Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 29 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- Seite 577 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 577 Das Jüdische Echo sich aus der Not des Augenblickes und aus der Kraft ihrer Wahrheit von neuem um diejenige Aufgabe scharen sollten, die Sie, auch wieder Sie, ihn schon vor Jahren gewiesen haben: um d a s neue Sanhedrion in Jerusalem. Man wird die Arbeiter nur dann zur Zurückstellung ihrer Forderungen bereden können, wenn man vonseiten des gesetzestreuen Judentums eine neue Prüfung und eine neue autoritative Regelung versprechen darf, die uns endlich aus dem halachischen Chaos dieser Zeit wenigstens einen Schritt herausführen möge. Vielleicht liegt hier ein Weg“. Aus der Berliner Repräsentantenversammlung Subvention einer Talmud-Thoraschule mit Jiddischer Unterrichtssprache Berlin (J.T.A.). Eine Frage von prinzipieller Bedeutung beschäftigte die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde. Die „Talmud Thora e z c h a j i m“ wandte sich an die Berliner Jüdische Gemeinde um Subvention ihrer von 200 Schülern besuchten Schule. In dieser Schule wird der Unterricht, der sich auf die jüdischen Disziplinen beschränkt, zum Teil in jiddischer Sprache erteilt. Ein Teil der liberalen Fraktion wollte die Subvention nicht bewilligen, da grundsätzlich die Berliner Jüdische Gemeinde Religionsschulen nur dann zu unterstützen in der Lage sei, wenn der Unterricht in deutscher Sprache erteilt werde. Für die Subvention traten die Konservativen und, mit besonderem Nachdruck, die Vertreter der Jüdischen Volkspartei ein. Deren Fraktionsvorsitzender Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee führte aus, jedes Kind habe Anspruch auf Religionsunterricht in seiner Muttersprache. Würde die sephardische Gemeinde In Berlin an die Gemeinde herantreten, um Subvention für in spaniolischer Sprache erteilten Religionsunterricht zu fordern, so sei dies ebenso zu genehmigen, wie im vorliegenden Falle. Die Einseitigkeit, mit der die preußische Regierung des Ancien Regime den Polen Religionsunterricht in polnischer Sprache verweigert: habe, dürfe die Berliner Jüdische Gemeinde nicht nachahmen. Der Liberale Dr. Sonnenfeld, bekanntlich der erste Vorsitzende der soeben stattgehabten Preußischen Landesversammlung jüdischer Gemeinden, schloß sich der Ansicht Dr. Klee’s an, indem er der Erbitterung gedachte, die er in seiner Jugend in Oberschlesien wegen der Verweigerung des Religionsunterrichtes in polnischer Sprache miterlebt habe. Die Subvention wurde von der Repräsentantenversammlung mit Majorität bewilligt. Dem Beschluß ist der Gemeindevorstand beigetreten unter besonderer Berücksichtigung der Notlage der erwähnten Talmud Thora-Schule. Erziehungskonferenz des Halberstädter Verbandes Berlin (J.T.A.). Aus, Halberstadt wird gemeldet: Auf Anregung des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden (Halberstädter Verband) tagten vor kurzem in Halberstadt die Vertreter der verschiedenen gesetzestreuen Institute und Organisationen Deutschlands, um über die „künftige Ausbildung jüdischer Lehrer und Religionslehrer“ zu beraten. Anwesend waren: Herr Rabb. Dr. Moses Auerbach (Berliner Rabbinerseminar), Rabb. Dr. E. Carlebach (Lehrerseminar Köln), Oberlehrer Stoll (Lehrerseminar Würzburg), Dozent J. Ehren treu (Frankfurter Jesehiwah), Rabb. Dr. Schlesinger (Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden), Rabbiner Dr. Frankl und Dr. med. Auerbach -Halberstadt (Landesorganisation Agudas Jisroel in Deutschland), Rabb. Dr. S. B amberger -Köln und Bezirkssekretär Posen -Heilbronn (Jugendorganisation Agudas Jisroel), Emil H. Lehmann -Frankfurt a. M. (Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums), die Herren Wolf S. Jacobson -Hamburg und Gottfried Gold1- Schmidt- Halberstadt (Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland). Den Vorsitz^ führte der Präsident des Landesverbandes Rabbiner Dr. J. Auerbach -Halberstadt. Es fand eine eingehende Aussprache über den gesamten^ Komplex der religiösen Erziehungsfragen statt, woraufhin entsprechende Beschlüsse gefaßt wurden. Herr Rabbiner Dr. Carlebach formulierte seine Forderungen über die Ausbildung der jüdischen, Lehrer in der Zukunft und regte u. a. die Bildung einer „jüdischen Lehrerakademie“ an. Oberlehrer Stoll berichtete über die Lehrerausbildung am Würzburger Semina r. Dozent Ehrentreu betonte, daß die Jesehiwah der beste Boden für die Ausbildung jüdischer Lehrer sei. Um das Resultat der Verhandlungen festzuhalten und für die praktische Ausführung geeignete Grundlagen zu schaffen, wurden die Vertreter der Lehranstalten gebeten, sich zu einer Kommission zusammenzuschließen, in mündlichem und schriftlichem Gedankenaustausch die geeignete Formulierung für die gemeinschaftlichen Thesen zu finden und alsdann mit einem fertigen Programm vor die Öffentlichkeit zu treten. Nestor Gianadis Cigaretten