Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 27 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- Seite 547 [546] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 547 gischem Tone gehaltenes Schreiben an Rektor und Senat der Technischen Hochschule zu Hannover gerichtet, in welchem bedauert wird, daß seitens des Lehrkörpers von vornherein nicht energischer auf eine Beruhigung der Studentenschaft in der Angelegenheit des Privatdozenten Theodor Lessing hingewiirkt worden ist. Der Minister fordert, daß der von den Studierenden zur Behandlung der Angelegenheit Lessing eingesetzte Kampfausschuß mit sofortiger Wirkung aufgelöst werde. Nach dem Hinweis auf die fortgesetzte Hetze gegen Lessing, die von Prof. Cranz und Dozenten Müller gebilligt wird, heißt es: „Ich erwarte, daß jede weitere Störung der Vorlesungstätigkeit des Prof. Dr. Lessing unterbleibt. Sollte die Gewähr hierfür und für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung vom Rektor nicht: übernommen werden können, so würde ich milch gezwungen sehen, die Hochschule bis auf weiteres zu schließen.“ Der Kampf um das Borkum-Lied. B e r 1 i n (J.T. A ). Bekanntlich hat der Oberpräsident der Provinz Hannover, N o s k e , gegen die einstweilige Verfügung des Amtsgerichts Emden, nach welcher dem Regierungspräsidenten von Aurich unter Androhung einer Strafe von 10 000 Mk. für den Einzelfall untersagt worden war, die Borkumer Kurkapelle an dem Spielen der antisemitischen Hymne zu behindern, den Kompetenzeinsprucherhoben. Der Fall wird demnächst den zuständigen Gerichtshof beim Preußischen Justizministerium beschäftigen. Der 45. Fleischerverbandstag gegen den Betäubungszwang vor dem Schächten Auf dem 45. deutschen Fleischerverbandstag in Gotha wurde ein, Antrag des Bezirksvereins Sachsen behandelt, bei den gesetzgebenden Körperschaften den Antrag zu stellen,, „daß alle Schlachtungen, einschließlich des Schächtens, ausnahmslos nur nach vorheriger Betäubung erfolgen dürfen.“ Mühlstädt -Zwickau begründete den Antrag ausführlich. Der Verbandsvorsitzende Lamertz gab namens des Vorstandes die folgende Erklärung ab, die gegen wenige Stimmten als bindend angenommen wurde: Es ist traditionell im Verbände, daß er in politischen! und religiösen Sachen sich nicht betätigt. Wir erblicken in dem Schächten, in den rituellen Schlachtungen eine Religionsübung der Israeliten und glauben deshalb, daß ein Verbot des Schächtens hier uns nicht zusteht und auch nicht gegeben wird. Dahingegen glauben wir, daß aus volkswirtschaftlichen Gründen das unnötige Schächten so viel wie irgend möglich eingeschränkt werde. Die Häute werden minderwertig durch das Schächten, weil sie nicht mehr als Maßhäute (Autoleder) gebraucht werden können. Der große Mangel an Blut, das zu Nahrungsmitteln notwendig ist, wird durch das unnötige Schächten herbeigeführt. Wir wollen aber alle religiösen Gebräuche unangetastet sein lassen und uns nicht hineinmischen.“ Die „Fleischer - Verbandszeitung“ (Nr. 143) berichtet über die Behandlung der Schächtfrage im Dresdener Stadtverordnetenkollegium. Für ein Reichs-Denkmal der 12 000 Gefallenen Berlin (J.T.A.). Wie das Organ des B.J.F. „Der S c h i 1 d“ mitteilt, haben die Kameraden E 1 k e 1 e s und Stein an den Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden folgenden Antrag gerichtet: Der Verbandstag wolle beschließen, die notwendigen Schritte zu ergreifen, um die Errichtung eines würdigen Denkmals zur Ehrung der im Weltkrieg gefallenen 12 000 jüdischen Krieger an einer geeigneten Stelle in Deutschland baldigst in die Wege zu leiten. Dr. Josef Breuer gestorben. — Der erste Psycho- Analytiker Wien (J.T.A.). Dieser Tage starb in Wien im Alter von 83 Jahren Dr. Josef Breuer, einer der angesehensten Wiener Ärzte, der sich auch als wissenschaftlicher Forscher einen Namen gemacht hat. Gemeinschaftlich mit Prof. Siegmund Freud hat Breuer grundlegende Studien über die Hysterie publiziert und noch vor Freud Grundlagen für die psycho-analytische Methode geschaffen. Dr. Breuer war viele Jahre hindurch Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde. Personalia Rechtsanwalt Geheimer Justizrat Dr. Frankenburger, seit Jahren Dozent und Titularprofessor für bürgerliches Recht und Handelsrecht an der ehemaligen Handelshochschule und Technischen Hochschule, wirtschafts-wissenschaftliche Abteilung in Münchens wurde nunmehr zum Honorarprofessor an der Technischen Hochschule ernannt. Gemeinden-u. Vereins-Echo München. Hebräische Sprachschule. Dienstag, 7. Juli, abends 7.30 Uhr im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog Maxstr. 5: Vortrag des Herrn Dr. Max Mayer über „Das Studium der hebräischen Sprache“ mit anschließender Aussprache. Eingeladen sind besonders die Teilnehmer an den hebräischen Kursen sowie alle, die für das Problem der Erlernung der hebräischen Sprache Interesse haben. Gastspiel Sakaschansky-Lehmann. Dem Jüdischen Kulturverein J. L. Perez, der schon eine Reihe von großzügigen, modernen, jüdischen Kunstabenden zu arrangieren verstanden hat, ist es gelungen, den berühmten jüdischen Schauspieler und Sänger M. Sakaschansky aus Zürich und die beliebte Künstlerin Henny Lehmann aus Berlin für eine große Abendvorstellung zu gewinnen. Dem Münchner Publikum ist Gelegenheit geboten, sich von dem Künstler in die Welt der jüdischen Musik auf ganz originelle Art einführen zu lassen. Wer die Persönlichkeit Sakaschanskys einmal kennen gelernt hat, dem wird sie unvergessen bleiben. Der Vorstand. Wir verweisen auf das Inserat der heutigen Nummter. Jüd. Kulturverein J. L. Perez, München. Ein jüdischer Liederabend ist in München ein besonderes Ereignis. Nicht etwa weil wenig Juden hier wohnen, sondern weil es jeder jüdische Künstler vorzieht, eine Stadt (auch wenn sie bedeutend weniger jüdische Seelen zählt als München) zu besuchen, in welcher er auf Interesse der nationaljüdischen Organisationen oder des Publikums rechnen darf. Daß diese Voraussetzungen in unserer „kunstliebenden“ Stadt gegeben wären, wird wohl kein Kenner der hiesigen Verhältnisse behaupten.