Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 29 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- Seite 576 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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576 Das Jüdische Echo Nr. 29 gehört ihm nur noch bis übermorgen, ihm, dem Kalifen der 200 Tage... Ich sah ihn an. Sein schönes Gesicht war blaß und hager geworden, die Hände kraftlos, die Stimme, in der — während er zu mir sprach — oft Tränen zitterten, war gebrochen. Der alte Mann, der — ein Jahr vorher — noch Tage hindurch im Sattel sitzen konnte, war ein Greis geworden.“ Dr. v. Wei!sl schließt: „Hussein hatte ein großes Spiel gewagt, als er, die Anerkennung der Balfour-Deklaration ablehnend, den Kampf gegen die jüdische Heimstätte in Palästina zum Schlüsselpunkte seiner Politik gegen England machte. Er hielt sich für stärker, die Juden für schwächer und die Engländer für kurzsichtiger, als sie waren. So verlor er sein Spiel....“ * Der Handels-Chefredakteur des „Berliner Tageblatt s“, der bekannte Volkswirtschaftler Dr.Felix Pinner, veröffentlicht i% seiner Zeitung den vierten aus Jerusalem datierten Artikel seines Zyklus, „Das neue Paläst ina“. Der Verfasser setzt sich zunächst mit dem System der K w u z a h auseinander und gibt eine eingehende Schilderung der großen Kwuzoth im Emek Jesreel. Er schreibt: „Meist ist es eine furchtbar schwere Arbeit und sehr schmale Nahrung, und die Tatsache, daß die schon vorhandenen Betriebe des Gdud Awodah niemals in erster Linie auf die Erzielung eigener Überschüsse, sondern weit mehr auf die Möglichkeit der Schaffung neuer Betriebe Wert legen, hat dazu geführt, daß der Lebensstandard nirgends so schlecht ist, wie bei diesen Gruppen, denen das persönliche Wohlbefinden nichts, das Werk alles ist. Dr. Pinner beschreibt dann die Form der M o - schaw Owdiim, „die Gemeinschaft der Arbeitenden“, deren, erste Nahalal im Emek war. Auch hier keine volle Rückkehr zur Privatwirtschaft, aber jeder arbeitet mit seiner Familie für sich selbst. „Läßt man die Zahlen sprechen, so hat es den Anschein, als ob die Entwicklung sich stärker in der Richtung des Moschaws, also der bäuerlichen Form vollzöge. Trotzdem die Kwuzah die ältere Form ist, sind doch gegenüber 23 Kwuzoth in den vier Jahren, seitdem die Moschawim bestehen, 14 Moschwe Owdim gegründet worden, und ein Teil davon ist durch Umwandlung von Kwuzoth entstanden“. Dr. Pinner geht dann zur Schilderung des Erziehungssystems über: „Das Prinzip der gemeinschaftlichen Kindererziehung prägt sich naturgemäß; am. stärksten in der Kwuzah aus. . . .- Das Familiengefühl leidet unter dieser Trennung zwischen Eltern und Kindern keineswegs. Im Gegenteil erfährt es dadurch oft eine1 Vertiefung und Reinigung. Die Kinderpflege wird als die größte Aufgabe und die größte Sorge in den Kolonien betrachtet, und selbst da, wo die Erwachsenen in dürftigen Baracken hausen und absolut unzulänglich essen, werden; die Kinder in wahrhaft vorbildlicher Weise genährt, gekleidet und unterrichtet. Macht man die Siedler auf die großen Unterschiede zwischen ihrer eigenen Lebenshaltung und der ihrer Kinder aufmerksam, so bekommt man meist die Antwort: „Die Kinder sind unser wertvollstes Kapital. Sie werden erst das vollenden, was wi!r begonnen haben“. In den meisten Kolonien ist das erste Gebäude, das errichtet wird, das Kinderhaus, dann kommen die Ställe für das, Vieh und dann erst die Wohnungen für die Erwachsenen. Der Verfasser stellt die Frage, ob die jetzige Generation, die zum Teil aus der Intelli'genzschicht, aus abstrakten Berufen kommt, und die sich aus spirituellen Denkgewohnheiten in die Enge des Bauerntums zwingen muß, recht daran tut, ihren Kindern der zweiten Generation eine geistige Bildung zu geben, die es ihr einst schwer machen könnte, in der Enge zu bleiben. Er setzt aber fort: „Vielleicht sind wir Europäer in einem Vorurteil befangen, wenn wir glauben, daß ein wurzelhaftes Bauerntum ohne eine gewisse geistige Beengtheit nicht möglich ist. Vielleicht wird sich in Palästina ein neuer Bauerntypus bilden, der anders geartet Ist und durch Stärke des bewußten Willens das ausgleicht, was ihm an Erdschwere, an Triebdumpfheit fehlt“. * Der Redakteur des „Jüdischen Wochenblatte s“, Frankfurt a. M., Dr. Ernst Simon, richtet an der Spitze der Zeitung einen „Offenen Brief“ an den Oberrabbiner von Palästina, Rabbi K o o k, in welchem auf die Spaltung in der jüdischen Nationalversammlung und im jüdischen Nationalrat Palästinas, die zu schweren Gefahren für die Einheit des Judentums führen könne, hingewiesen und gesagt wird: „In dieser Stunde äußerster Not und Gefahr sind die Augen vieler Ihnen persönlich unbekannter, Ihnen verborgener jüdischer Menschen auf Sie gerichtet. Wir erwarten Ihr Eingreifen, wir warten auf die Macht Ihres lebendigen Wortes. Sie sind der einzige, dessen Autorität in fast allen Kreisen des palästinensischen Jischuw, bei den Frommen und bei den „Unfrommen“ in unbedingter Geltung geblieben .ist. Was freilich zu tun sei, das vermögen wir Ihnen nicht zu sagen. Uns, mag es scheinen, als ob in diesem Augenblicke mit aller Macht Aufschub zu schaffen sei; daß die Linken gehindert werden müssen, schon jetzt unwiderrufliche Beschlüsse zu fassen, und daß die Gesetzestreuen fflcarien^0irveiclß&ei Jfß&serv-jtchzveicleeei