Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 32 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- Seite 622 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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622 Das Jüdische Echo Nr. 32 Doch das gehört 'nun der Geschichte a,n, und die übrig gebliebenen personifizierten Zeugen wenden sich vorwurfsvoll und mahnend an unser schuldbewußtes Gewissen. Hätten unsere Väter oder wir den Verfall dieser Gemeinden verhüten oder aufhalten können? Kaum wohl; diese sind nun einmal dem veränderten Zeitgeiste und seinen hier zerstörenden und dort wieder aufbauenden Wirkungen zum Opfer gefallen. Aber was uns vorwurfsvoll und anklagend trifft, ist der Umstand, daß wir diese trauten Zeugen vergangenen religiösen Volkstums nicht liebevoll in sichere Obhut gebracht haben, um an ihnen uns aufzurichten und unseren religiösen Sinn zu stärken und zu beleben. Es stünde doch anders um unser Judentum, wenn seine Bekenner nicht achtlos an diesen Zeugen vorbeigegangen wären. So haben Pietätlosigkeit, kalter Indifferentismus und harter Egoismus den heutigen modernen Juden aus dem Boden seines Wachstumes herausgehoben, haben ihn den Zusammenhang mit seinen Vorfahren verlieren lassen und iihn jeglichen Gemeinschaftssinnes mit seiner Sippe beraubt. Nun heißt es, den verlorenen Boden wieder zurückzugewinnen suchen und unsere weit abseits stehenden Brüder und Schwestern in stetigen Konnex zu ihrer althergebrachten Tradition zu bringen. Wird uns dies auch gelingen? Eiin Kardinalmittel par excellence wäre unstreitig eine Renaissance unseres alten Schifttums. Allein die Beschäftigung mit dieser Materie fällt nicht in den Rahmen der uns hier gebietenden Aufgabe. Zweifellos aber führt die Weckung der Liebe zu unseren alten Kultstätten mit ihren Sakralaltertümern zur richtigen Fährte, dem gewünschten und uns vorgestreckten Ziele ein gut Stück näher zu kommen. So erwächst uns nun die dankbare aber auch schwierige Aufgabe, alle nur erreichbaren Objekte besagter Art zu sammeln, zu sichten und zu zentralisieren. Der Ansicht eines prominenten Redners aus München, der nach dem Standpunkt der modernen Altertumspflege auf der Tagung des Gemeindeverbandes in Würzburg in seinen vortrefflichen Ausführungen meint: Altertümer sollen an Ort und Stelle bleiben — wo sie voll zur Geltung kommen — und nicht in Museen geschafft werden, kann ich hier in unserem Falle nicht beitreten. Dieser Standpunkt mag bei Kunstdenkmälern christlichen oder allgemeinen Genres seine Richtigkeit haben, die ja in der Regel unter dem Schutze der Kommunen oder des Staates stehen. Aber im Bereiche unserer Gemeinden, hauptsächlich, wenn diese nur noch ein kümmer¬ S. LEVINGER MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse liebes Dasein fristen bis zu ihrem gänzlichen Verfall, wäre ein Verbleiben von Sakralaltertümern zu riskant. Es gibt so viele Fälle, wo wertvolle Stücke — hauptsächlich von Familien gestiftete — bei Auflösung von Gemeinden geradezu verschleudert wurden. Dieskann die Reiehsverordtnung vom 8. Mai 1920 und ihre bayer. Vollzugsvorschriften vom 14. Sept. 1921 iln Zukunft auch nicht verhüten, Zuviele solcher jüdischer Altertümer sind bereits in Privatbesitz über gegangen oder zurückbehalten worden, die nun zum großen Teile für die Allgemeinheit auf Verlustkonto zu buchen sind. Daß die Landesregierung ihre schützende Hand auf derartige jüdische Altertümer legt, ist schwerlich anzunehmen.. Meines Wissens ist bisher nur ein Fall zu registrieren, wo sie dies getan und zwar bei: der Synagoge zu Bechhofen (Mittelfr.). Als letztere vor dem Kriege renoviert werden sollte, steuerte das Generalkonservatorium für Kunstdenkmäler in Bayern nicht nur einen namhaften Zuschuß bei, sondern ließ auch die Restaurienmgsarbeiten durch fachkundige Organe überwachen. Die Beweggründe dieser Anteilnahme mögen sicherlich kunsthistorischer Art sein. Aus besagten und anderen Gründen — auf die einzugehen heute noch nicht der richtige Zeitpunkt als gegeben erscheint — muß also an einer Zentralisierung jüdischer Sakralaltertümer festgehalten werden. Doch möge dieser Plan einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben. Als vordringlich aber muß jetzt schon die Bestandsaufnahme und Inventarisierung jüdischer Altertümer raschest betätigt werden, um noch retten zu können, was. zu retten ist. — (Ein zweiter Artikel folgt). Amberg. Lehrer Leopold Godlewsky. Die italienische Regierung iür die Jerusalemer Bibliothek Ein Zirkular des italienischen Unterrichts in inisters. Der italienische Unterrichtsminister Fedele hat das folgende Zirkular erlassen: „An die Rektoren der Universitäten, an die Leiter der Institute für höhere Bildung, an die Leiter der Regierungsbibliotheken, an die Präsidenten der literarischen und wissenschaftlichen Körperschaften, an die italienischen Verleger. Die politischen Veränderungen im nahen Orient infolge des Krieges haben dort ein neues geistiges Leben hervorgerufen und dadurch Kulturerfordernisse mit sich gebracht, welche von denen der früheren politischen Ordnung vollständig verschieden sind, sodaß in der letzten Zeit verschiedene kulturelle Institute von großer Bedeutung errichtet wurden. Unter ihnen befindet sich die Hebräische Universitätsbibliothek, welche bisher 80 000 Bände zählt und sich das Ziel gesetzt hat, die letzten Ergebnisse der Kultur und Wissenschaft des Westens in den verschiedenen Gebieten der menschlichen Betätigung in die östliche Welt einzustrahlen. Institute und Verleger aller Länder und besonders von Frankreich, Spanien, Holland und Tschechoslovakien haben zur Bildung dieser hervorragenden Büchersammlung beigetragen, indem sie die in den verschiedenen Sprachen erschienenen Werke zum Geschenke gegeben haben. * In diesem Wettstreit der verschiedenen Staaten für die Verbreitung ihrer Kultur kann und darf