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Das jüdische Echo · 1925-06-26 · 26 (26.6.1925) · p. Seite 524

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
26 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
Seite 524 (sequence 12)
Language
German
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524 Das Jüdische Echo Nr. 26 für das gesamte Sowjet-Rußland sein muß, für alle seine Arbeiter und alle seine Völker“. III. Viel einfacher ist es mit den Feiertagen. Hier ist die Sache sonnenklar: die Feiertage sind von der jüdischen Bourgeoisie in ihrem Klasseninteresse ersonnen worden. Und gegen die Feiertage wird ein unerbittlicher Feldzug geführt. Am Versöhnungstage („Jom-Kippur) werden Festmahle und Tanzabende veranstaltet, am Pessach — „chomezdige“ Abendessen. Die kommunistische Jugend wird für jede Beteiligung an den Festgebräuchen auf das strengste verfolgt. In Winnitza ist gegen einige junge Arbeiter ein spezielles Gericht abgehalten wo' n, weil sie an einem „Seder“ teilgenommen n. In derselben Stadt hat man öffentlich, in A. vesenheit eines zahlreichen christlichen Publikums, einige jüdische Kommunisten „gerichtet“, die schon ein ganz großes Verbrechen begangen hatten: sie haben am Pessach neue Kleider angezogen . . . Und in Witebsk wurden 20 Kommunisten wegen eines noch eigenartigeren Vergehens vor ein Parteigericht gestellt: sie haben bei sich zu Hause Mazzoth backen helfen . . . Sehr wenig Umstände machen die jewsektischen „Gottesstürmer“ mit den Synagogen. Ihr Schicksal ist besiegelt. In Charkow hat eine Versammlung von 1500 Studenten der Arbeiteruniversität ohne weiteres beschlossen, alle jüdischen Bethäuser zu requirieren. In Moskau hat eine Versammlung von Arbeitern der 26. Fabrik in heller Empörung konstatiert, daß „der jüdische Klerikalismus, der aus Minsk vertrieben wurde, nach Moskau übersiedelt ist“, sodaß man in den letzten „jomim noroim“ (Hohe Feiertage) für einen „Maftir“ bis zu 10 Milliarden gezahlt hat; man müsse darum die Chorsynagoge, „den Herd des Klerikalismus“, der jüdischen Gemeinde fortnehmen. Dieses Attentat auf die älteste Synagoge Moskaus ist zwar mißlungen. In Tschernigow und Winnitza haben die lokalen Sowjets den „Arbeitern“ die Hauptsynagogen bereits übergeben. In Hornel hat der Sowjet beschlossen, „infolge der herrschenden Wohnungsnot“ ein Drittel aller Kirchen und Synagogen zu schließen und die Gebäude „allgemeinnützlichen Zwecken“ zu übergeben. Auf Grund dieses Beschlusses sind 31 Synagogen und Kirchen geschlossen worden. In Odessa ist die schöne historische „Broder“-Synagoge in einen Arbeiterklub verwandelt worden. In allen Städten des Kaukasus sind je eine Synagoge beschlagnahmt worden. Der jüdische Gott wird aus allen seinen Festungen verdrängt. Von den Synagogen bis zu den Rabbinern ist ein Schritt. Die Synagogen werden geschlossen und die Rabbiner, diese „Statthalter Gottes auf Erden“ — nach der Terminologie der „Jewsektia“ — werden eingesperrt; da man doch den Herrgptt selbst nicht einsperren kann . . . Verhaftungen werden unter verschiedensten Vorwänden vorgenommen. Der Rabbiner Barischansky brachte 7 Monate im Gefängnis zu, weil er auf einer sögetEINACHEiTHiRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weitruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Genera’depot: EDUARD KÜHLES I MÜNCHEN LEDERERSTRASSE 12 TELEPHON 20542 nannten „unparteiischen Arbeiterkonferenz“ gegen den antireligiösen Feldzug der „Jewsektia“ auftrat. Der Rabbiner Schneersohn in Hornel wurde verhaftet wegen einer „ungesetzlichen Ausübung von Geriichtsfunktionen“, er hat an einem religiösen Gericht („Din-Thora“) teilgenommen. Der Rabbiner von; Petrograd, Dr. Eisenstadt, wurde seinerzeit wegen einer „Verletzung des Gesetzes über Trennung von Staat und Kirche“ verhaftet usw. Daß die Bibel, die hebräische Sprache, der Cheder verfolgt werden, — weiß jeder. Das alles hat ja mit Gott zu tun. Gott aber ist der Feind. Man kann ihn ungestört, mit allen Mitteln der Staatsmacht, bekämpfen. Dieser klägliche, wahnsinnige, unnütze Kampf, diese schändliche Parodie auf’s „Gottesstürmertum“, geht unaufhörlich vor sich. Die niedergeschlagene, ausgehungerte, machtlose jüdische Masse erleidet geduldig alles, — nur selten und vereinzelt (Krementschug, Charkow) brach mit elementarer Gewalt die Empörung aus. Und der jewsektische „Ham“ „bekämpft Gott“, bestürmt den Himmel, — unter dem Schutze der „roten Bajonette“. Ein grauenvoll abscheuliches Bild ... Dr. J. Schechtmann. Joint-Tätigkeit n Rufiland A00 000 Rubel des Agro-Joint. Der wirtschaftliche Ruin der russischen Judenheit. — 80 Prozent Auswanderungswillige — Innenkolonisation die einzige Rettung. Der gegenwärtig in Rußland weilende europäische Direktor des Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, hielt am 4. Juni eine Beratungmit Vertretern verschiedener Gruppen der Moskauer Judenheit ab, der auch Dr. Joseph Rosen beiwohnte. Erörtert wurden die Fragen der neuen jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation, die Methoden der Finanzhilfe für diejenigen Schichten, die sich der Landwirtschaft nicht widmen können, und andere finanzielle und soziale Fragen. Einstimmig kam zum Ausdruck, daß der jüdischen Kolonisationsbewegung in Rußland eine große historische Bedeutung beizumessen sei, wobei aber nicht vergessen werden dürfe, daß weite Schichten der jüdischen Bevölkerung in Rußland, die sich der Landwirtschaft nicht widmen können, in schwerer Not sind und der Unterstützung bedürfen. Nach Schluß des Meinungsaustauschs informierten die Herren Dr. Kahn und Dr. Rosen die Anwesenden dahin, daß das Joint Distribution Committee, das sich nun der Förderung der jüdischen Kolonisationsbewegung widmen will, die Hilfsarbeit auf anderen Gebieten keineswegs vernachlässigen werde. So z. B. beabsichtigt Joint, im Kontakt mit verschiedenen lokalen Organisationen eine Aktion für die jüdischen Handwerker in die Wege zu leiten. Dieselben sollen mit Werkzeugen, Rohstoffen usw. versorgt werden. Ebenso wird Joint die medizinische und sanitäre Hilfstätigkeit der Gesellschaft „OSE“ weiter finanzieren. Joint wird auch das Kinderhilfswerk in die Wege leiten und — wenn im Zusammenhang mit der neuen Wirtschaftspolitik der Sowjet-Union die Lage der Kleinhändler aussichtsreicher werden wird — eine Darlehensaktion auf kooperativer Grundlage organisieren, um den Kleinhändlern zu ermöglichen, ihre Geschäfte weiterzuführen. Die beiden Jointdirektoren erklärten zum Schluß, daß die vom Joint Distribution Committee gesammelten Fonds zwar für Aufbau- und Hilfsarbeit in vielen

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