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Das jüdische Echo · 1925-07-03 · 27 (3.7.1925) · p. Seite 543

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
27 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
Seite 543 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 543 Das Jüdische Echo wirken wird, eröffnen sich für die zionistische Veranlagungspolitik weite Perspektiven. Dem Jüdischen Nationalfonds wird weiter zugesichert, daß aus den von ihm empfohlenen Organen in allen Ländern eigene Versicherungsabteilungen durch den Phönix aufgebaut werden, welche sich neben dem Abschluß von Versicherungsverträgen der zionistischen Propaganda widrigen werden. Diese „Versiicherungsabteilungen des Jüdischen Nationalfonds“ mit ihrem Apparat von Organisations- und Akquisitionsbeamten sollen nun — und dies gibt dem Rahmenvertrag die große Linie — den Grundstock für die künftige, weltumspannende jüdische Lebensversicherungsgesellschaft bilden, welche als Gründung der Zionistischen Organisation seit jeher in Aussicht genommen war. Der „Phönix“ verpflichtet sich schon heute, die Rückversicherung jener Gesellschaft zu übernehmen. Das Nationalfonds-Hauptbüro geht nun daran, diesen Rahmenvertrag in allen Ländern ins Leben einzuführen. Schon hat er eigene Versicherungsabteilungen in der Tschechoslowakei und in Österreich eingerichtet, welche Abschlüsse von mehreren hunderttausend Pfund Versicherungssumme erzielten. Nun soll auch Deutsch^ 1 a n d nachfolgen. In Bayern, Württemberg, Baden und Hessen arbeitet der „Phönix“ schon seit 36 Jahren und hat es verstanden, sich hier einen großen, stetig wachsenden Kundenstock zu sichern; kürzlich hat die Direktion des „Phönix“ für das Deutsche Reich (München, Giselastraße 21) ihre Tätigkeit auf das Saargebiet ausgedehnt und bemüht sich, nun auch Norddeutschland in ihr Wirkungsbereich einzubeziehen. Die Errichtung einer Versicherungsabteilung des Jüdischen Nationalfonds, welche ihren Sitz vorläufig in München nehmen dürfte, steht unmittelbar bevor. „Deutschtum und Judentum66 Eine öffentliche Aussprache. Versammlung der Zionistischen Ortsgruppe München. Die für Donnerstag, 25. Juli einberufene Versammlung mit dem Thema: „Deutschenhaß, Judenhaß und Zukunf t“, fand erfreulich starken Besuch. Der Museumsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und es konnte eine ansehnliche Reihe von bekannten Persönlichkeiten und Mitarbeitern an den Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde unter den Anwesenden festgestellt werden. Der Vortragende, Herr Dr. Alfred Perlmutt e r legte in geistvollen und schlaglichtartig die augenblicklichen Verhältnisse im deutschen Judentum beleuchtenden Ausführungen dar, wie zuerst aus dem mittelalterlichen Ghetto der Geist des deutschen Juden herausdrängte zur Beteiligung an der Kultur des ihn umgebenden Volkes, wie er mit voller Hingabe seiner Seele Anteil nahm an dem äußeren und inneren Geschehen im» Leben des deutschen Volkes. Wohl büßte er die innere Einheit und Ungebrochenheit seiner jüdischen Einstellung ein, er gab sie aber unter dem Gesichtspunkte der erstrebten Gleichberechtigung auf in der Hoffnung, eine Erweiterung seines Menschentums damit zu erreichen. Obschon das selbst im günstigsten Falle der Eigenart des Juden nicht gerecht werdende Verhalten der Umwelt ihn das Ziel nicht erreichen ließ, verfolgte er mit voller Hingabe und echter Liebe zum deutschen Vaterlande die ihm vorschwebende Synthese. Dabei ging ihm allerdings sein Ausgangspunkt, die Echtheit und Selbstverständlichkeit des jüdischen Gefühls, immer mehr verloren. Ja, es kam in unseren Tagen so weit, daß diese, für einen objektiven Nichtjuden selbstverständlichen Prämisse von Juden selbst als tadelnswert bezeichnet wurden. Der Judenhaß im deutschen Volke, der mit zunehmender Stärke seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Juden nicht nur zu einer Verteidigung ihrer Stellung nach außen, sondern auch zu einer inneren Entscheidung drängt, hat im Zusammenhang mit der oben dargelegten Entwicklung im deutschen Judentum eine Richtung groß werden lassen, die glaubt durch eine besondere Betonung ihres nationaldeutschen Charakters das jüdische Wesen nicht nur in sich selbst unterdrücken, sondern auch dessen Bejahung den Artgenossen zum Vorwurf machen zu müssen. An zwei wichtigen Fragen stellte der Redner das für die jüdische Gesamtheit verderbliche Treiben des N a u m a n n’schen Verbandes vor Augen. So widersinnig es auch erscheinen mag, so kämpft dieser Verband doch mit größter Heftigkeit, die sogar jede gebotene Rücksichtnahme auf die politische Auswirkung vermissen läßt, sowohl gegen die Bestrebungen innerhalb des deutschen Judentums, die verfolgten, durch die Kriegs¬ und Nachkriegsereignisse zu einer Einwanderung nach Deutschland gezwungenen Ostjuden vor ungerechten, in ihrer Verallgemeinerung aus menschlichen wie aus jüdischen Gründen verurteilenswerten, Leben und Gut bedrohenden Angriffen zu schützen, wie andererseits gegen das ebenfalls weite Kreise des deutschen Judentums erfassende Bestreben, durch das Palästinaaufbauwerk die bedrohten Juden in sichere Verhältnisse zu überführen und gleichzeitig der Welt das Bild vom eigenen Schaffen des Juden zu bieten. Das lebende Judentum, das die ganze Gemeinschaft — mit welcher Bezeichnung man sie auch belegen mag — umfaßt, geht über derartige Erscheinungen hinweg. Gerade die Einigung zu einem aufbauenden Werke ist Symbol des Gemeinschaftswillens. Damit wird der Judenhaß, vor allem innerlich, überwunden werden. Den Ausführungen, die durch lebendige Beispiele die Zuhörer fesselten, lohnte reichlicher Beifall, der bewies, daß die Versammlung, die alle am Judentum interessierten Lager umfaßte, den Einheitswillen des Redners teilten. In der Diskussion nahm Herr Dr. Friedr. Freudenreich zu den auch von ihm begrüßten Darlegungen des Redners Stellung. Die Synthese zwischen deutschem Kulturzugehörigkeitsgefühl und jüdischem Gemeinschaftsgeist, die besonders symptomatisch sei für eine von Zionisten einberufene Versammlung, stellt auch er als Ziel auf. Da er aus eigener Erfahrung über das Verhalten der Angehörigen des Verbandes nationaldeutscher Juden Auskunft zu geben vermochte, war, gerade bei seiner ausdrücklichen Ablehnung des Zionismus, seine Geisselung des anmaßenden, ihrer inneren wie äußeren Bedeutung keineswegs entsprechenden Ver- Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel. 20542 Ledererstr. 12

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