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Das jüdische Echo · 1925-06-26 · 26 (26.6.1925) · p. Seite 525

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
26 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
Seite 525 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 25 5>5 Das Jüdische Echo Ländern, wahrscheinlich auch in Palästina, bestimmt seien, daß aber der größte Teil dieser Fonds der Arbeit in Rußland, wo die Not am größten ist, verwendet werden würden. New York (J.T.A.). Der dieser Tage von seiner Reise durch Palästina und Rußland nach New York zurückgekehrte Philanlrop Mr. David A. B r o wn gab dem J.T.A.-Vertreter eine Schilderung der Wirtschaftslage der russischen Judenheit, die er als trostlos bezeichnete. Da eine Auswanderung wegen der Sperre der Immigrationsländer unmöglich ist, bleibt als einzige Rettung die innere Kolonisation. Mr. Brown sagte, er übernehme mit Freude die ihm vom Joint Distribution Committee übertragene Aufgabe, die Kampagne für die in den nächsten drei Jahren aufzubringenden fünfzehn Millionen Dollar für die jüdische Kolonisation in Rußland zu leiten. Mr. Brown schildert voll Enthusiasmus das Lehen der neuen jüdischen Siedler in Rußland und führt aus: Man muß selber in Rußland geweilt haben, um die tiefe Bedeutung der Kolonisationsbewegung unter der russischen Judenheit würdigen zu können. Mag sich die allgemeine Lage in Rußland gebessert haben, Tatsache ist, daß die Mehrheit der Juden in Rußland hoffnungslos ruiniert ist. Für die jüdischen Stadtbewohner besteht keine Aussicht, je ihre wirtschaftliche Position wieder zu erlangen. Der freie Handel ist und bleibt behindert. Einzig die innere Kolonisation kann das wirtschaftliche Problem der russischen Judenheit lösen. Wenn auch nur ein Teil der jüdischen Stadtbewohner aufs Land zieht, so wird sich die Lage der Zurückgebliebenen verbessern. In Rußland blickt man voll Hoffnung auf die Arbeit des Joint Distribution Committee, mit dessen Hilfe die ersten 4000 jüdischen Familien bereits auf dem Lande angesiedelt worden sind. Es liegen aber Gesuche von weiteren 25 000 Familien vor, man schätzt, daß bis Ende dieses Jahres sogar 100 000 jüdische Familien in die Gesuchslisten eingetragen sein werden. Die amerikanische Judenheit wird den Hauptanteil der Kosten für die Ansiedlung dieser 100 000 Familien auf sich nehmen müssen. Die russische Regierung fördert die Bewegung für die Landansiedlung durch Zuteilung von Boden, jedoch die nötigen Fonds müssen in Amerika gesammelt werden. Unbegründet ist die Furcht, daß diese Kolonisationsarbeit eine antisemitische Bewegung unter der russischen Bauernschaft hervorrufen könnte. Die jüdischen Siedler leben im besten Einvernehmen mit ihren russischen Nachbarn. Joint hat in Rußland, wo es nötig war, auch russische Bauern unterstützt, die in der Nachbarschaft jüdischer Siedlungen leben. Sollten die Tore Palästinas offen stehen, sagte Mr. Brown, so würden z w e i f e 1 - 1 o s 80% der jüdischen Bevölkerung Sowjet-Rußlands nach Palästina geh e"n wolle n. Die russische Regierung wird einer Palästina-Wanderung nicht im Wege stehen. Leider kann Palästina diese Masse heute noch nicht aufnehmen. Ich habe zuletzt in Paris mit dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmann das russische Judenproblem diskutiert. Dr. Weizmann versprach, das mögliche zu tun, um einer Judenwanderung aus Rußland nach Palästina die Wege zu ebnen. Herr Brown schloß: Was ich in Palästina gesehen habe, h at mich überwältigt. Es waren beglückende Eindrücke und Erlebnisse. Abgesehen von Palästina ist aber für die amerikanische Judenheit das dringendste Problem, den Juden in Rußland zu helfen. Meine Tätigkeit für die Joint-Kainpagne wird meine Arbeit für den Keren Hajessod und die anderen zionistischen Institutionen nicht vermindern. Mitte Juni gehe ich an die Arbeit. Der Fetisch der Substanz Nachstehende Betrachtungen zum Zusammenbruch S t i n n e s entnehmen wir der ,,W i e n e r Morgen-Zeitung“: Als Hugo Stinnes auf der Höhe seiner Macht stand, wurde von den deutschen Antisemiten mit Vorliebe auf seine spezifische wirtschaftliche Betätigung verwiesen. Sie betonen, daß Stinnes förmlich den arischen Gedanken des Strebens nach der Materie verkörpere. Er habe nur nach der Substanz gestrebt und deswegen, weil er ein bodenständiges Industrieunternehmen nach dem anderen seinem Wirtschaftsgebilde angekoppell, deswegen, weil er sich von finanziellen Kombinationen ferngehalten habe, deswegen sei sein Konzerngebilde von bleibendem Wert. Es waren Gedanken, die in gewisser Hinsicht auf den Fanatiker Ford zurückzuführen sind, der doch ebenfalls dem Antisemitismus ungeheure Mengen von Rüstzeug geliefert hat. Stinnes war nach Ansicht der Hakenkreuzler derjenige, der seine enge Verbindung mit der Scholle in der Produktion zum Ausdruck bringe. Sie hohen dies besonders hervor, um den Gegensatz gegenüber der jüdischen Wirtschaft hervorzuhehen, die sich angeblich mehr auf das Finanzielle verlege, bei der die Substanz nur eine untergeordnete Rolle spiele und nur der Profit auf Grund der kommerziellen Kombinationen die Hauptsache sei. Es soll hier nicht betont werden, daß diese antisemitische Behauptung vollkommen falsch ist, daß jüdische Mentalität den Wert der Substanz sehr hoch zu schätzen weiß. Gerade das Beispiel des von den Hakenkreuzlern so stark angefeindeten Rathen a u zeigt dies, dessen Vater das gewaltige, fest fundierte Gebäude eines ungeheuren Elektrizitätsgebildes geschaffen und der sich selbst in seiner wirtschaftlich-praktischen Betätigung fern von jeder Ideologie hielt und der Materie jederzeit die ihr gebührende Rolle einräumte. Doch die Antisemiten wollten damit in erster Reihe auf gewisse jüdische Finanzgrößen hetzen, deren Wurzeln in der Finanz fest verankert sind. Sie haben auf den „jüdischen Kapitalismus“ hingewiesen, der angeblich mehr in der Erfassung des Kapitals und in seiner finanziellen Verwertung als in der wahrhaften Produktion seine Aufgabe sehe. Für sie war Hugo Stinnes das S y m b o 1 , das im Gegensatz dazu nur in der Substanz wurzelte. Stinnes seihst war!.on der Richtigkeit dieser Lobhudeleien auf seine Taktik so überzeugt, ja förmlich durchdrungen, daß er in diesem Sinne fortwirkte und, statt die Gesetze der Finanz genau zu beobachten, statt den finanziellen Untergrund seiner Unternehmungen ernstlich zu prüfen und ihre finanzielle Konzeption zu erfassen, immer nur wahllos die Substanz häufte. Er hat wohl im Verlaufe seiner Aktionen zu einzelnen Banken Beziehungen angeknüpft, doch hat er die wirklichen Potenzen der deutschen Finanz links liegen lassen. Er hat sich nur kleine Banken botmäßig gemacht und dies nur deswegen, damit sie ihm förmlich zu seinem Substanzgebilde den Zucker lieferten. Als substantielle Fundamente hat er sie nie betrachtet. Man könnte Stinnes als den „Fanatiker der Substanz“ ansehen, wie er gerade von der modernen wirtschafts-antisemitischen Theorie gepredigt wird.

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