Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-07-03 · 27 (3.7.1925) · p. Seite 544

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
27 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
Seite 544 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9155709--06929-9079646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

544 Das Jüdische Echo Nr. 27 haltens der Anhänger Naumanns von besonderer Bedeutung. Er verurteilte unter allgemeinem Beifall der Anwesenden das Auftreten des „Verbandes“, der sich ganz zu Unrecht und ohne jede Aktivlegitimation als Vertreter des deutschen Judentums aufspielt. Die Ereignisse der letzten Zeit hätten genügend bewiesen, daß die deutschen Juden ohne Aufgabe ihrer positiven Stellungnahme zu deutschen Belangen durchaus das Gesamtinteresse des Judentums, insonderheit in der Frage der Palästinaförderung zu wahren willens sind. Im Schlußwort betonte der Vorsitzende der Versammlung, Herr Dr. Eli Straus, daß seitens der Zionisten niemals ein Zweifel gelassen wurde, daß bei aller Hingabe an die jüdischen Aufgaben jeder Einzelne seine Verwachsenheit mit dem Lande seiner Geburt in jeder Hinsicht betätigen könne. Da aber gerade in der heutigen Zeit das innere Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Judenheit so sehr ins Wanken geraten ist, ist es doppelt notwendig, daß die Betonung des jüdischen Gemeinschaftsgeistes niemals untergehe. Seine warmherzigen Ausführungen verstärkten in allen Zuhörern das Gefühl, daß eine Brücke zwischen Juden auch verschiedener politischer Auffassungen wenigstens für das Hauptziel, die Erhaltung des Gesamtjudentums, ohne Schwierigkeiten geschlagen werden kann. Der Verlauf der Versammlung bewies, daß bei Objektivität in der Betrachtung jüdischer Zeitfragen eine Aussprache durchaus möglich ist und daß eine solche Sachlichkeit der Darstellung auch dem Wunsche eines großen Teiles der jüdischen Gesellschaft durchaus entspricht. Wir können nur wünschen, daß derartige Gelegenheiten zur Aussprache auch über speziellere Fragen des allgemeinen wie des Gemeindelebens des öfteren gegeben werden und glauben, daß sie zur Annäherung der zu positiver Mitarbeit geneigten Elemente führen und darüber hinaus die Allgemeinheit zu einer Verlebendigung des jüdischen Gefühls bringen wird. Z’bi. Katastrophen auf dem Berliner Zeitungsmarkt Völkisches Urteil über die deutsch-nationale Presse — Folgen des Stinnes-Zusammenbruches Der „Völkische Beobachter“ (Nr. 60 v. 9. 6.) erhält von seinem Berliner Sonderberichterstatter eine sehr interessante Schilderung über die „K a - t a s t r o p h e n auf dem Berliner Z e i - tungsmark t“. Er klagt zunächst darüber, „daß heute nur Juda und die großen Zeitungstruste imstande sind, ihre Blätter aufrecht zu erhalten, weil hinter ihnen nicht nur eine Kapitalkraft und ein Wille zur Herrschaft steht, sondern weil sie auch über Fachleute in jeder Beziehung verfügen, tüchtige Journalisten, großzügige Beklameleute, umsichtige Organisatoren und Kaufleute, die ihnen für Geld natürlich in jeder Anzahl zur Verfügung stehen.“ Es wird dann der bürgerlichen Rechtspresse sträflicher Leichtsinn vorgeworfen, denn es wären Zeitungen begründet, hezw. übernommen worden von Leuten, die auf zeitungstechnischem und journalistischem Gebiet geradezu Analphabeten wären. „Man rechnete nur mit der Gesinnungstiichtigkeit der Leser, mit ihrer Nachsicht gegenüber dem minderwertigen Zeug, das man Zeitung nannte und wenns gar schlimm wurde, mit der Opferwilligkeit der Leser. Man dachte nicht an tüchtige Fachleute und Organisatoren, man verschmähte eine richtige, moderne Leitung und Aufmachung, man wurstelte auf eine Art los, über die Reklame- und wirkliche Zeitungsleule sich krank lachten und man begriff nicht, wenn über kurz oder lang der Karren im Dreck saß, daß es die eigene Unfähigkeit gewesen war, die mit dem guten Willen der Leser, ihrer Geduld und Nachsicht, ihrer Gesinnung und Opferwilligkeit Schindluder getrieben hatte.“ Im Aufsatz wird dann geschildert, wie der „Polyp S t i n n e s seine Saugarme ausstreckte“ und die „Tägliche Rund-scha u“ verschlang, sie mit der ihm schon gehörenden „Deutschen A 11 g e me inen Z e i I u n g“ verschmolz. Einige gute Leute und Mitarbeiter aus der Glanzzeit der „Täglichen Rundschau“ hätten Ende 1924 das alte Blatt von Stinnes für 20 000 Mk. wieder zurückgekauft. Er kommt dann auf Stresemanns Gründung der „Z e i t“ zu sprechen. Er schildert deren Propagandamittel, die in der Hauptsache darin beständen, eine Anzahl Straßenhändler in Berlin und anderen Städten anzuwerben, ihnen „knallgelbe, nachttopfähnliche Mützen auf die meist nicht sehr intelligenten Köpfe zu setzen und sie „die Zeit“ ausrufen zu lassen“. Ferner wird die Gründung der „Nationalpost“ geschildert und „festgestellt“, daß schon nach einigen Wochen die unfähige Leitung aus der Zeitung nichts mehr zu machen wußte, vielmehr die Wähler ruhig ihre „jüdische“ Morgenpost oder ihren „unparteiischen Lokalanzeiger“ weiterlasen. Jetzt habe der Krach im Stinneskonzern auch das Ende der ,,D eutschen Allgemeinen Zeitung“ in bedenkliche Nähe gerückt. „So zeigen die bürgerlichen Rechtskreise mit genügender Deutlichkeit, daß ihnen jegliche Fähigkeit abgeht, halbwegs» anständige Zeitungen herauszubringen und — zu halten. Sie müssen das Feld der Ullstein- und Mossepresse überlassen, sofern ihre Anhänger nicht den Scherlblättern wieder Zuströmen, die in den letzten Monaten in Bezug auf vaterländische Einstellung immerhin tatkräftiger und mutiger geworden sind — trotz mancher jüdischer Redakteure und Mitarbeiter, von denen sich der Scherl-Verlag immer noch nicht befreien kann.“ Zum Schluß heißt es dann wörtlich: „der wirklich völkische und nationalsozialistische Zeitungsleser in Berlin hat kein Lokalblatt, das seiner Gesinnung Rechnung trägt. Er hält zwar seinen „Völkischen Beobachter“, aber er muß schließlich doch noch ein Berliner Blatt lesen, um zu wissen, was in Berlin los ist. Die Händler, die in Berlin den Völkischen Beobachter verkaufen, werden ihn, trotzdem er teurer als die Berliner Zeitungen ist, reißend los. Nur ein Blatt mit der Tendenz des „Völkischen Beobachters“ könnte heute in Berlin die Massen aller jener Nationalgesinnten erobern, die bisher die Opfer von leichtfertigen Zeitungsgründungen geworden sind. Ungezählte Tausende sind für solche Gründungen geopfert worden — und Juda lachte dazu! Ist es möglich, daß für alle diese Enttäuschungen der „Völkische Beobachter“ mit einer Berliner Ausgabe die langersehnte Rettung aus geistiger Not bringen kann?“ Kauft bei den Inserenten des „Jüdischen Echo“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.