Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 30 (24.7.1925)
- Date
- 1925-07-24
- Page
- Seite 590 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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590 Das Jüdische Echo Nr. 30 der bekanntlich mit der Verurteilung von vier Völkischen zum Tode wegen Feme- Mords und anderer zu Gefängnisstrafen geendet hat. Es wird darauf hingewiesen, daß durch die Geheimverhandlung vor Gericht die Öffentlichkeit in Unkenntnis bleibt über gefährliche Umtriebe, gegen die sie sich schützen muß. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat eine I n - terpellation an den Reichskanzler eingebracht, in welcher der Herr Reichskanzler aufgefordert wird, dem Reichstag den dem Urteil zugrunde liegenden Tatbestand bekannt zu geben. Das „Berliner Tageblatt“ vom 18. Juli bringt ein ausführliches Telegramm ihres Korrespondenten in Wismar, der einiges Licht in die Angelegenheit bringt. Es heißt u. a.: Die Vorgänge im Herbst 1923 waren Gegenstand eingehender Erörterung in der zehntägigen Verhandlung hinter verschlossenen Türen vor den Schweriner Geschworenen.Es sind bis ins kleinste organisierte Formationen, sogenannte „Arbeiterkolonnen“, im hiesigen Volksmund als „schwarze Reichswehr“ bezw. „Rosbacher“, geschaffen worden, die hier in Mecklenburg auf das „Signal des Losschlagens“ warten sollten. Im Programm stand: „Unter Losschlagen ist zu verstehen: Entfesselung des Bürgerkrieges, Ausplünderung der Kaufmannsläden, Niedermetzelung der Juden usw.“ ❖ Leipzig (J.T.A.). Adolf Hitler hat nach dem Zusammenbruch seiner hochfliegenden Pläne in Bayern das Feld seiner Tätigkeit nach Sachsen verlegt. In den letzten Tagen sprach er in Versammlungen der Nationalsozialisten in Zwikkau, Plauen und in anderen Städten. Er versprach, die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei in wenigen Monaten wieder zu einer politischen Macht ersten Ranges emporzuheben. Die erste Frucht dieser Werbetätigkeit Hitlers in Sachsen ist die Schändung des jüdischen Friedhofs in Plauen-Tannenhof. Die neuerrichtete Leichenhalle auf diesem Friedhof wurde in schändlicher Weise besudelt, sämtliche Wände des Gebäudes, ebenso Türen, Fenster usw. mit beschimpfenden Inschriften, die auf völkische Kreise als die Täter ganz bestimmt hinweisen, bemalt. Die Täter konnten noch nicht gefaßt werden. * Bonn (J.T.A.). Bei der von der Universität Bonn veranstalteten Tausendjahrfeier lehnte es die Vertreterversammlung der Bonner studentischen Korporationen ab, mit der jüdischen Verbindung im Kartell-Konvent „Rheno-Si- 1 e s i a“ zusammen zu chargieren. Der Rektor der Universität Bonn, Prof. Dr. Heimberger, löste die Vertreterversammlung auf. Dennoch war die „Rheno-Silesia“ gezwungen, am Tage der Feier getrennt von den andern Couleur-Korporationen zu chargieren. In weiten Kreisen der rheinischen Judenheit, namentlich in den dem K. C. nahestehenden Kreisen, erregt das merkwürdige antisemitische Verhalten der Bonner Korporationen peinliches Aufsehen. Hakenkreuzlerkrawalle in Deutsch-Österreich Wien (J.T.A.). Die antisemitischen Rüpelszenen, die einige Tage lang am Kai auf geführt wurden, haben sich am letzten Freitag abends in den Stadtpark und auf die umliegenden Straßen verpflanzt. Hakenkreuzlerbande durchzogen die Gassen und mißhandelten unter den Rufen „Saujuden“, „Jüdische Bagage“! usw. Passanten, Frauen und Kinder, Die größte Bande zählte etwa 150 junge Burschen, Universitätshörer, Gymnasiasten, Volksschüler und Lehrjungen. Sie trugen Stahlstöcke, Knüttel und Schlagriemen bei sich. Es entstand eine arge Panik. Frauen und Kinder wurden niedergestoßen und von den nachstürmenden Hakenkreuzlern mit den Schlagwaffen mißhandelt. Der Trupp drang in das Kurhaus des Stadtparkes ein, schlug auf die dort sitzenden Gäste los und bewarf sie mit Gläsern und Stühlen. Der Tumult war unbeschreiblich. Viele Frauen bekamen Weinkrämpfe, andere fielen in Ohnmacht. Ein Teil der Gäste setzte sich zur Wehr, und es entstand eine wüste Rauferei. Neun Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Nachdem alle Gäste aus dem Restaurant vertrieben waren, formierten sich die Hakenkreuzler unter Absingung des Hitler-Liedes wieder zu einem geschlossenen Zug, der zur Ringstraße marschierte und dort die Exzesse fortsetzte. Sie stürmten die Straßenbahnwagen, verlangten von den Fahrgästen Ausweise und zwangen diejenigen, die sich als Juden bekannten zum Verlassen des Wagens, Erst spät nachts war eine ausreichende Polizeimannschaft zur Stelle, die die Hakenkreuzler zerstreute und unter ihnen 13 Verhaftungen vornahm. \@mi POBZEL LAN-Nl EDEBLAGE MtNCHEM THEA TINERS TRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN GEBRAUCHSPORZELLAN TÄGLICHE LAGERERGÄNZUNG b ■ i