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Das jüdische Echo · 1925-07-17 · 29 (17.7.1925) · p. Seite 573

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
29 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
Seite 573 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 573 den war und nicht von den Österreichern. Dadurch aber wurden selbst die Italiener, die wenige günstig von den Juden dachten, zu Gegnern der antisemitischen Richtung Preciosis. Ganz abgesehen davon aber isit die soziale Stellung der Juden Italiens so stark, daß die Antisemiten nichts Nennenswertes unter nehmen können. Sie sind mit dem politischen wie dem wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leben allzu eng verbunden. Die Deputiertenkammer besitzt 35 jüdische Mitglieder. Im diplomatischen und im Consulardienst gibt es 40 Juden, unter ihnen mehrere General-Konsuln!. Jüdische Universitätsprofessoren zählt Italien ungefähr 840 und eine ganze Anzahl besitzt hohe Posten in der Armee und Marine, im Zivildienst und der Justiz. Trotzdem aber die besten politischen Köpfe der italienischen Juden sich mit dem Faszismus identifizieren, ist es gleichwohl Tatsache, daß die drei Führer der sozialistischen Partei gleichfalls Juden sind: Musati, Treves und MadiglioniL Die Antisemiten haben diese Tatsache oft benutzen wollen, um Mussolini davon zu überzeugen, daß die Opposition von den Juden ausginge: Aber Mussolini antwortete darauf, daß nicht alle Juden darunter leiden sollten, weil zufällig drei von ihnen die Opposition führten. Auch der König von Italien ist als, Judenfreund bekannt und interessiert an jüdischen Fragen. Mussolini fand also eine den Juden freundliche Tradition vor und hielt es für das klügste, sie fortzusetzen. Denn die einflußreichen jüdischen Politiker, Staatsmänner und Journalisten, Intellektuellen und Künstler in der Opposition* zu wissen, dlais, hätte ihm wohl eine ganze Menge zu schaffen gegeben. Der Gewährsmann schließt: Auch die italienischen Juden waren politisch klug genug, die angebotene Freundschaft anzunehmen. R. M. * Rom (J.T.A.). Der jüdische Senator Davide Supino, Professor für Handelsrecht an der Universität zu Pisa, trat am 30. Juni nach 52jähriger ununterbrochener Lehrtätigkeit in den Ruhestand. Zu seiner Abschiedsvorlesung fanden sich die prominentesten Vertreter der Gelehrtenwelt Italiens, die dem greisen Gelehrten eine spontane Huldigung darbrachten und ihm eine Adresse überreichten. * Aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Königs Viktor Emanuel wurde sein Name in Erinnerung an seine oft für die jüdische nationale Bewegung ausgedrückten Sympathien in das Goldene Buch des Jüdischen Nation a 1 f o n d s eingetragen. Der König sandte dem Leiter der Keren Kajemöth-Aktion in Italien, Prof. David Prato, ein Schreiben, in welchem er der -italienischen Judenheit für diese Huldigung Dank sagt. * * Die italienische Regierung hat eine Kommission zwecks Ausarbeitung eines, Verfassungsentwurfes, der dem faszistischen- Regime angepaßt sein, soll, eingesetzt. Der Vorsitzende dieser Kommission Prof. A r I a s von der Universität zu Genua, ein Jude, stellte den Verfassungsentwurf her, der als „relazione Arias“ jetzt in Italien diskutiert und wahrscheinlich vom Parlament angenommen wird. Noch zwei andere bekannte jüdische Gelehrte sind Mitglieder dieser Kommössion. * Der Direktor des Königlichen Ambulatoriums zu Rom, Prof. Dr. Arrigo PI p e r n o , erhielt dieser Tage den Besuch einer Abordnung des amerikanischen Ärztevereins, die ihm das Diplom der Ehrenmitgliedschaft dieses Vereins überreichte. Diese Auszeichnung wurde bisher nur zwei Europäern zuteil. Der berühmteste italienische Arzt Dr. Piperno ist Jude. Das polnisch-jüdische Abkommen Einzelheiten noch unbekannt. — Neue Schwierigkeiten. — Polnische Vorbehalte. — Nationaldemokratische Opposition. — Die erwarteten Verordnungen. Warschau (J.T.A.). Der jüdische Parlamentsklub beschäftigte sich in einer Sitzung mit den in der Presse erschienenen Nachrichten über den angeblichen Inhalt des polnisch-jüdischen Abkommens und gab dann das folgende Kommunique heraus: Der Klub stellt fest, daß alle in der Presse erschienenen Notizen über die Resultate der Verständigung und die Bedingungen mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Berlin (J.T.A.). Das Wolffsche Telegraphen- Bureau teilt aus Warschau, 7. Juli, mit: Obgleich der national - demokratische Unterrichtsminister Stanislaw G r a b s k i gemeinsam mit dem Außenminister S k r z y n s k i die Verhandlungen mit dem jüdischen Klub, die jüngst zu ihrem vorläufigen Abschluß gekommen sind, geführt hat, gab heute der Abgeordnete Dr. G1 o m b i n s k i, der Präsident des nationaldemokratischen Volksverbandes, der stärksten Partei Polens, eine parteiamtliche Erklärung ab, die gegen den Pakt der Regierung mit den Juden starke Vorbehalte geltend macht. Es heißt darin, die Juden hätten durch ihr Verhalten in und nach dem Kriege, durch die Konsolidierung des Minderheitsblocks vor den Wahlen, in höchstem Maße das Vertrauen ihrer polnischen Mitbürger verloren. Man kann deshalb nicht verstehen, daß der Ministerpräsident in seiner Erklärung an die Vertreter des jüdischen Klubs nicht das Verhalten der Juden als polnische Bürger gerügt hat. Die polnische Bevölkerung müsse daher mit größtem Mißtrauen auf die Aktion der Regierung blicken und sei auch nicht in der Lage zu verstehen, warum die jüdischen Bürger Polens wie Vertreter einer selbständigen Großmacht behandelt werden. Die nationaldemokratische „Gazetta poronn a“ unterstreicht noch die Erklärung des Parteiobmanns, indem sie behauptet, die Juden der gan- S. LEVINGER MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse

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