Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 29 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- Seite 575 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 57 5 wiedergegeben an der Hand meiner Tagebuchaufzeichnungen, folgende: 1. Am 26.9.1914 meldete ich mich in Beuthen bei General Ludendorff als der der 9. Armee zugeteilte Feldrabbiner. Auf die Frage des Generals, wie ich mir meine Tätigkeit vorstelle, entwickelte ich meinen Arbeitsplan, der auschließlich die Seelsorge an den jüdischen Soldaten der Armee zum Gegenstand hatte. Als ich fertig war, meinte der General: „Ich habe noch einen besonderen Auftrag. Wir kommen jetzt nach Polen, wo zahlreiche Juden wohnen. Suchen Sie mit diesen Fühlung zu nehmen, sie über die Freundlichkeit unserer Gesinnung aufzuklären und den Militärbehörden darin behilflich zu sein, das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung durch Rücksichtnahme auf deren religiöse Empfindungen zu gewinnen“. 2. Am 5. 10. wurde mir vom Nachrichtenoffizier des A.O.K. ein fertiges, in hebräischer und jiddischer Sprache gedrucktes Flugblatt übergeben, mit der Weisung, es ins Deutsche zu übersetzen. Bis dahin hatte ich von einem Aufruf weder etwas gehört noch gesprochen. 3. Am 8.10. wurde ich zu General Ludendorff befohlen. Er erkundigte sich nach der Stimmung der jüdischen Bevölkerung und fragte mich, ob ich mir etwas von dem geplanten Aufruf verspreche. Im übrigen wünschte er einige Veränderungen an dessen Wortlaut und forderte mich auf, in entsprechendem Sinne eine Umredigierung vorzunehmen. Nachdem diese ihm vorgelegt und von ihm genehmigt war, wurde ich mit der Rückübersetzung ins JHebräische und Jiddische und der Besorgung des Neudrucks beauftragt, was ich selbstverständlich tat. „Das ist mein Anteil an der Entstehung des Aufrufs“. Das Organ der jüdischen Frontkämpfer fügt hinzu: ,Das sagt genug. — General Ludendorff hat in seinem Buche und auch in seinem obigen Briefe gegen die deutschen Juden die schwersten Vorwürfe gerichtet, die man überhaupt gegen einen Deutschen richten kann. Er hat trotz aller Aufforderungen bisher wohlweislich vermieden, für seine Verleumdungen und Ehrabschneider eien auch einzustehen und Zeugnis abzulegen. — Wir sehen heute wieder aus Obigem, welcher Wert seinen Worten beizumessen ist“. Gegen den Numerus clausus Eine Resolution der Union der Völkerbundsligen. Die 31 polnischen Delegierten abwesend. Warschau (J.T.A.). Die Union der Völkerbundligen nahm die Resolution des Professors A u 1 a r d gegen das Bestehen des Numerus clausus in Ungarn und in, anderen Ländern mit großer Mehrheit an. In der Resolution wird mit Genugtuung konstatiert, daß die Verständigung zwischen der polnischen Regierung und den Juden die Möglichkeit der Einführung des Numerus clausus in Polen ausschließt. In der Resolution heißt es weiter: Der Kongreß bittet den Generalsekretär, reguläre Berichte über den Antisemitismus in allen Ländern Europas zugleich mit den Berichten über die faktische Anwendung des Numerus clausus zu sammeln und vorzulegen. Der ungarische Delegierte trat gegen die Resolution auf und behauptete,. das Bestehen des Numerus clausus sei aus sozialen Gr ü nd e n notwendig. Die jüdischen Delegierten Prof. Baron -Wien und Senator Ringel -Lemberg traten den Ausführungen des ungarischen Delegierten scharf entgegen. Senator Ringel sagte: Ich gehöre der polnischen Delegation an, weil in Polen eine jüdische Liga nicht besteht; ich bin aber hier dennoch als Vertreter der jüdischen Minderheit in Polen anwesend. Das Abschneiden der Bildungsmöglichkeit für einen Volksteil ist nicht weniger unmenschlich als die Wegnahme von Brot und Wasser zur Fristung der physischen Existenz. Besonders barbarisch ist dieser Kampf gegen ein Volk, welches starken Verfolgungen ausgesetzt und dem die Bildung die einzig gebliebene Waffe im Kampf um sein Dasein ist. Nach Annahme der Resolution Aulards wurde der Vorschlag Dr. Ringels, einen speziellen jüdischen Vertreter in die Kommission zu wählen, abgelehnt. Gegen die Resolution Aulard stimmten die Ungarn und die Vertreter der russischen Monarchisten. Allgemein fiel es auf, daß bei dieser Abstimmung von den 31 polnischen Delegierten kein einziger zur Stelle war. Echo der Presse Der Sonderberichterstatter der „Vossischen Zeitung“, Dr. Wolfgang v. Weisl, besuchte nach einer abenteuerlichen Fahrt den früheren König und Kalifen Hussein von Hedschas in seinem Zufluchtsort Akaba, kurz bevor dieser den Ort auf Befehl der Engländer verlassen mußte. Zwei Tage lang sprach der greise Fürst mit müder, tränenerfüllter Stimme seine Klagen gegen England aus. Der Korrespondent gibt folgende Schilderung seiner Eindrücke von der Person Husseins: „Ein Jahr vorher war ich Gast des Königs gewesen, der sich damals gerade zum Kalifen hat ausrufen lassen. Wie stolz und siegessicher hat er mich damals gefragt: „Wer soll denn Kalif sein als ich? Welcher mohammedanische Fürst außer mir ist noch ganz unabhängig vom Ausland?“ Und heute sitze ich wieder an seiner Seite. Und ihm ist von aller Macht nichts geblieben als die beiden kleinen Wüstenstädte Maan und Akaba und die kleine Yacht da draußen auf den blauen Wellen des Golfes. Und selbst dieser Rest seiner Macht Zionistische Ortsgruppe München Montag, den 20. Juli 1925 abends 8 Uhr im Bibliotheksaal der Jüdischen Gemeinde, Herzog Maxstr.7 Vortrag: ü 99 Referentin: Frau Rabbiner Dr. Recha Freier Anschließend Aussprache- Gäste willkommen! Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintritt von 50 Pfg. erhoben 45414051148