Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- Seite 522 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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522 Das Jüdische Echo Nr. 26 gen polnischen Regierungen haben mit unbeugsamer Rücksichtslosigkeit alles getan, um die Lage der jüdischen Minderheit in Polen zu erschweren und ihre Existenzmöglichkeit einzuengen. In kultureller Hinsicht finden die Bedürfnisse der Juden seitens des polnischen Staates nicht die geringste Unterstützung. In wirtschaftlicher Hinsicht ist die gesamte Gesetzgebung darauf gerichtet, die Juden aus allen seit jeher innegehabten wirtschaftlichen Stellungen zu verdrängen. Die Steuerpraxis ist dazu angetan, die jüdischen Industriellen und Kaufleute zu ruinieren. Gewerbeordnung und Finanz Wirtschaft des Staates sind gegen die Juden gerichtet. Die gesamte Verwaltung, von den Ministerien bis zu den subalternsten Stellen, ist antisemitisch, und wehe dem Juden, der in Berührung mit den Organen des polnischen Staates kommt. Diese Mißachtung der feierlich unterschriebenen Verträge, die Entrechtung der nationalen Minderheiten und insbesondere der Ausroltungskrieg gegen die Juden hatten schließlich dazu geführt, daß die politische, wirtschaftliche und finanzielle Lage Polens schwer erschüttert und das Vertrauen des Auslandes zum neuen polnischen Staate völlig geschwunden ist. Der polnische Staat bekommt im Auslande keine Anleihe. Überall werden den polnischen Vertretern die zahllosen Klagen entgegengehalten, die aus den Kreisen der unterdrückten Minderheiten in Polen ins Ausland dringen. Unter dem Druck seiner finanziellen Not und der öffentlichen Meinung der Welt sah sich die polnische Regierung gezwungen, so zu tun, als ob sie ihren bisherigen Kurs gegenüber den Juden verlassen wollte. Sie lud die jüdischen Abgeordneten des polnischen Sejms zu Besprechungen ein, um mit ihnen über die jüdischen Forderungen zu verhandeln. Sie verschrieb sich aus London den Generalsekretär des Board of Deputies, Herrn Lucien Wolf, damit dieser im Auslande Zeugenschaft ablegen könne, daß die polnische Regierung willig sei, den Forderungen der polnischen Judenheit entgegenzukommen. Immer betonte aber die polnische Regierung, daß sie zunächst unbedingtes Gewicht auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen mit den Juden legen müsse. Diese Methode ruft natürlich bei einem großen Teile der polnischen Judenheit angesichts der bisher gemachten Erfahrungen das größte Mißtrauen hervor. Einer der bekanntesten Führer der polnischen Judenheit, der Abg. Grünbaum, lehnte es ab, vertrauliche Verhandlungen mit der Regierung zu führen und trat aus dem jüdischen Sejm-Klub aus. Während die Verhandlungen vor sich gingen, machte der polnische Sejm durch Annahme einer Verordnung 35 000 jüdische Familien brotlos, indem er ihnen die Konzessionen für den Verkauf von Monopolartikeln ohne die geringste Entschädigung entzog. Der Obmann des jüdischen Sejm-Klubs, Dr. Leon Reich, legte unter dem Eindruck dieses Beschlusses seine Stelle als Obmann des Klubs nieder und zog seine Demission erst dann zurück, als ihm Klub und zionistischer Oberrral neuerdings das Vertrauen aussprachen und ihn bevollmächtigten, die Verhandlungen mit der Regierung fortzusetzen. Die jüdischen Abgeordneten haben in der letzten Woche der polnischen Regierung ihre Forderung in einem Memorandu m dargelegt. Jetzt ist die Gelegenheit für die polnische Regierung gekommen, zu zeigen, ob es ihr wirklich ernst darum zu tun ist, ihr Versprechen einzuhalten. Leider deuten alle Anzeichen darauf hin, daß die polnische Regierung wiederum versuchen wird, die Juden hinzuhalten, die ganze Frage zu verschleppen und den Kurs ihrer bisherigen Ausrottungspolitik gegen die Juden beizubehalten. M. W. „Gottesstürmer“ Wir bringen im Folgenden die interessanten Ausführungen eines ausgezeichneten Kenners Räte-Rußlands, Dr. J. S c h echtmann, die wir der Wiener „Brück e“ entnehmen. I. In dem Kampfe der russischen Kommunisten gegen Gott und die Religion liegt doch — bei aller Entsetzlichkeit ihrer Methoden — etwas Großartiges, Tragisches, Grandios-Wahnsinniges; in einem Lande, das von tiefer Religiosität durchdrungen, mit Kirchen dicht besät ist, unter einer Bevölkerung, die in dem Klerus, den Kirchen, den Heiligenbildern die Verkörperung Gottes auf Erden zu sehen gewohnt ist, — bei solchen Bedingungen dem Herrgott, den Heiligen, der Religion, den Priestern einen offenen Kampf erklären, den Himmel stürmen zu wollen — das bedeutet viel Mut, viel Glauben an eigene Kraft, Wahrheit und Recht. Die russischen Kommunisten haben diesen Kampf gewagt. Sie wußten zu gut, was sie da unternehmen. Sie wußten, daß die Religion tief in der Volksseele wurzelt, daß der organisierte orthodoxe Klerus eine riesige Macht über die Seelen und die POBZEIiL4N-NlEI>ERLAG£ MtNCHEN THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der FeldherrnhaUe GRÖSSTK AUSWAHL IN G K B R A U C H S F O R ZE ULAN TÄGLICHELAGRRRKGÄNZUNG