Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 32 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- Seite 621 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 621 Uas Jüdische Echo ajntisemiti sehen Propaganda auszuziiehen. Da der Verdacht besteht, daß Gerichtsdokumente über den Gang der Untersuchung der reaktionären Propaganda ausgeliefert worden silnd, veranstaltete die Berliner Polizei am 28. Juli: in den Wohnungen der Assessoren Dr. Caspary und Dr. Kußmann, sowie in de*m Nachrichtenbüro eines Herrn K n o 11, der sich Dr. Kluge nennt und einen intimen Verkehr mit den beiden Staatsanwälten pflegt, Haussuchungen, wobei Schriftstücke und Briefe beschlagnahmt wurden. Dr. Caspary und Dr. Kußmann wurden in das Polizeipräsidium gebracht, wo sie längere Zeit vernommen wurden. Die gesamte Berliner Presse widmet dieser Angelegenheit große Aufmerksamkeit. Der „Vorwärts“ stellt fest, daß die Barmat-Affaire tot ist und einer Justiz-Affaire Platz gemacht hat. Zur Inventarisierung jüdischer Ältertümer in Bayern Auf der dritten Tagung des Verbandes bayer. israelitischer Gemeinden in Bayern am 15. —17. März in Würzburg stand auch obiges Thema zur Beratung. Mit großer Sachkenntnis, mit bewunderungsvollem Verständnis und nicht zuletzt mit warmfühlendem Herzen löste Herr Bankier Wassermann, Bamberg, düe von ihm übernommene Aufgabe. Sein Erfolg war denn auch die Bereitstellung von vorerst nicht unbedeutenden Mitteln seitens des Verbandes zur Realisierung der dort gefaßten Beschlüsse. Die Vorarbeiten zur Inventarisierung jüdischer Sakralaltertümer können also schon einsetzen. Doch bevor wir an die Lösung dieses Arbeitskomplexes herantreten, müssen wir uns eines gangbaren Weges bewußt werden, den wir am praktischsten zu gehen haben. Wir wollen uns dabei nicht verhehlen, daß große Schwierigkeiten erst aus dem Wege zu räumen sind, bevor eine Inventarisierung greifbare Gestalt annehmen kann. Es gereicht uns Juden gerade nicht zur besonderen Ehre, wenn so viele unserer Glaubensgenossen so gar nichts Verbindliches für ihren Glauben und für die in ihm verankerten Imponderabilien übrig haben. Vor allem fehlt es am Verständnis zur Sache, hervorgerufen durch die alles tötende Lieblosigkeit gegen all das, was mit unserem angestammten Väterglauben zusammenhängt. Wer sein Volkstum und seine Religion nicht liebt, der hat auch kein Empfinden für die wunderbare Größe ihrer Kultur und für die aus letzterer hervorgegangenen Kulturdenkmäler und Werte, welche uns vergangene Jahrhunderte hinteHassen haben. Der versteht auch nicht die stille, aber doch beredte Sprache, welche jene reden. Gibt es wohl etwas Reizvolleres, Erhabeneres und Anregenderes, als bei ihrer Betrachtung den besonderen Eigenschaften unserer Vorfahren auf den Grund zu gehen und hiebei eine stetig sich steigernde Vorstellung von dem immensen Kultursinn und der Geistes- und Schöpferkraft: unseres Volkes zu gewinnen? Wie wenige wissen doch, daß gerade unsere engere Heimat Bayern einen Denkmälerbestand aufzuweisen hat, der nicht nur als reich, sondern auch als bedeutend zu bezeichnen ist! Wenn wir bedenken, daß in Bayern schon vor Karl dem Großen Juden ansässig waren, also nicht viel später als Niederlassungen am Rhein, wie Worms, Speyer, Köln und Trier bekannt waren, so können wir ermessen, welch4 reiche Traditionen in diesen ruhmreichen Gemeinden heute noch anzutreffen sind. Wir brauchen nur in ein Memorbuch einer solchen dezimierten Gemeinde hineinzuschauen, so weht uns auf jeder Seite der Odem schicksalschwerer Vergangenheit entgegen mit allem Leid und aller Freude, und ein Gemälde religiöser Beschaulichkeit, biederen instruktiven Gemeindelebens, aber auch oft tränenreichen Märtyriums entrollt sich unserem geistigen Auge und redend und handelnd erscheinen vor uns die Träger der aufgezeichneten Namen. Wer möchte hierbei noch gleichgültig bleiben oder kalten Blickes sich ab wenden? Und wenn wir gar solche Kultstätten vormals blühenden Gemeindelebens betreten, wie Bechhofen (Mittelfr.) 1727, Horb (Obfr.) 1707, (jetzt im städt. Museum Bamberg) Kircbheilm (Utfr.) 1699, (jetzt Im fränk. Luitpoldmuseum Würzburg) oder Sulzbach (Obpf.) 1664 und andere mehr, möchten wir nicht die Vergangenheit heraufbeschwören mit ihrem warm pulsierenden Leben? Vermeinen wir nicht die fromme Beterschar — wie einst — vor uns versammelt zu sehen, mit inbrünstiger Andacht ihrem Gotte zu danken und ihn zu lobpreisen? "RauThallmcrier Mönchen ThßaänßvfcAd.