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Das jüdische Echo · 1925-07-24 · 30 (24.7.1925) · p. Seite 589

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
30 (24.7.1925)
Date
1925-07-24
Page
Seite 589 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 589 dich schrecken wird und vor dem, was du mit deinen Augen sehen wirst!“ Wie Donner rollen diese mächtigen Worte aus der Tiete von Jahrtausenden nun über mich hin. Sie hat sich erfüllt bis ins Letzte, die furchtbare Weissagung. Alles hat sich erfüllt, was Moses gesagt hat, der gewaltigste Mensch, der je über diese Erde schritt. Sah er das Schicksal dieses Volkes voraus, das er aus Ägyptens Knechtschaft ins gelobte Land heimführte? Hat sein ungeheurer Geist dies ungeheure Schicksal über Jahrtausende weg vor sich gesehen? Er wußte, daß Gott nicht ewig zürne. Und er hat es gewußt, der Göttliche, daß dieses Volk sein Land immer wieder verliert, und daß es immer wieder heimkehrt in sein Land. Die Sonne ist untergegangen, die Dämmerung ist erloschen und ich kann das Meer, das nachtdunkel vor mir rauscht, so wenig sehen, wie ich in die Zukunft blicken kann. Was bin ich? Ein nichtiges, winziges Menschenleben, das rasch vergeht und das zufrieden sein muß, die Zukunft rauschen zu hören, ohne sie je zu erblicken. Seid gesegnet, ihr neuen Menschen auf der alten Erde. Du, Jugend, die den Boden von Palästina bebaut, asiatischen Boden. Du, Jugend, die sich opfert, um das Ideal zu verwirklichen, das in deinem Busen lebt. Asien ist immer der Boden gewesen, auf dem ein Gott zur Welt kam, wie Europa immer der Boden bleibt, auf dem er entstellt wurde, blaß und sich selber fremd. Felix Salten. Antisemitische Wühlarbeit in Deutschland Antisemitischer Sturm im Reichstag. — Völkischer Antrag auf Abbau aller Juden von Reichs¬ und Staatsdienst. — Judenentrechtungsanträge im Thüringischen Landtag. — Judenausrottungspläne in Mecklenburg. — Die Früchte der Werbetätigkeit Hitlers in Sachsen. — Antisemitismus bei einer rheinischen Jahrtausendfeier. Berlin (J. T.A.). In der Abendsitzung des Reichstag vom Freitag, den 17. Juli, wurde die Debatte über Abänderung der Personalabbauverordnung fortgeführt. Dabei unternahm der völkische Abgeordnete Dr. F r i c k , der Oberamtmann des Münchner Polizeipräsidiums, einen Vorstoß gegen das Republikanische Beamtentum, insbesondere gegen die Beamten jüdischer Abstammung und Religion. Er nannte diese Beamten „Kreaturen Severings“, was einen Sturm der Entrüstung auf der linken Seite hervorrief. Er wurde vom Präsidenten zur Ordnung gerufen und erhielt dann auch eine Rüge. Er sprach dann von „Angehörigen der jüdischen Rasse, die sich in allen Zentralstellen eingenistet haben“ und führte aus: „Wir kennen diese Leute aus der Münchener Rätezeit mit Kurt Eisner und Lewin ans Moskau. Alles waren Juden. Die Mißwirtschaft in den Kriegsgesellschaften und jetzt in den Deutschen Werken ist hauptsächlich auf jüdische Drahtzieher zurückzuführen.“ (Scharfe Protestrufe links.) Dr. Frick stellte im Namen der völkischen Fraktion den Antrag auf Abbau aller Juden und anderer Beamten, die aus parteipolitischen Gründen in. ihre Stellung gelangt seien. Der Antrag wurde abgelehnt. Der demokratische Abgeordnete S c h u 1 d t - Steglitz nahm das republikanische Beamtentum gegen die völkischen Angriffe in Schutz und wies u. a. darauf hin, daß Frick selbst Beamter in der Republik als Polizeipräsident von München gewesen ist. Frick habe *sic| durch seinen Vorstoß gegen die sittliche Pflicht des deutschen Beamtentums vergangen, daß der Beamte zu dem Staate stehe, dem er diene. — Im Verlauf der Debatte befleißigen sich die völkischen Abgeordneten fortwährender antisemitischer Zwischenrufe wie „Gehen Sie nach Palästina“ usw. Nach Ablehnung des völkischen Antrags rief Abg. v. G r a e f e: „Sieg des Terrors des jüdischen Heimkriegerbundes“. * Wie aus Weimar telegraphiert wird, hat die Fraktion der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei im Thüringischen Landtag, die aus drei Männern besteht und deren Vorsitzender Arthur D i n t: e r ist, in der Sitzung am 16. Juli sechs Anträge eingebracht, die die Entrechtung der Juden zum Inhalt haben. Den Juden soll in Thüringen der Vieh- und Getreidehandel verboten, die seit dem Jahre 1914 in Thüringen eingewanderten Ostjuden sollen ausgewiesen werden, deren Vermögen ist zu beschlagnahmen, da es sich nach Dinters Ansicht um „ergaunertes Volksvermiögen“ handelt. Die Landesuniversität Jena ist für die Juden zu sperren, den Kindern jüdischer Eltern ist der Besuch der thüringischen öffentlichen Schulen zu verbieten, „da sie durch die Anschauungen, Sittenbegriffe und sonstigen Eigentümlichkeiten ihrer Rasse, sowie durch ihre Frühreife die deutsche Jugend seelisch, geistig, sittlich und gesundheitlich schädigen“; an den thüringischen öffentlichen Schulen und an der Landesuniversität Jena dürfen Juden als Lehrer nicht angestellt werden. Als Jude im Sinne der Dinterschen Forderungen ist jeder anzusehen, der in der väterlichen oder großväterlichen Generation noch Blutsverwandte hatte, die sich zum mosaischen Glauben bekannten, einerlei, ob er heute getauft ist oder nicht. Man ist in Thüringen gespannt auf die Antwort der dortigen Reichsregierung, die sich sonst eifrig um die Gunst Dinters bemüht, da seine Dreimännerfraktion für das Schicksal der Regierung ausschlaggebend sein kann. Berlin (J.T.A.). Die gesamte demokratische Presse Deutschlands fordert die Veröffentlichung des Protokolls über den in Mecklenburg geheinü durchgeführten Feme- Mordprozeß, S. LEVINGGR MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse

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