Ministerral im Kabinett Herriot, Alexandre Israel, wurde zum Kabinettsdirektor des Kammerpräsidenten Herriot ernennt. Ferner wurden ernannt: Der Auditor erster Klasse beim Staatsrat, Rene Mayer, zum Kabinettschef des Ministers für öffentliche Arbeiten, N. W ormser zum Ministerialrat im selben Ministerium, Armand Z i w e s zum Kabinettschef des Staatssekretärs für die befreiten Gebiete und S t r a u ß zum Attache im selben Ministerium. Zwei Jahre Gefängnis wegen Todesdrohung gegen einen jüdischen Minister. Paris. (J.T.A.) Vor der Pariser Strafkammer wurde am 16. und 17. Juli der Prozeß gegen den Chefredakteur der antisemitischen „Action Franc a i s e“, Charles M a u r r a s , wegen Aufforderung zur Ermordung des Innenministers Schrameck durchgeführt. Mauras hatte in der „Action Franeaise“ einen „offenen Brief“ veröffentlicht, der deutliche Drohungen gegen den Innenminister Schrameck, weil er Jude ist, enthielt und sogar Anweisungen TeNtilhandelsgesellschaft zum I „Weberhaus" R.Q. München / Frankfurt^’ / Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 fiauptgeschäftDachauerstr.9.lllustr. Katalog gratisu.franko gab, wie das Verbrechen ausgeführt werden sollte. Der Vertreter der Anklage verlangte eine schwere Strafe für Maurras, der nicht in der Übereilung gehandelt, sondern die Aufforderung zum Morde in späteren Artikeln wiederholt hat. Maurras sei ein Führer, er habe Anhänger, die ihm blindlings gehorchen. Das Urteil gegen Maurras lautet auf 2 Jahre Gefängnis ohne Bewährungsfrist und 1000 Franken Geldstrafe. 600 Pfund Geldstrafe für einen antisemitischen General. London. (J.T.A.) Brigadier-General Cyril P r e s c o 11 - D e c i e , Präsident der Loyalitäts liga, wurde wegen Verleumdung der jüdischen Firma Messrs. Joseph Lyons and Co. durch das Divisionsobergericht zu 600 Pfund Geldstrafe verurteilt. Inkriminiert war eine Rede des Generals am 23. August 1924 bei einem Gartenmeeting des Loyalitätsklubs, in deren Verlauf der antisemitische General die jüdische Firma beschuldigte, sie hätte bei ihrem gewaltigen Teeimporl große Zoll- und Steuerhinterziehungen begangen. Dabei bemerkte er, daß die englischen Gerichtshöfe voller Juden sind, so daß man bei diesen jüdisch beeinflußten Institutionen nie Gerechtigkeit finden könne. Der General schloß mit der Devise der Loyalitätsliga: „Britannien den Briten!“ — Vor Gericht verantwortete sich der General dahin, er wollte „seinem treuen britischen Auditorium“ klar machen, „welch eine große Gefahr der deutsche und der jüdische Einfluß für das englische öffentliche Leben bilden“. — Das Gericht nahm Verleumdung als erwiesen an und kam zu dem vorstehenden Urteil. Bildung einer großen unabhängigen Studentenvereinigung in Rumänien gegen Antisemitismus. Bukarest. (J.T.A.) In Bukarest hat sich eine Vereinigung der unabhängigen Studentenschaft gebildet, der bereits zahlreiche Universitätshörer beigetreten sind. Die Vereinigung veröffentlichte einen Aufruf, in welchem gesagt wird, die gegenwärtig herrschende Klasse bestrebe sich, aus politischen Gründen die Jugend zu einem Instrumente des Hasses und des Kampfes gegen die nationalen und religiösen Minderheiten zu erziehen. Diesen für Rumänien äußerst schädlichen Zustand zu bekämpfen, habe sich die neue Studentenvereinigung zur Hauptaufgabe gemacht. In sehr scharfer Weise wendet sich der Aufruf gegen den Antisemitismus und erklärt, die Mehrheit der Studenten Rumäniens sei nicht antisemitisch gesinnt. Dies könne lediglich von einer kleinen Minorität behauptet werden, die von gewissenlosen Politikern für ihre Zwecke ausgenützt werden. Herr Anghelescu ist „zufrieden“. Bukarest. (J.T.A.) Bekanntlich hat die rumänische Regierung in einem Sondergesetz Aufnahmeprüfungen für Mittelschüler, die eine Universität besuchen wollen, vorgeschrieben. Diese Prüfungen erwiesen sich als Mittel, die nationalen Minderheiten, insbesondere die Juden, vom Universitätsstudium fernzuhalten, ohne daß ein gesetzlicher Numerus clausus hierzu notwendig wäre. 80—100 Prozent der Studierenden der nationalen Minderheiten haben die Baccalaureatsprüfungen nicht bestanden. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Telegraphen- Agentur „Rador“ sagte der Unterrichtsminister Anghelescu: Es ist ein großer Fehler, aus dem Resultate der Baccalaureatsprüfungen eine politische Frage zu machen. Ich bin sehr zufrieden mit der Auswahl, die gemacht wurde und die notwendig war.

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