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Das jüdische Echo · 1925-07-31 · 31 (31.7.1925) · p. Seite 608

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
31 (31.7.1925)
Date
1925-07-31
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
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608 Das Jüdische Echo Nr. 31 an die neu gegründete Provinzialkasse für die Provinz Sachsen mit dem Sitz in Magdeburg herbeizuführen. Auf der Sitzung der thüringischen Gemeinden am Sonntag, dem 29. 6. waren die wichtigsten Vertreter der thüringischen Gemeinden zusammenberufen worden. Die angeschlossenen Gemeinden verpflichteten sich mit M. 6.— pro Zensit an der Finanzierung der Provinzialkasse zu beteiligen. Die Vertreter von Gotha, Med.-Rat Dr. N o a c k und von Erfurt, Herr Meyer hof, sprachen sich dafür aus, daß für die Übergangszeit noch eine Abfertigungsstelle in Erfurt bestehen müsse, da Frankfurt a. M. nicht so arbeite, wie es eigentlich zu wünschen wäre. Es käme immer noch eine Anzahl Durchwanderer nach Erfurt, die von Frankfurt nur auf ganz kurze Strekken befördert worden wären. Es wurde deshalb beschlossen, neben der Provinzialkasse Magdeburg eine Abfertigungsstelle in Erfurt zu errichten dergestalt, daß die angeschlossenen Gemeinden ihre gesamten Beiträge nach Magdeburg leisten und Erfurt nach Bedarf von Magdeburg Geld zurückgezahlt erhält. Die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, die auf allen drei Tagungen durch Herrn Dr. K r e u t z b e r g e r vertreten war, hat damit den bisher organisierten Bezirken Deutschlands weitere wichtige Teile hinzugefügt. Als nächste dringende Aufgabe ist die Organisierung H e's s en-Nass a u s mit Frankfurt a. M., W ii r 11 e m b e r g s mit Stuttgart, Baden mit Karlsruhe und der Pfalz mit Mannheim in Aussicht genommen. Aus der jüdischen Weit Redeverbot für Hitler in Chemnitz. Durch Beschluß des Sächsischen Gesamtministeriums wurde Hitler, der am Sonnabend, den 18. Juli in einer nationalsozialistischen Versammlung in Chemnitz sprechen sollte, das öffentliche Auftreten verboten. Zu diesem Verbote schreibt der Münchener ,.V ö 1 k i s c h e Beobachter“: „Die Regierung von Dresden hat durch ihr Redeverbot für Hitler bewiesen, daß auch ihr daran liegt, Deutschland widerstandslos zur Sklavenkolonie von Palästina und New York werden zu lassen!“ Ludendorff’s Rat im Angesichte der Katastrophe: „Auskämmung, mehr Heranziehung des noch freien jungen Judentums“. Berlin (J.T.A.). Im „Werk des Untersuchungsausschusses“, das soeben in der „Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte“ erschienen ist, wird zum ersten Male die Zeugenauskunft des Staatssekretärs Paul v. Hintze, des verantwortlichen Leiters der deutschen Außenpolitik in den Monaten, als die Katastrophe sich vorbereitete, Juli bis Oktober 1918, veröffentlicht. Herr v. Hintze berichtete über den denkwürdigen Kronrat des 14. August 1918, der von Wilhelm II. berufen worden war, um eine ungeschminkte Bilanz des Krieges zu ziehen. Herr v. Hintze berichtet u. a.: „Für die Oberste Heeresleitung sprach General Ludendorff... In meinen während des Kronrats gemachten Aufzeichnungen finde ich folgende Vermerke über seine Rede: 1. Lichnowisky: Zuchthaus. 2. Stellvertretende Kommandierende Generale und Kriegsminister müssen bessere Ordnung halten im Inlande. Generale sollen neue Ordre erhalten. Zivilbehörden sollen mitwirken an Aufrechlerhallung der Staatsgewalt. 3. Ersatz: Auskämmung, mehr Heranziehung des noch freien jungen Judentums. Über die Kriegslage: Kein Wort.“ Antisemitismus in Bad Reinerz. Berlin (J.T.A.). Aus Bad Reinerz wird dem „B e r 1. T a g e b 1 a t t“ u. a. geschrieben: Am Dienstag, den 14. Juli, konzertierte die Malrosenkapelle Pillau in Bad Reinerz. Mein Vater befand sich auf der Kurpromenade in Begleitung zweier Herren, mit denen er sich ruhig unterhielt. Plötzlich verbat sich ein unbekannter Herr beim Spiel des Friedericus- Marsches diese leise geführte Unterhaltung, wobei die Absicht zu provozieren deutlich zu erkennen war. Im Nu waren die Herren von 40 bis 50 Menschen umringt, die mit erhobenen Stöcken und geballten Fäusten auf die Herren eindrangen. Schimpfworte wie: „Dreckiger Jude, Judenlümmel, geht nach Palästina, runter vom Kurplatz“ und andere fielen. Nur mit Mühe konnten die Herren vor Tätlichkeiten bewahrt werden. Das Bedauerliche an diesem Vorfall ist, daß der Bürgermeister von Reinerz, Dr. G o e b e 1, obwohl er als Ausführender der Polizeigewalt persönlich zugegen war, nichts unternahm , um eine sofortige Untersuchung an Ort und Stelle einzuleilen. Als ich diesen Herrn am nächsten Tage aufsuelite, bekam ich auf meine Frage, wie er sich den Schutz jüdischer Badegäste für die Folge denke, zur Antwort: „Meinen Sie vielleicht, ich kann hinter jedem jüdischen Herrn einen Soldaten mit geladener Flinte laufen lassen!“ Selbstverständlich haben wir diesem gastlichen Bade und seinem Bürgermeister sofort den Rücken gekehrt. '"'*&■ (Fortsetzung Seile 610) Bayer. Vereinsbank m/ München-Nürnberg Gegründet 1869 Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns Besondere Einrichtungen für den Fremdenverkehr Ausstellung von Kreditbriefen auf Reichsmark und ausländische Währungen Moderne Stahlkammeranlage zur vorübergehenden Aufbewahrung von Wertgegenständen

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