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Das jüdische Echo · 1925-07-03 · 27 (3.7.1925) · p. Seite 541

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
27 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 541 System der Heimlichkeit, in dem sie nur einen neuerlichen Versuch der polnischen Regierung erblickten, die Juden hinzuhalten, sie von ihren Bundesgenossen, den anderen nationalen Minderheiten, zu trennen und ihnen schließlich nur in belanglosen Dingen entgegenzukommen. Gegen alle Erwartungen scheinen die polnischjüdischen Verhandlungen in Warschau doch ein günstiges Resultat gezeitigt zu haben. Nach den bisherigen Mitteilungen ist die polnische Regierung den Wünschen der Juden in wichtigen Punkten entgegengekommen. Das schändliche Konzessionsgesetz für Monopolwaren, das erst vor zwei Wochen vom Sejm angenommen wurde und 35 000 jüdischen Familien die Existenzmöglichkeit nahm, soll erst nach fünf Jahren zur Anwendung gelangen. Alle jüdischen Schulen, einerlei ob ihre Unterrichtssprache jüdisch, polnisch oder hebräisch ist, erhalten Öffentlichkeitsrecht und demgemäß staatliche Subvention. Der bisher geübte numerus clausus soll aufgehoben werden. Die entlassenen jüdischen Staatsbeamten werden wieder in den Staatsdienst aufgenommen, und der Gebrauch der jüdischen Umgangssprache in öffentlichen Versammlungen wird gestattet. Allerdings ist zu bemerken, daß es in Polen, wie in allen Ländern, mehr auf die Verwaltung als auf die Gesetzgebung ankommt. Es wird darum die unablässige Sorge der jüdischen Vertreter sein müssen, darauf zu achten, daß die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen und zu erlassenden Verordnungen hinsichtlich der Juden tatsächlich respektiert werden. M. W, Warschau (J.T.A.). Die Unterhandlungen zwischen der polnischen Regierung und der parlamentarischen Vertretung der Juden sind heute, den 24. Juni, zu eitlem günstigen Abschluß gelangt, Über das Resultat der Verhandlungen wird bis zur Abfassung des Protokolls Stillschweigen bewahrt. Doch wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Die Regierung hat sich zu folgendem bereit erklärt: 1. Die Verordnung, wonach in den jüdischen Gemeinden die polnische Sprache als Geschäftssprache und als Verhandlungssprache bei den Tagungen der Ratsmitglieder zu gelten habe, wird aufgehoben. 2. Es wird eine Verordnung betreffend der selbständigen Funktion der jüdischen Gemeinden vorbereitet. 3. Die jüdischen Privatschulen mit polnischer, jiddischer und hebräischer Unterrichtssprache erhalten Öffentlichkeitsrecht. 4. Die jüdischen Kaufleute erhalten gleich den nichtjüdischen Staatskredite. 5. In die polnische Staatsbank werden jüdische Vertreter als Aufsichtsratsmitglieder aufgenommen. 6. Die Gültigkeit des vom Sejm angenommenen Gesetzes betreffend Revision der Handelskonzessionen für Monopolwaren wird für fünf Jahre hinausgeschoben. 7. Das Geheimzirkular des früheren Unterrichtsministers an die Universitäten und Hochschulen betreffend die Einführung des praktischen Numerus clausus wird annulliert. 8. Die entlassenen jüdischen Staatsbeamten werden wieder angestellt. 9. Der jüdische Parlamentsklub überreicht eine Liste zurückgesetzter jüdischer Gerichtsaspiranten, die der Justizminister akzeptiert. 10. Beim Unterrichtsministerium wird ein Departement für jüdisches Schulwesen geschaffen. Es war nicht möglich, heute festzustellen, ob diese Mitteilungen richtig sind. Der polnische Außenminister Skrzynski reist dieser Tage nach Amerika, um die polnischen Anleiheverhandlungen fortzuführen. Warschau (J.T.A.). Der Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren hielt am 25. Juni eine Sitzung ab, in der die Ratifizierung des Abkommens zwischen der Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung auf der Tagesordnung stand. Die Sitzung verlief sehr bewegt, indem eine Anzahl Deputierter ihre Unzufriedenheit mit dem Abkommen äußerten. An der Debatte beteiligten sich insbesondere die Zionisten Oberrabbiner Dr. Thon, Dr. Wigodsky, Dr. Reizes, der Misrachist Dr. Farbstein, der Vertreter der Zionistischen Arbeitspartei Hitachdut Heller, der Agudist Rabbiner Lew in und der Vertreter des Jüdischen kaufm. Verbandes Senator Dr. T r u s k e r. Es konnte in dieser Sitzung noch kein Beschluß gefaßt werden. Eine zweite Sitzung wurde anberaumt. Warschau (J.T.A.). Der polnische Außenminister Skrzynski, der im Namen der Regierung die Einigungsverhandlungen mit den jüdischen Parlamentariern geführt hat, begibt sich Anfang Juli nach den Vereinigten Staaten, um die Durchführung der polnischen Anleihe vorzubereiten. Das Organ des „Bund“, die täglich erscheinende „Volkszeitung“, teilt hierzu mit, daß Skrzynski von einem jüdischen Parlamentarier begleitet werden wird. Die Anwesenheit eines jüdischen Parlamentariers in Amerika würde die dortige Öffentlichkeit — so meint das bundistische Organ — davon überzeugen, daß Polen seine antijüdische Politik geändert hat; die Verhandlungen mit den jüdischen Finanzkreisen würden dadurch glatter vor sich gehen. Bayer. Vereinsbank W München-Nürnberg Gegründet 1869 Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns Besondere Einrichtungen für den Fremdenverkehr Ausstellung von Kreditbriefen auf Reichsmark und ausländische Währungen Moderne Stahlkammeranlage zur vorübergehenden Aufbewahrung von Wertgegenständen

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