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Das jüdische Echo · 1925-07-17 · 29 (17.7.1925) · p. Seite 574

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
29 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
Seite 574 (sequence 6)
Language
German
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574 Das Jüdische Echo Nr. 29 zen Welt hätten auf die Karte des Bolschewismus und der Bekämpfung Polens gesetzt. Der Bankerott der Idee der Revolutionierung Europas sei eine der größten Niederlagen der internationalen jüdischen Politik. Angesichts der Entwicklung Polens verstehe man diese plötzliche angebliche Wendung der jüdischen Politik von der Bekämpfung Polens zur Zusammenarbeit. Das Polentum teile deshalb die von Glombinski ausgesprochene Meinung. Dieses Verhalten der nationalde-mokratisehen Partei, die.sich während der Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung und den jüdischen Parlamentariern der größten Reserve befleissigte und erst nach dem feierlichen Abschlußakt mit ihrer Opposition gegen das Abkommen hervortritt, hat in Regierungskreisen stark überrascht. Man erklärt, daß die Regierung die Punkte des Abkommens gegen alle Opposition durchführen werde, Warschau (J.T.A.). Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, wird die Regierung im Verlauf der nächsten drei Wochen eine Reihe Verordnungen betreffend das jüdische Schulwesen, die Organisation der jüdischen Gemeinden, sowie kulturelle und wirtschaftliche Angelegenheiten erlassen. Einzelheiten werden geheimgehalten. Lemberg (J.T.A.). „Kurier Lwowsky“ bringt die sensationelle Mitteilung, daß das Verfahren gegen den jüdischen Studenten Stanislaw Steiger, der in dem Verdacht steht, ein Attentat gegen den Präsidenten der Republik, Wojciechowski, während dessen Anwesenheit in Lemberg versucht zu haben, durch einen Gnadenakt des Präsidenten niedergeschlagen werden wird. Steiger soll gleich danach aus der Haft entlassen werden. Die Budget-Kommission des polnischen Sejm hat eine vom Abg. Federbusch eingebrachte Resolution, worin die Regierung aufgefordert wird, bei. der Wiederaufbauaktion auch die im Kriege vernichteten Synagogen und jüdischen Schulen zu berücksichtigen, einstimmig angenommen, da die polnischen Abgeordneten im Hinblick auf die jüdisch-polnische Verständigung ebenfalls für die Resolution gestimmt haben. Der polnische Unterrichtsminister hat dem Jüdischen Lehrerseminar in Wilna das Öffentlichkeitsrecht verliehen. Es ist dies der erste Fall, daß die polnische Regierung einer Anstalt mit jüdischer Unterrichtssprache das Öffentlichkeitsrecht gewährt. Dieser Akt der Regierung wird ih politischen Kreisen als eine der Wirkungen der polnisch-jüdischen Verständigung betrachtet. * London (J.T.A.). In der Sitzung der Anglo Jewish Associati o n vom 5. Juli erstattete Mr. Lucien Wolf im Namen des Joint Foreign Committee Bericht über das Abkommen zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung in Polen. Er sprach sich sehr optimistisch über das Abkommen aus, welches die Aussicht eröffnet, daß die schwer leidende jüdische Gemeinschaft in Polen endlich ein besseres und friedliches Leben als vollberechtigte Bürger der polnischen Republik wird führen können. Diese Hoffnung wird in einem Briefe des polnischen Außenministers Skrzynsk I an ihn, Lucien Wolf, geteilt, und auch der Gesandte Polens in London sprach sich sehr hoffnungsvoll über die Auswirkungen des Abkommens aus. Herr Lucien Wolf führte weiter aus, er möchte davor warnen, allzuschnelle Resultate sehen zu wollen. Man muß der Entwicklung ihre Zeit lassen. Das jüdische Problem in Polen ist nicht so sehr politisch wie psychologisch bestimmt, 22 Jahre lang, oder noch länger, litt das ganze Land unter einem Regime von Irrtümern und Verbrechen. In keinem Lande der Welt war die antisemitische Propaganda so glänzend organisiert, wie in Polen. Es muß erst allmählich eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens geschaffen werden. Die polnische Verfassung ist liberal, allein, der polnische Antisemitismus war stärker als das geschriebene Gesetz und drängte die Juden in eine Lage, wie man sie sich nicht schlimmer denken könne. Die Einsichtigen in beiden Lagern sahen schon lange ein, daß diese Lage vor allem dem polnischen Staat Schaden bringt. Die polnische Regierung tat die ersten Schritte zur Verständigung, das muß anerkannt werden. Es ist zu hoffen, daß die Extremisten auf beiden Seiten das von den gemäßigten Männern geschaffene Abkommen nicht durchkreuzen werden. Herr Lucien Wolf zollte dem polnischen Ministerpräsidenten Grabski und’ den staatsmännischen Fähigkeiten Dr. Reich ’s und Dr. T h o n ’s volles Lob. Er drückte die Hoffnung aus, daß das Abkommen nicht allein der Judenheit Polens, sondern auch der Judenheit in den anderen Ländern Osteuropas zugute kommen wird. Mr. d’Avigdor Goldshmid würdigte in wenigen Worten die Verdienste Mr. Lucien Wolfs um die Lösung des außerordentlich schweren Problems der polnisch-jüdischen Einigung. Das Joint Foreign Committee beglückwünschte sich, daß sein Vertreter durch Klugheit und Takt viel zu dieser Lösung beigetragen hat. Ludendorffs Hufruf „Zu dl Jfdden in Paulen“ Eine Feststellung des Feldrabbiners der 9. Armee. Berlin (J.T.A.) Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat General Ludendorff anläßlich eines Prozesses zwischen Rechtsanwalt Dr. Jacobsohn- Breslau und dem Redakteur der „Schlesischen Volksstimme“ Dr. H e r r m a n n - Breslau an den letzten einen Brief gerichtet, in welchem erklärt wird, daß der Oberkommandierende der 9. Armee den bekannten Aufruf „Zu di Jidden in Paulen“ auf Vorschlag des im Stabe befindlichen Feldrabbiners erlassen hat. Ludendorff fügt in seinem Brief an den antisemitischen Redakteur noch hinzu: „Im Kriege kommt man in die Lage, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben. Der Aufruf war ein rein militärisch-politischer Akt und nichts weiter, geboten durch die Lage der Stunde. . . . Auch ich halte das jüdische Volk als wesentliche Ursache unseres Zusammenbruchs..Deutsche Juden“ gibt es nicht, nur Juden deutscher „Staatsangehörigkeit“.“ Die Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild“ legte den Brief Ludendorffs dem darin erwähnten Feldrabbiner der 9. Armee, Rabbiner Dr. Arthur L e v y in Berlin, vor. Dieser richtete an den „Schild“ einen Brief, in welchem er erklärt: „Niemals ilst ein derartiger Vorschlag (Aufruf an die Juden in Polen, d. Red.) von mir ausgesprochen worden, vielmehr sind die Tatsachen,

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