Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 30 (24.7.1925)
- Date
- 1925-07-24
- Page
- Seite 588 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Das Jüdische Echo Nr. 30 Zionistische Ortsgruppe München Montag, den 27. Juli, abends präzis 8 Uhr im „Kunstgewerbesaal“ Pfandhausstraße 7 Ungemeine zionistische Versammlung Referenten: Herr Oberbaurat Stricker, Wien, Herr Dr. Nahum Goldmann, Berlin „Die radikale Konferenzgemeinschaft zu den Kongressproblemen“. Wir erwarten sämtliche Gesinnungsgenossen bei dieser bedeutsamen Versammlung, bei der die aktuellen Probleme des Zionismus mit so prominenten Vertretern der Opposition erörtert werden sollen. Als Kostenbeitrag 50 Pig. Eintritt. hier irrt Lande und überall, die weniger selbstsicher sind und die genau so denken wie ich. Es ist gefährlich, von den Arabern eine zu geringe Meinung zu haben, wie es immer falsch und gefährlich ist, seine Nebenmenschen zu unterschätzen. Die Gewohnheit, andere zu unterschätzen, war jedesmal noch das Vorzeichen einer Niederlage. Die Araber sind nicht so träge, wie gern behauptet wird und wenn nun der jüdische Fleiß als Sporn in ihrer Flanke sitzt, wenn die Agitation, die von so vielen Seiten so lebhaft betrieben wird, sie aufstachelt, werden sie sich ganz gewiß eines Tages aufraffen, und dann werden sie im wirtschaftlichen Kampf die stärkeren sein. Denn ihre Arbeiter, sind nicht organisiert, ihre Taglöhner sind ganz bedürfnislos, haben lange nicht die Ansprüche auf geistige Anregung. Und der Araber wird überall, auf allen Gebieten, alles, was von Menschenhänden hergestellt wird, um die Hälfte billiger leisten. Daran müssen die Juden denken, die heute in der ganzen Welt zu glauben scheinen: es hat noch gute Weile mit dem Aufbauwerk. Das Paradoxe daran ist ja, daß dieses Werk nicht genug überstürzt werden kann und daß dennoch die nächste Generation eine Entscheidung zu gewärtigen hat. Entschieden wird die Sache erst sein, wenn die Kinder, die jetzt aufwachsen, die jetzt in der Wiege liegen oder geboren werden, wenn diese Kinder im Lande bleiben und wenn sie Bauern bleiben. Palästina kann unmöglich für die Dauer, für unabsehbare Zeit immer nur das Land sein, in das europamüde, amerikairtüde oder begeisterte junge Leute einwandern. Damit käme nie eine ruhige, naive, bodensichere Volksschicht zustande, das wäre kein Aufbau. Ohne eine wirkliche Menschenernte wäre aller Erntesegen des gelobten Landes nur Spreu. Die jungen Menschen, die jetzt hier sind., dann die jungen Menschen, die täglich ankommen, haben die Mühsal des Anfangs. Sie sind Emigranten, das darf man nicht vergessen. Und sie sind Eingewanderte, das muß man bedenken. Vorhut sind sie, die sich darbringen. Sie sind Aussaat und Keim, hier in die Erde gesenkt, damit Ernte entstehe. Sie sind das kostbarste Kapital, worüber das Judentum verfügt. Und sie werden Ernte tragen, mit Gottes Hilfe! Lächelst du über solchen Ausruf, Jüngling mit dem Voltaire-Gesicht zu En- Charod? Laß dich das Wort nicht anfechten. Und seid nachsichtig mit mir, ihr jungen Leute alle, in En-Charod, in Tel Joseph, in Beth-Alpha, ihr jungen Menschen am Ufer des Tiberiassees und überall im Land. Ich denke an euch, hier in dieser stillen, schönen Stunde, den Blick aufs Meer gerichtet, das sich tiefer im Purpur der scheidenden Sonne färbt. Und ich bewundere die reine Kraft, mit der ihr euch hingebt, ich bewundere die Zartheit, die ihr im Umgang mit euren Gefährtinnen, mögen sie nun hübsch oder häßlich sein, an den Tag legt. Ich liebe eure Ideale, euer Gefühl für soziales Recht, euer schönes, freies, kühnes Rebellentum. Auch das gegen Gott. Bei uns Juden hat Gotteswidersacher immer seinen Rang und seinen Wert gehabt, er trägt Gott in seinem Herzen und ringt mit ihm,... um ihn. Auch ihr tragt einen Gott in eurem Innern, wenn ihr gleich nichts davon wißt oder wissen wollt, und ob ihr ihn auch anders nennt, als Gott. Was hätte euch sonst hergeführt, nach Palästina, und was hielte euch da, wo nichts euer wartet, als Mühsal, Plage und frühes Verbrauchtwerden in einem Leben, das härter ist, als überall anderswo auf Erden. Ihr habt Religion in euch, wenn ihr sie auch nicht kennt. Noch niemand kennt sie. diese neue Religion. Aber, es wird eine jüdische Religion sein und es mag geschehen, daß diese altgewordene Welt wieder durch sie erlöst wird. Mir jedoch sei es erlaubt, mein Genügen zu haben an den wunderbaren Ereignissen der Bibel und an ihren Voraussagungen, die überwältigend sind bis zum heutigen Tag. Es steht geschrieben: „Denn der Herr wird dich zerstreuen unter alle Völker, von einem Ende der Welt bis ans andere“. Noch ehe das Judenvolk in das Land der Verheißung kam, in der Wüste noch hat Moses gesprochen: „Dazu wirst du unter denselben Völkern kein bleibendes Wesen haben und deine Fußsohlen werden keine Ruhe haben. Denn der Herr wird dir daselbst ein bebendes Herz geben und verschmachtete Augen und eine verdorrte Seele, daß dein Leben wird vor dir schweben. Nacht und Tag wirst du dich fürchten und deines Lebens nicht sicher sein. Vor Furcht deines Herzens, die