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Das jüdische Echo · 1925-07-17 · 29 (17.7.1925) · p. Seite 578

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
29 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
Seite 578 (sequence 10)
Language
German
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57 8 Das Jüdische Echo Nr. 29 Aus der jüdischen Welt Ablehnung eines jüdischen Richters keine Beleidigung. Berlin (J.T.A.). Im Jan. 1924 wurde von der Staatsanwaltschaft in Dessau ein Strafverfahren gegen sieben Angehörige des „Stahlhelm s“, darunter gegen den Staatsanwalt Dr. H a a s e aus Dessau, wegen Teilnahme an einer „Stahlhelm“-Veranstaltung in Magdeburg eingeleitet. Dr. Haase riet seinen Kameraden, wenn sie in Dessau von dem jüdischen Richter Dr. Mendershausen vernommen werden sollten, diesen wegen Befangenheit abzulehnen. Dies geschah auch durch ein Gesuch, in welchem ausgeführt wurde, der jüdische Richter werde abgelehnt, weil die Juden dem im „Stahlhelm“ verkörperten Frontgeist stets feindlich gegenüberständen. In dieser Ablehnung erblickte Dr. Mendershausen eine Beleidigung, und auch die Staatsanwaltschaft Dessau erhob gegen die sieben Stahlhelmer öffentliche Klage wegen Beleidigung eines Richters. Das Schöffengericht verurteilte Dr. Haase zu 1000 Mark Geldstrafe und sprach die übrigen Angeklagten frei. In der Berufungsinstanz wurde Haase der Schutz der Verteidigung von Rechten zugebilligt und^ auf volle Freisprechung erkannt. Dieser Tage beschäftigte sich das Reichsgericht mit der Angelegenheit und billigte Haase den Schutz des 193 St. G. B. zu, die Revision des Oberstaatsanwalts zu Dessau wurde demgemäß verworfen. Professor Plate beschimpft die jüdischen Männer der Wissenschaft. Berlin (J. T. A.) Der als Antisemit bekannte Zoologe der Universität Jena, Professor L. Plate, der Nachfolger Ernst Haeckels, veröffentlicht in der „Deutschen Zeitung“ einen wütenden Artikel gegen die Deutsche Liga für Menschenrechte, die in einem Rundschreiben an die Universitäten sich des wegen seiner pazifistischen Gesinnung vom Senat der philosophischen Fakultät in Jena verfolgten Privatdozenten Gumbel angenommen hat. Prof. Plate, der bekanntlich seine Vorlesungen über Zoologie zu antisemitischen Kundgebungen gestaltet, sieht auch hier überall Juden: Er schreibt: „Gumbel ist Jude und in der Liga sitzen eine Menge Juden (allein im Vorstand die Herren Prof. Einstein, Ministerialdirektor Hugo Freund, Rudolf Goldscheid, Prof. Julius Hirsch, Karl Riers, die wohl alle zur jüdischen Rasse gehören), die natürlich für ihren angegriffenen Rassegenossen eintreten. Nun werden voraussichtlich namentlich jüdische und demokratische Professoren sich äußern, und zwar für Gumbel ...“ Plate beschuldigt 'die Liga des Mangels an Nationalgefühl, fordert daß die Universitäten die Jugend zu idealer Gesinnung, Charakterstärke und Vaterlandsliebe erziehen, und schließt: „Dazu werden Juden im allgemeinen nicht fähiig sein, und deshalb hat auch der so glänzend verlaufene zweite Akademikertag in Elberfeld einstimmig die Forderung beschlossen, daß Juden in Zukunft nicht mehr als Lehrer an unseren Hochschulen zugelassen werden.“ Leopold Jessner rechnet mit seinen völkischen Gegnern ab. Berlin (J.T.A.). Der Intendant der staatlichen Schauspielhäuser in Berlin, Leopold Jessner, veröffentlicht unter der Überschrift „F ü r die F" r e i h e i t des Theater s“ im „Berliner Tageblatt“ vom 12. Juli einen Artikel über die geistige Position des Theaters von heute und rechnet bei dieser Gelegenheit mit jenen Kreisen ab, die flirrt als Juden die Eignung absprechen, die erste staatliche Bühne in Deutschland zu leiten. Er schreibt: „Es sind der Strömungen viele, das heutige Theater im „völkischen“ Sinne zu führen. Jene Cliquen, die den traurigen Mut haben, Männer, denen bei aller persönlich-politischen, und religiösen Zugehörigkeit die Kunst nur als Kunst Geltung hat, zu bezichtigen: sie seien parteipolitische Ausbeuter — jene sind es, die in Wirklichkeit das Theater zum Instrument einer Partei machen wollen. Sie sind es, die Werke wie Kleists „Prinz von Homburg“ und Hebbels „Nibelungen“ so blindlings durch allen Parteiwulst geschleift haben, daß der objektive Theaterleiter erst eine Reinigung an ihnen vollziehen muß. Sie sind es, die aus der „Hermannsschlacht“, diesem über Raum und Zeit hinaus erhabenen Haßgedicht, ein heiseres Spiel angeschminkter Teutonen gewinnen wollen, nicht wissend oder wohl wissend es unterschlagen, wie jener selbe Kleist 1809 in einem Aufruf: „Was gilt es in diesem Kriege?“ das großartige Bekenntnis zur Volks- und Völkergemeinschaft abgelegt hat, als einer Gemeinschaft, „die unbekannt mit dem Geist der Herrschsucht und Eroberung ihren Ruhm nicht einmal denken kann, sie müßte denn den Ruhm und. das Heil aller übrigen zugleich denken, die den Erdkreis bewohnen.“ Tagung der Württembergischen Landesversammlung. Berlin (J.T.A.). In Stuttgart fand — wie die „Jüdisch-liberale Zeitung“ mitteilt — die zweite Tagung der Landesversammlung statt. Der Präsident des Oberrates, Reg.-Rat Dr. Nörd- 1 i n g e r, berichtete über die Arbeit unter der neuen Verfassung. Rabb. Dr. Straßburge r-Ulm dankte dem Oberrat für die für die Weiterbildung der Rabbiner und Oberlehrer geleistete Arbeit, alsdann wurde die Frage der Konfessionsschule eingehend erörtert. Die Schulfrage wurde einer Kommission übergeben. Es wurde beschlossen, das Stuttgarter Bezirksrabbinat mit der Stelle des akademischen Religionslehrers zu verbinden. Der Antrag des Rabbinervereins, den Rabbinern nach 20 Dienstjahren das Aufsteigen in die nächsthöhere Gehaltsstufe zu gewähren, wurde abgelehnt. Die weitere Aussprache galt der Gestaltung des Etats. Enthüllung eines Denkmals für die jüdischen Kriegsgefallenen Stuttgarts. Stuttgart (J.T.A.). Auf dem israelitischen Teile des Stuttgarter Pragfriedhofes wurde ein Denkmal für die Gefallenen der Israelitischen Gemeinde feierlich enthüllt. Das Denkmal ist auf Anregung der Stuttgarter Ortsgruppe des Bundes jüdischer Frontkämpfer von den Architekten Regierungsbaumeister Bloch und Guggenheim e r aus freiwilligen Spenden der Gemeinde errichtet worden. Das Denkmal zeigt auf einer handgehämmerten Metallplatte die Namen der 95 im Weltkrieg gefallenen Söhne der Stuttgarter Israelitischen Gemeinde. Ein neuer Presse-Prozeß Naumann-Förder. Berlin (J.T.A.). Der Vorsitzende des Verbandes nationaldeutscher Juden, Dr. Max Naumann, hat gegen den Syndikus des Central-

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