Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- Seite 520 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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520 N r. 26 Das Jüdische Echo Synagogen, solange Beiträge an andere Religionsgemeinschaften gezahlt werden. Hier ist eine Analogie zu ziehen. Noch vor 12 Jahren galten die Sozialdemokraten als vaterlandslose Gesellen, heute anerkennt man bis weit nach rechts hinein ihre slaatserhaltende Kraft. Auch wir -Angehörigen der jüdischen Volkspartei werden in Kreisen der Liberalen, wo noch Naumann’sche Verdächtigungen wirken, als undeutsch gescholten. Wir hegen die Hoffnung, daß in weiteren Jahren auch die Arbeit der jüdischen Volkspartei von jüdischen Kreisen voll anerkannt sein wird. Es wurde dann zur Abstimmung über den Etat des Landesverbandes für 1925 geschritten, der mit den vom Haushaltausschuß vorgeschlagenen Änderungen einstimmig angenommen wurde. Der beschlossene Haushaltvorschlag für 1925. Berlin (J.T.A.). Der vom Verbandstag angenommene Voranschlag des Landesverbandes für 1925 sieht vor: Ausgaben: Kap. 1: Verwaltung . Kap. 2: Subventionen an Gemeinden, Theologische Bildungsanstalten u. Lehrer- Mk. 59.000.— bildungsanst. .... Mk. 1.153.700.— Kap. 3: Verwaltungsblatt . . . Mk 6.000.— Kap. 4: Statistisches Jahrbuch Mk. 4.000.— Kap. 5: Verbandstag und Rat Kap. 6: Bildungsanstalten zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Gemeinde- Mk. 50.000.— beamten . Kap. 7: Verschiedenes u. unvor- Mk. 46.000.— hergesehene Ausgaben Mk. 50.000.— Summe E i n n a h men: Mk. 1.368.700.— 1. Staalsbeihilfen . 2. durch Beiträge der Gemeinden Mk. 510.000.— aufzubringen .... Mk. 858.700.— Summe Mk. 1.368.700.— Nach den Münchener Gemeinde wählen Diejenigen Leser, denen die Notiz in Nummer 23 dieses Blattes über die Gemeindewahl oder die amtliche Bekanntmachung der Iraelitischen Kultusgemeinde München darüber entgangen ist — und es werden deren nicht wenige sein — dürften sich über die Überschrift verwundern. Von den Gemeindewahlen, die stattfanden, haben wohl die allerwenigsten Mitglieder der Kultus - Gemeinde etwas gemerkt und besonders vom Standpunkt der jüdischen Volkspartei, die im Jahre 1920 mit entschiedenen demokratischen Programmforderungen hervorgetreten ist, halte ich es für bedauerlich, daß die Gelegenheit der Gemeindeneuwahl nicht zum mindesten dazu benützt wurde, an die Gesamtheit der Gemeindewähler mit einem Bericht heranzutreten, ihnen zum mindesten in einer großen allgemeinen Versammlung Gelegenheit zu geben, über die Entwicklung der Gemeindeverwaltung seit der letzten Wahl Kenntnis zu erhalten und sich auszusprechen. Ist doch eine Hauptforderung, mit der die jüdische Volkspartei 1920 in den Wahlkampf eingetreten ist, eine enge Verbindung der Gemeindemitglieder mit der Gemeindeverwaltung herzustellen, bisher im wesentlichen unerfüllt geblieben und ich habe auch nicht den Eindruck, daß etwa die nunmehr in 5 Nummern vorliegende „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung“ diese Verbindung herzuslellen vermag. Ich unterschätze die Schwierigkeiten nicht, die in dieser Richtung bestehen, hätte es aber für notwendig und möglich gehalten, daß die Gemeindeverwaltung von sich aus in gewissen Abständen die Gemeindewähler zusammenberuft, um ihnen über die wesentlichen Gemeindeangelegenheiten zu berichten, oder daß die an der Gemeindeverwaltung beteiligten Parteien dies tun. Aus all diesen Gründen bedauere ich außerordentlich, daß nicht wenigstens bei der Neuwahl von der jüdischen Volkspartei aus etwas derartiges unternommen wurde. Ich fürchte, daß die auf einem Kompromißwege ohne jede Be teiligung der Wählerschaft erfolgte Neubesetzung der Gemeindevertretung zum mindesten nicht geeignet ist, das Interesse der gesamten Gemeindemitglieder an den Gemeindeangelegenheiten zu verstärken und ich hoffe, daß das, was jetzt vielleicht auch mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Jahreszeit. unterblieb, im Herbst nachgeholt werden wird. Man kann natürlich verschiedener Meinung über die Zweckmäßigkeit eines Kompromisses an sich sein, wenn man nicht etwa findet, daß die ganze Gemeindewahl eine unwichtige Angelegenheit sei — und die Parteien, deren Vertreter die Gemeindegeschäfte führen, finden das doch sicherlich n i c h t — dann wird es an sich immer erwünscht sein, daß die Parteien nach Ablauf einer Wahlperiode sich in einem Wahlkampf treffen, ihre grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten auseinandersetzen, um den Gemeindemitgliedern Gelegenheit zu geben, ihre Verantwortung an den Gemeindegeschäften durch die Wahl zu betätigen. Es ist für die Gemeindeentwicklung nicht ohne Gefahr, wenn etwa die bequemere Methode des Kompromisses zur Übung werden sollte, der frischere Zug, der gegen über den früheren Jahren gerade die letzte Wahlperiode in der Gemeindestube auszeichnete, würde damit bald verloren gehen. Es müßte möglich sein, solche Wahlkämpfe sachlich und ohne Gehässigkeit, von großen Gesichtspunkten geleitet, durchzuführen und damit Bedenken über die Wirkung