Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 28 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- Seite 564 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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564 Das Jüdische Echo Nr. 28 Siedelungsform die bessere ist, man mag die Vor- und Nachteile der einen oder der anderen Art auf dem Papier genug disputieren, die Wirklichkeit ist machtvoller als alle Theorie und zeugt davon, daß die Juden nicht das in Europa verachtete Krämer - und Handelsvolk sind, sondern vorzüglich zu landwirtschaftlichen Arbeiten sich eignen. Wir waren in En Charod, in Kfar Jecheskeel, fuhren an Balfouria und an der Kolonie Markendorf vorbei' besuchten Dagania A und B, hatten Gelegenheit, die Farm des Herrn Treitel (Köln) zu bewundern und kamen schließlich nach Migdal, jener Musterkolonie am See Tiberias, die mit ihren reichen Palmen- und Obstbeständen, mit ihren prachtvoll angelegten Pflanzungen ein stolzes Gefühl der Zugehörigkeit zum Judentum aufkommen lassen mußte. Im Unterbewußtsein wußten wir wohl, daß jahrelange, mühevollste Arbeit daran hängt, früher unfruchtbaren, steinigen und sumpfigen Boden in so ertragreiche Acker umzuwandeln und wußten auch wohl, daß manche teils mit dem Lehen diese Arbeit bezahlten, teils entmutigt ob der vielen Strapazen dem Land wieder den Rücken kehrten, um anderswo ihr Glück zu versuchen. Denn darüber täusche man sich nicht: In den Kolonien Palästinas zu leben, heißt arbeiten, arbeiten und nochmal arbeiten. Und darin erblicke ich die Größe des Judentumes, daß es Leute hervorbringt, die aus reinem Idealismus, aus reiner Liebe zu ihrer Volksgemeinschaft den heiligen jüdischen Boden bearbeiten, um dereinst mit dem Bewußtsein von dieser Welt zu scheiden, in selbstlosester Weise mitgeholfen zu haben an der Schaffung eines wirklichen Volkes Juda. Dr. Benno Monheimer. Archäologisches aus Palästina Die „dritte Mauer von Jerusalem“. — Fund eines N eandertal-Scliädels. Prof. Nahum S 1 o u s h entdeckte im Zentrum Jerusalems, in der Nähe des Musrara-Viertels Reste einer alten Mauer, deren Riesenquadern denen der Klagemauer ähnlich sind. Man nimmt an, daß es sich um einen Teil jener Mauer handelt, die der König von Judäa, Agrippa I., (34—44 n. Chr.) erbauen ließ. Diese Mauer begann im Hippicus, lief zuerst nordwestlich, dann nordöstlich der Denkmäler der Helena, umschloß das Grab der Könige und endigte an der alten Mauer im Kidrontal. * Ausgrabungen der englischen Archäologen haben zur Entdeckung des Schädels eines vorzeitlichen Menschen in einer Höhle geführt, die bei Tabagha im Norden von Tiberias hegt. Die Höhle befindet sich unterhalb der geschichtlich festgelegten Erdschichten und enthält unter einer Schicht von herabgefallenen Steinen eine 6 Fuß tiefe Erdlage, die reich ist an Feuersteinwerkzeugen von dem Typ der Musterien-Kultur. Der Schädel zeigt in seiner ganzen Form, besonders in der außerordentlich starken Entwicklung der Knochen über der Augenhöhle, in der zurückweichenden Stirn und der Stärke der Te^tilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.G. München / Frankfurt^ / Leipzig Zentrale München, hesstrasse 74/76 RauptgeschäftDachauerstr.9.lllustr. Katalog gratis u.franko Knochen, große Ähnlichkeit mit dem Schädel des Neandertales, und Prof. Garstang, der den Fund näher untersuchte, ist der Ansicht, daß es sich hier um einen Vertreter derselben urgeschichtlichen Menschenrasse handelt. Gemeinden-u. Vereins-Kcho Hechaluz. Sämtliche Mitglieder der hiesigen Orts-1 gruppe treffen sich zu einer wichtigen Besprechung im kleinen Sitzungszimmer Herzog Maxstraße 5, Rückgebäude, am Montag, den 13. Juli, 6.30 pünktlich. Erich Deutsch. Große Mädelsgruppe des J. J. W. B. München., Sonntag, 12. Juli: Treffpunkt 7.15 Uhr Starnberger Bahnhof unter der Uhr. Israelitischer Lehrerverein für Bayern. Wir erinnern nochmals daran, daß die 44. Mitgliederversammlung am 30. und 31. August in Nürnberg stattfindet. Dingfelder, Rosenfeld. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. Samstag, den 11. Juli 1925, abends 9.30 Uhr im kleinen Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog Maxstr. 5 Rgb. I.: Fortsetzung des Vortrages über „D i e Entstehung der jiddischen Sprach e“, anschließend daran Kurs für jiddische Sprache und Literatur. Sonntag, den 12. Juli 1925. Treffpunkt 8 Uhr Endstation der Linie 20 Thalkirchen. Nachfahren 2 Uhr Grünwald Tramhahnhaltestelle. Die Fahrt findet nur hei schönem Wetter statt. Würzburg. Der 1. Bundestag des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns, der am 28. Juni in Würzburg stattfand, nahm einen würdigen und harmonischen Verlauf. Der 1. Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Stein- Schweinfurt, eröffnete die Tagung mit einer Ansprache über den Sinn und die Bedeutung des Bundestags. Die Begrüßungsansprache des Herrn Rabb. Dr. Hanover - Würzburg begann mit einem historischen Rückblick über die Geschichte des Bundes und des bayerischen Judentums im letzten Jahrhundert. Das Bild vom bayerischen Juden, als des schlichten und opferfähigen Jere-schomajim, hat sich leider stark geändert. In manchen Kreisen auf dem Lande scheint fast alles jüdische. Leben erloschen. In ergreifender Weise schildert der Redner die geistige Not der vereinsamten Juden auf dem Lande, deren Seelen von den materiellen Sorgen fast völlig verschüttet sind. Und diese Seelen von Israel sind es wert, daß man sich in jeder denkbaren Weise um sie bemüht, um das, was noch an jüdischen Funken in ihnen glimmt, wieder zum Entflammen zu bringen. Gerade die gegenwärtige Zeit ist für den Kampf um die jüdischen Ideale sehr günstig, denn die Flut des Materialismus, die die Massen gegenwärtig ergriffen hat, ist nur die letzte, und darum scheinbar größte Welle einer abklingenden Zeitströmung, während im Zentrum bereits eine neue Epoche ihren Anfang genommen hat. Nach einer Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitzenden des Vereins zur Wahrung und Förderung religiöser Interessen in der Kultusgemeinde Würzburg, Herrn Zahnarzt Dr. Nathansen, berichtete der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Stein- Schweinfurt, von den Arbeiten des Bundes im abgelaufenen Halbjahre: persönliche