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Das jüdische Echo · 1925-08-07 · 32 (7.8.1925) · p. Seite 620

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
32 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
Seite 620 (sequence 4)
Language
German
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620 Das Jüdische Echo Nr. 32 Die BarmaWlffaire Als im Dezember vorigen Jahres die ersten Nachrichten in Angelegenheit der an Barmat von der preußischen Seehandlung gewährten Kredite in der Öffentlichkeit aufflatterten und als bekannt wurde, daß die Gewährung dieser Kredite nicht in einwandfreier Weise erfolgt war, da rauschte es in dem deutschnationalen Blätterwald auf. Sogar die liberale und die sozialdemokratische Presse sah sich gezwungen, in den Chor der Angreifer einzustimmen. Während jedoch die deutschnationalen Presseorgane diese günstige Gelegenheit dazu benutzten, um gegen das ganze Judentum loszuziehen, dem der allgemeine Vorwurf gemacht wurde, daß es korrumpiere und sich auf Kosten Deutschlands bereichere, beobachteten die linksgerichteten Organe eine Taktik, die die dem Judentum in Deutschland zugeschriebene allgemeine Schuld auf die eingewanderten heimatlosen O s t j u d e n abzuwälzen versuchte. Sogar in jüdischen Kreisen wurde man bei der Nennung des Namens Barmat verlegen und schlug schamhaft die Augen nieder, wenn irgendwo, in Versammlungen, politischen Diskussionen oder in Gesellschaften die Rede auf den durch Ostjuden angeblich hervorgerufenen Skandal kam. Während der Wahlen zum Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden ist es leider sehr oft vorgekomirten, daß bei der Besprechung der Ostjudenfrage von liberaler Seite darauf hingewiesen wurde, daß die Geschäftsmoral und das bestechliche Wirken der Ostjuden — siehe Barmat! — die allgemeine Situation der deutschen Judenheit in unerfreulicher Weise belastet Monatelang hat in Deutschland die Barmat-Affaire die öffentliche Meinung beschäftigt und ist in den Händen der Antisemiten eine Waffe gegen das Judentum, in den Händen der Reaktion eine Waffe gegen die linken Parteien und bei allen Richtungen, einen großen Teil der deutschen Judenheit leider mit eingeschlossen, eine Waffe gegen die Ostjuden gewesen. Und was üst das Ende der ganzen Affaire? Es stellt sich heraus, daß wieder einmal die Juden und vor allem die Ostjuden, dazu herhalten mußten, um im inneren Streit der deutschen Parteien den Prügelknaben abzugeben. Es stellt sich heraus, daß diese ganze Barmat-Hetze eine große Mache gewesen ist, inszeniert von deutschnationalen Geldgebern und durchgeführt von einer Gesellschaft von antisemitischen Pressebanditen, die für klingende Münze Himmel und Erde in Aufruhr und Bewegung gegen die Juden gesetzt haben. Es stellt sich ferner heraus, daß die Staatsanwälte, die die Untersuchung in der Barmat-Affaire zu führen hatten, nicht so sehr als Vertreter des Staates handelten, als vielmehr wie Agenten der deutschnationalen antisemitischen Interessenten. Zwischen Staatsanwaltschaft, deutschnationalem Preß- Bureau und schwerindustriellen Geldgebern bestand eine innige Verbindung. Geradezu niederschmetternd ist es für das jüdische Gefühl, daß auch ein jüdischer Staatsanwaltsass e<- s o r , ein Herr C a s p a r y , in dieser ganzen Angelegenheit eine zu mindest nicht völlig geklärte Rolle gespielt hat. Wir sind weit davon entfernt, uns für Barmat, sofern ihn irgend ein Verschulden trifft, darum einzusetzen, weil er ein Jude ist. Wir müssen aber entschieden für Barmat eintreten, wenn er nur darum angegriffen wird, weil er ein Jude ist. Es ist kein Zweifel, daß auch unter den Juden schlechte Elemente vorhanden sind, die in dem allgemeinen Zusammenbruch der Geschäftsmoral während der Inflationszeit Wege gegangen sind, die man vom Standpunkte eines ehrenhaftem Menschen und rechtlichen Kaufmannes nicht zu verteidigen vermag. Wenn es aber solche Elemente gegeben hat und noch gibt, so ist d!ie Ursache für ihr Verhalten nicht ihre Zugehörigkeit zum Judentum, sondern die Tatsache ihrer menschlichen Defekte, die sich in dem allgemeinen Morast, der sich während der Inflation breitmachte, hemmungslos auswirken konnten. Geradezu verbrecherisch, aber leider seit jeher geübt, ist: die Methode, die Untaten einzelner Juden dem ganzen jüdischen Volke aufs Schuldkonto zu setzen. Bedauerlicher noch ist, daß auch Juden der Suggestion einer Massenlüge untertan wurden und gedankenlos Behauptungen wiederholten, die nicht die geringste Berechtigung haben. Faßt man den bisherigen Verlauf der Barmat- "Affaiire zusammen, sö ist diese aufgebauschte Skandalgeschichte kein Ruhmesblatt weder für die deutschen Politiker, noch für die deutschen Justizverhältnisse, noch für die große deutsche Presse und leider auch für eiinen, großen Teil der deutschen Juden. M. W. * * Berlin (J.Z.). Im Verlauf der Liquidation der Barmat-Kutisker-Affairen sind gegenwärtig Untersuchungen gegen die bei der Erledigung dieser Angelegenheit bschäftigten Beamten im Gange. Bekanntlich waren beide Fälle von der deutschnationalen Presse in aufsehenerregender Weise inszeniert worden und sollten ausgesprochenermaßen dazu dienen, damals eine der Rechten günstige Wahl Stimmung zu schaffen. Seit langem war es schon klar, daß die sensationellen Meldungen der Rechtspresse während der schwebenden Verfahren nicht ohne gewisse Indiskretion möglich gewesen sein konnten. Heute morgen nahm nun die Berliner Kriminalpolizei in einem politischen Nachrichtenbüro in der Lützowstraße, von dem aus jene Publikationen in. die Presse gelangt waren, eine Haussuchung vor. Ferner fanden Nachforschungen in den Wohnungen dreier Angestellter des Büros sowie zweier Justizbeamten statt. Die Kriminalpolizei sieht in mehreren Veröffentlichungen einen Verstoß gegen das gesetzliche Verbot, amtliche Schriftstücke über einen schwebenden Strafprozeß der Öffentlichkeit mitzuteilen, wite z. B. mit dem Beschluß des Kammergerichts betreffs des Entscheids über die Haftentlassung Barmats der Fall war. Die von der Untersuchung Betroffenen wurden an Ort und Stelle einer ersten Vernehmung unterzogen. Nach Abschluß der polizeilichen Vernehmungen wird die zuständige Staatsanwaltshaft die weitere Verfolgung der Angelegenheilt in die Hand nehmen. Bei den Vernommenen soll es sich, wie verlautet, auch u. a. um frühere Beamte der Staatsanwaltschaft handeln, deren Namen mehrfach während der Barmat-Affaire genannt worden sind. Berlin (J. T. A.). Das sozialdemokratische Hauptorgan „Vorwärts“ machte Mitteilungen über enge Beziehungen zwischen den Barmat-Staatsanwälten und den deutschnationalen Pressebüros. Die Zeitung publizierte eine Reihe Briefe und Dokumente, aus denen hervorgehen soll, daß die Staatsanwalts-Assessoren Kuss mann und C a s p a r y gemeinsam mit der deutschnationalen Pressepropaganda arbeiteten, um dile Ba:rmat-Affarre im Sinne der reaktionär-

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