Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 30 (24.7.1925)
- Date
- 1925-07-24
- Page
- Seite 593 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9155963--06980-9079698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 30 Das Jüdische Echo 593 Zur Lage in Palästina Verschiebung der Wahlen zur Nationalversammlung. — Verständigungsversuche. — Einwirkung des deutschen „Misrachi“. Berlin (J.T.A.). Das deutsche Zentralbüro der Zionistischen Föderation „Misrachi“ richtete an die Weltzentrale des „Misrachi“ in Jerusalem das nachstehende Telegramm: „Wir halten den Zeitpunkt für denkbar ungeeignet, durch Ablehnung des geforderten Referendums die politische Einheit der palästinensischen Judenheit in Frage zu stellen. Machet alle Anstrengungen, um durch Gestaltung des Wahlrechtes gemäß Referendum eine Einheitsfront zu schaff eu.“ Der „J ewish Morning Chronicle“ in New-York ging ein Kabel-Bericht zu mit der Aufforderung, der amerikanische Misrachi möge seine Gesinnungsgenossen in Palästina beeinflussen, in der Frage des Frauenwahlrechts mit den Zionisten zusammenzugehen. Jerusalem (J.T.A.). Die sephardischen Kolonisten und andere Gruppen des Zentrums haben erklärt, daß sie, solange die im Zusammenhang mit der Frage der Frauenrechte erfolgte Spaltung der jüdischen Nationalversammlung (Asefath Haniwcharim) fortbesteht, an den Wahlen zur künftigen Nationalversammlung nicht teilnehmen werden. Der Jüdische Nationalrat (Waad Leumi) hielt am 13. Juli eine Sitzung ab, in welcher beschlossen wurde, die für Sonntag, den 19. Juli, festgesetzten Wahlen zur Nationalversammlung auf drei Monate zu verschieben, um den Zentrumsgruppen Zeit zu 'lassen, ihre Bemühungen, den rechten und den linken Flügel der Nationalversammlung auf eine gemeinsame Plattform zu einigen, fortzuführen. Die Vertreter der linken Gruppen enthielten sich der Stimme. Ephraim Moses Lilien Berlin (J.T.A.). Nach einem Telegramm aus Badenweiler ist dort am 18. Juli der zur Kur weilende Maler und Radierer E.M. Lilien an Herzschlag gestorben. Die Nachricht vom Tode des großen Künstlers hat in Künstlerkreisen und in weiten jüdischen Kreisen einen erschütternden Eindruck gemacht. Ephraim Mose Lilien, der als Kind armer jüdischer Eltern in Galizien geboren wurde, ist 51 Jahre alt geworden. Vor einemi Jahre beging er in Berlin seinen 50. Geburtstag, aus welchem Anlaß eine Ausstellung seiner Werke im Palmensaal des Logenhauses in der Kleiststraße arrangiert worden war. Diese Ausstellung zeigte den Künstler in der Vollkraft seines Schaffens. Lilien, der als Maler ein Autodidakt war, schuf sich einen ganz persönlichen Stil und ging auch in der Stoffwahl seine eigenen Wege. Er begann mit humoristischen Zeichnungen für die ,J ugen d“ und andere illustrierte Blätter, wandte sich dann aber ernsten und ernstesten Aufgaben zu und entwikkelte sich so zum Maler des jüdischen Volkes. Einen hohen Rang nahm er als Bibelillustr at o r ein. Sehr populär in der jüdischen Welt sind seine Zeichnungen zu ..Junge Harfen“. „Jüdischer Almanach“, Morris Rosenfeld: „Lieder“ und zu dem Balladenbuch „Juda“ von Börries Frh. v. Münchhausen. (Bemerkenswert ist, daß Münchhausen, der in seinen Balladen „Juda“ jüdische Größe, Tragik und Stolz feierte, sich später der völkischen Bewegung anschloß und die Juden als Fremdkörper innerhalb des deutschen Volkes bekämpft.) Lilien verbrachte seine Künstlerlaufbahn in München, Berlin und Palästina. In den letzten Jahren lebte er in Braunschweig, dem Ort der berühmten Samson-Schule, die er eifrig förderte. Zum 9. Hb Traurige Stunden der Erinnerung sind es, welche das jüdische Volk in den Tagen zwischen dem 17. Tammus- und dem 9. Ab der Zerstörung seines Tempels wie dem Untergang seines, Staates widmet. Wohl sind sich die Wenigsten der Tragweite bewußt, die das schwere Verhängnis dem Volke zu bedeuten hatte. Die Meisten haben von den Ahnen das „Trauern“ übernommen, sie fasten pflichtgemäß am 9. Ab., eine kleine Zahl enthält sich auch in den drei Wochen der Lustbarkeiten und ähnliches, im übrigen hoffen sie von dem erwarteten „Moschiach“ die Erlösung von aller Pein und die Ankunft einer schöneren Zeit. Sie glauben, daß sie damit das ihre vollständig getan und ihrer Pflicht nach dem Satze: „Vergäße ich dein, Jerusalem, so verdorre meine Rechte,“ Genüge geleistet haben. Die Worte von Ramban, der irrt Sinne des Sifri warnt, unsre Hoffnungen allein auf Wunder aufzubauen, sondern empfiehlt, den Wundern vorzubauen, finden nicht allzu großen Widerhall in den Herzen der gläubigen Massen. Und doch liegt die einzige Rettung unseres bedrängten Volkes, die richtige Hilfe für unsere Unglücklichen nur in der tatkräftigen Mitwirkung zum Aufbau auf der Scholle,' welche dem Volke einst schon eigen war. Wenn jeder Einzelne all die Beträge, welche er durch Enthaltsamkeit von Lustbarkeiten in den „drei Wochen“ usw. einspart, dem Aufbau Palästinas widmen würde, könnte rmnchem Auswanderer geholfen werden und wenn dazu noch ein prozentualer Aufschlag auf die Sommerbezw. Vergnügungsreisen käme, würde mancher Kewuzah das Dasein erleichtert werden. So verstanden, würde die Trauerzeit uns wieder in unmittelbare Beziehung zu ihrem eigentlichen Sinne setzen. J v r i. Zum XIV. Zionistenkongreß Wie bei den letzten Kongressen wird auch diesesmal wieder ein vollständiger Verhandlung»- 1) e r i c h t in der offiziellen Kongreß-Ze i- I ung erscheinen. Es wäre wünschenswert, daß möglichst viele Interessenten aus Deutschland die Kongreß-Zeitung bestellen und dadurch, auch wenn sie nicht persönlich am Kongreß teilnehmen können, eingehend über den Verlauf der wichtigen Tagung informiert werden. Die Berliner ,,J ii d i s c h e R u n d sein u“ hat daher ein Abkommen mit dem Kongreß-Büro getroffen, wonach sie eine größere Auflage der Kongreß-Zeitung fest bestellte. Der Verlag der „Jüdischen Rundschau“ lädt hierdurch zum Abonnement auf die vorgesehenen 15 Kongreß-Nummern zum Bezugspreise von M. 3.— ein und bittet um sofortige Aufgabe der Bestellung. Adresse: Vermag „Jüdische Rundschau“, Berlin W. 15, Meinekestraße 10. Postscheckkonto: Berlin 17 392.