Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 28 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- Seite 562 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 28 562 IN PÄLftESTINH Eindrücke eines Nichtzionisten Ein Münchener Palästinatourist, der zu Peßach dieses Jahres das Land besucht hat, stellt uns seine nachfolgenden Reiseeindrücke zur Verfügung, aus der großen Zahl ausgezeichneter photographischer Aufnahmen, die Herr Dr. Monheimer in Palästina gemacht ur,d uns freundl.chst zur Veröffentlichung überlassen hat, haben wir einige besonders wirksame ausgewählt. I. Tel-Awiw Wenn man, von Ludd, dem wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt des Landes kommend, in T e 1 - A w i w die Bahn verläßt, glaubt man zunächst, dem kleinen Bahnhof entsprechend eine ebensolche Siedelung vorzufinden. Kaum aber ist man aus dem Bahnhofsareal, steht man erstaunt vor großen weißen Häusern, die nicht wie in den meisten Städten von Europa eng aneinander gebaut sind, sondernfreundliches Gartenland zwischen sich lassen und so den Eindruck einer großzgiigig angelegten, geräumigen und gesunden Siedelung machen. Hier in diesen Außenvierteln wird ebenso wie gegen das Meer zu noch viel gebaut, wenn auch in einem Stil, der oft nicht gefallen kann. Auf dem weiteren Weg in die Stadt hinein verdichtet sich das Leben und Treiben auf den Straßen, um in der Hauptstraße, der Theodor Herzlstraße ihren Höhepunkt zu erreichen. Alles ist hier jüdisch, ganz gleich ob man mit dem Hotelier oder mit Polizisten, mit einem Arzt oder mit einem Euhrmann spricht. Sie alle sind den wirtschaftlichen und seelischen Nöten Europas entflohen, um sich hier unter Gleichgesinnten eine neue allem konfessionellen Haß natürlich, daß auch in Tel-Awiw In Safed Existenz, fernab von zu gründen. Es ist nicht nur Idealisten leben, ein Umstand, der sich realistisch in der Frage der Boden- und Häuserspekulation zeigt. Reine Idealisten sind die deutschen B 1 a u - W e i - ß e n , die ich untertags bei ihrer Arbeit und abends in ihrem Heim besucht habe. Sie machen einen ausgezeichneten Eindruck und produzieren höchste Qualitätsarbeit. Es ist nur bedauerlich, daß sie unter sich wenig hebräisch sprechen; denn dadurch werden sie von der übrigen Masse isoliert und laufen Gefahr, nicht in ihr aufzugehen, was doch schließlich im Interesse eines einheitlichen Judentumes nötig wäre. Ein Ausflug nach Petach-Tikwah brachte mich mit wieder ganz anderen Menschen in Berührung. Zunächst die jüdischen Chauffeure; sie sind ein Kapitel für sich und beweisen mit ihren wagemutigen Fahrten auf den oft schlechten Landstraßen, daß auch Juden sportlich Großes leisten können. Petach-Tikwah macht den Eindruck eines weitangelegten Dorfes, in dem die Pflanzungen teilweise bei den Häusern, teilweise außerhalb des Dorfbezirkes liegen. Die Siedlung treibt Einzelwirtschaft, infolgedessen werden auch Araber zur niederen Hilfeleistung herangezogen. Die Bewohner selbst fühlen sich sehr glücklich und möchten mit niemandem tauschen. Sicher ist, daß diese Art der Bewirtschaftung für den Einzelnen von großem pekuniären Vorteil ist, daß aber der ideale Aufbau des Landes durch die kapitalistische Anordnung einer solchen Siedelung nicht gefördert wird. II Jerusalem Wie ganz anders ist doch der Eindruck, den man hier gewinnt! Schon die Fahrt in das judäische Gebirge stimmt ernst, da auf den Gebirgen so wenig Vegetation ist, daß eine Freude nicht aufkommen kann. Jerusalem bildet den Höhepunkt dieser ern- .i iiii sten Stimmung. Nicht allein ist es die Erinnerung an die geschichtlichen Ereignisse und der Schmerz über die Zerstreuung des Judentumes, die man gerade von dieser Stelle aus wohl am meisten in seinem Innern spürt, sondern ernst wird man durch das Gefühl des stillen Hasses, den die einzelnen Religionen aufeinander haben. Jede Glaubensgemeinschaft — und es gibt deren gar viele in Jerusalem — vermeint das Hauptrecht auf diese heilige Stadt zu haben. So entstehen Gegensätze, die, wenn nicht das englische Militär wäre, vielleicht des öfteren zu blutigen Auseinandersetzungen führen würden. Tief ergriffen steht man an der Klagemauer und wird mitgerissen von den lauten Gebetsrufen der Gläubigen. Gewaltig und eindrucksvoll ist der Anblick des mohammedanischen Felsendomplatzes, in dessen Mitte in prachtvoller Schönheit die Felsendommoschee den Berg Moria bedeckt. Nicht minder eindrucksvoll ist ein Gang durch die Via dolorosa, die Christus nach seiner Verurteilung zum Kreuzestode durch Pilatus von dessen Palast bis Golgatha, seiner Kreuzigungsstätte, gegangen sein soll. Drei Ausflüge führten mich zur Universität und zum Ölberg, zum Toten Meer und nach Hebron. Prachtvoll ist der Blick von der Universität. Zur Linken das tiefblaue Wasser des Toten Meeres, zur Rechten die vielen Kuppeln der Stadt, ■ 4; "■ratv: