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Das jüdische Echo · 1925-07-10 · 28 (10.7.1925) · p. Seite 557

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
28 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
Seite 557 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 557 dischen Deputierten sich in keiner Weise darin binden können, die jeweilige polnische Regierung zu unterstützen. Die Juden sind loyale Bürger der polnischen Republik, es muß aber ihnen überlassen werden, zu bestimmen, wie diese Loyalität aufzufassen und zu üben ist; man kann sich dies von einer zufälligen Regierung nicht vorschreiben und aufzwingen lassen. Die Hitachduth-Vertreter drückten ihr Mißtrauen in dem Willen der gegenwärtigen Regierung, das Abkommen loyal zu erfüllen, aus, auch glauben sie nicht an die Macht der Regierung, die einzelnen Punkte im Sejm durchzusetzen. So z. B. wird die polnische sozialistische Partei sich der Bestimmung, daß die Juden an Sonntagen zwei Stunden ihren Geschäften nachgehen können, widersetzen. Die zionistischen Deputierten Hartglas, Dr. Schipper, Wygodski, Stutschinskyv Rosenblatt und Senator Körner sprachen ebenfalls gegen das Abkommen, gaben aber ihren Widerstand gegen die Ratifizierung auf. Über den Abschluß der Verhandlungen meldet die „W iener Morgenzeitung“ vom 7. Juli: Warschau, 5. Juli. Gestern nachmittags fand in feierlicher Weise beim Ministerpräsidenten G r a b s k i der Abschluß der zwischen der polnischen Regierung und der parlamentarischen Vertretung der Judenschaft geführten Verhandlungen statt. Unter Führung des Obmannes des jüdischen Sejmklubs, Dr. Leon Reich, fand sich eine fünfgliederige Delegation, bestehend aus den Deputierten Schreiber (zionistische Fraktion), Farbstein (Misrachi), Reizes (parteilos), Kirschbraun (Agudah) und Senator T r u s k e r (jüdische Kaufmannschaft), im Ministerratspräsidium ein, wo sie vom Ministerpräsidenten in Anwesenheit des Präsidialsekretärs im Ministerpräsidium empfangen wurde. Deputierter Dr. Reich richtete an den Ministerpräsidenten folgende Ansprache: „Herr Ministerpräsident! Die Repräsentanten der Regierung haben eine Reihe von Verhandlungen mit den Vertretern des jüdischen Klubs gepflogen, welche zu einer Verständigung geführt haben. Infolgedessen spreche ich die Überzeugung aus, daß im Einklang mit der Verfassung die Forderungen der jüdischen Bevölkerung in religiöser, kultureller, politischer und wirtschaftlicher Beziehung werden erfüllt werden, und daß der jüdischen Gesellschaft die Mitarbeit zum Besten und zum Aufblühen des Staates wird ermöglicht werden, welcher allen Kreisen der Bevölkerung und auch den im Staate ansässigen nationalen Minderheiten die Möglichkeit zur Erreichung ihrer berechtigten Forderungen gibt. Der jüdische Klub Stand stets und steht auch jetzt auf dem Standpunkt der polnischen Staatlichkeit und der Unversehrbarkeit der Grenzen der Republik. Im Sinne dieser Grundanschauung wird er seine demokratische Politik weiterführen. Dementsprechend hat der jüdische Klub die Ehre, folgende Deklaration vorzulegen: „Der jüdische Klub, welcher ständig auf dem Standpunkt der Integrität der Grenzen und des Schutzes der Großmachtinteressen Polens sowie der Notwendigkeit einer inneren Konsolidierung steht, stellt fest, daß er auf dem Boden des Sejm in Übereinstimmung mit diesen Prinzipien sowohl seine allgemeine Politik wie auch seine nationale Politik zum Schutze der Rechte und Interessen der jüdischen Bevölkerung führen wird.“ Auf die Ansprache Dr. Reichs erwiderte Ministerpräsident G r a b s k i : „Die Erklärung der Herren nehme ich mit voller Befriedigung entgegegen. Ich meinerseits kann Ihnen die Versicherung geben, daß die Regierung von jüdischer Seite eine Politik im Geiste der Unterstützung in bezug auf die Großmachtinteressen der Republik, der inneren Konsolidierung des Staates- sowie des finanziell-wirtschafU liehen Aufbaues des Lahdes erwartet, und daß die Regierung ihrerseits die größte Aufmerksamkeit den inneren kulturellen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung schenken wird.“ Nach Entgegennahme der Deklaration ergriff der Premier noch einmal das Wort und gab in außerordentlich warmem Tone seiner Genugtuung über die erzielten Vereinbarungen Ausdruck; die Verhältnisse zwischen der polnischen und jüdischen Gesellschaft seien — so fuhr der Premier fort — ungewöhnlich kompliziert, und es sei daher sehr gut, daß zur Lösung des Problems beide Teile, vom guten Willen geleitet, den ersten Schritt getan haben, der, nach der Überzeugung des Ministerpräsidenten, den Beginn einer neuen Aera bedeute. Der Ministerpräsident schloß mit der Versicherung, daß alle Kräfte gemeinschaftlich für die Stärkung des Staates arbeiten, der auch allen seinen Teilen im gleichen Maße dienen soll. Aus dieser Erwägung heraus wird auch die Regierung in allernächster Zeit eine Reihe von Verordnungen ausarbeiten, welche den ersten Schritt zur Erfüllung der jüdischen Bedürfnisse auf kulturellem, politischem und wirtschaftlichem Gebiete darstellen sollen. Nach diesem feierlichen Akt gab der Ministerpräsident den Vertretern der polnischen 'und jüdischen Presse eine Reihe von Erklärungen, denen zu entnehmen ist, daß der ursprünglich vereinbarte Deklarationstext von beiden Seiten geändert ffljzarrven^fchrbBUh&ei Jßzemn^chrvevdßEQl

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