Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- Seite 518 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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518 Das Jüdische Echo Nr. 26 stung auf Seiten der Volkspartei hervor. Auch Vertreter der anderen Minderheitsparteien protestieren. Die Stimmung wird sehr erregt. Frau QUendorf f (Liberal) schildert eingehend die Arbeit der jüdischen Frau auf sozialem Gebiete, sowie auf dem Gebiet des Frauen- und Mädchenschutzes, auf welchem unschätzbare Resultate erzielt worden sind. Sie appelliert an die Männer, sich der Mitarbeit der Frauen im weitesten Maße zu bedienen. Dr. Sandler (Volkspartei) verteidigt vier Postulate: 1. Absolute Durchführung der Demokratie im Landesverband; 2. das Vorgehen der Staatsbehörden gegen die Ostjuden ist von einer ungerechtfertigten Härte und Rücksichtslosigkeit. Die Ausweisungspraxis wird unglaublich hart gehandhabt, wegen geringer Paßvergehen werden die härtesten Strafen auferlegt. Er begründet die von seiner Fraktion eingebrachte Resolution an den Minister des Innern, die nachgeordneten Behörden nach der Richtung einer humaneren Handhabung der Vorschriften zu instruieren. 3. Die Organisation des Landesverbandes wird die Einheitsidee unter den preußischen und deutschen Juden stärken und die Bande Zusammenhalten, die die Emanzipation zu lösen begonnen hat. 4. Mitarbeit am Aufbau Palästinas ist Sache jedes Juden. Die deutsche Judenheit müsse sich nach dem Beispiel der amerikanischen Judenheit an der Jewish Agency beteiligen. Rabb. Kober- Köln beleuchtete die Position der Rabbiner, Lehrer F alkenberg (liberal) sprach über das Problem des Religionsunterrichtes. Er forderte eine Vermehrung und Intensivierung der Religionsstunden an den Staatsschulen und stellte diese Forderung der Errichtung eigener jüdischer Schulen voran. Er nahm San.-Rat Peyser gegen die Angriffe der Linken in Schutz. M. A. Loeh (konservativ) stellt im Gegensatz zum Vorredner das Postulat eigener jüdischer Schulen voran. Auf eine Vermehrung des Religionsunterrichtes an Staatsschulen sei wenig zu hoffen, nur die jüdische Schule wird jüdisches Wissen und jüdische Tradition stärken. Die steigende Zahl der Mischehen zehrt am Mark des Judentums. Das muß allen zu denken geben. Ministerialrat Dr. B a d t (Volkspariei) schließt sich den Ausführungen Dr. Sandlers an, daß die Praxis gegen die Ostjuden und die Auslandsjuden eine unmenschliche ist. Ihm als Landtagsabgeordneten ist das betreffende Material zugänglich, und er könne von Fällen berichten, wo jüdischen Ausländern, die 40 Jahre in Deutschland wohnen, die Einbürgerung verweigert wurde. Der Redner klagt die nationaldeutschen Juden an, daß sie durch ihre Propaganda die preußischen Behörden gegen die ausländischen Juden beeinflussen. Oft kommt es vor, daß Behörden sich auf Dr. Naumann berufen, wenn man von ihnen eine mildere Praxis gegen Auslandsjuden verlangt. (Hört-Hört-Rufe). Wie muß es auf Nichtjuden wirken, wenn das Mitteilungsblatt der nationaldeutschen Juden, das vielen nichtjüdischen Kreisen zugänglich gemacht wird, alle Zionisten als Landesverräter bezeichnet. (Pfui-Rufe. Von liberaler Seite wird dem Redner zugerufen, er möge nicht so viel über Naumann sprechen, es interessiere niemand. Seitens der Volkspartei wird den Liberalen der Name Peyser entgegengerufen). Der Redner bringt Fälle vor, wo die Deutschnationalen im Landtag den Innenminister Severing wegen seiner angeblichen Ostjudenfreundlichkeit aufs schärfste bekämpften und sich auf Artikel in dem von Dr. Naumann herausgegebenen Mitteilungsblatt beriefen. Für uns Juden in Deutschland, rief der Redner aus, versteht sich das Deutsche von selbst! (Allseitiger Beifall!) Es ist uns aber ein Herzensbedürfnis, in einem neuen und freien Deutschland zu leben. Dr. Naumann hat sogar den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, auf den wir alle stolz sind, als Bund jüdischer Einheitsfrontsoldaten bezeichnet. Der Redner gelobte, künftighin Dr. Naumann und dem Verbände nationaldeutscher Juden scharf auf die Finger zu sehen. Dir. Holländer (Central-Verein) führt aus, wir Juden bilden eine religiöse Gemeinschaft und nur die Religion verbindet uns mit den ausländischen Juden. Es wird in zu leichter Weise eine Gemeinschaft mit den Ostjuden konstruiert, die nicht existiert. (!) Wir halten die Ostjuden keineswegs als unebenbürtig oder gar minderwertig, aber wir stellen fest, daß sie anders geartet sind und in den deutschen Kulturkreis nicht hineinpassen. (!) Mit Bezug auf die Ausweisungspraxis stimmt der Redner mit Dr. Sandler überein, und teilt aus eigener Erfahrung unglaubliche Fälle mit. In Oberschlesien wurde ein betrunkener Deutscher, der im Grenzgebiet herumirrte, von einem Zollbeamten erschossen. Darüber zur Rede gestellt, entschuldigte sich der Beamte damit, er hätte geglaubt, es sei ein polnischer Jude. Wenn Behörden so etwas mit Sympathie anhören, so kann man sich ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen machen. Der Redner akzeptiert die Formel Dr. Klees, daß man als Jude jüdisch und gleichzeitig als Deutscher deutsch fühlen kann, nir bedingt. Wir können keineswegs deutsche Sprache und hebräische Sprache nebeneinander stellen. Deutsch ist unsere Volkssprache, hebräisch unsere heilige Sprache. Der Religionsunterricht muß auf eine möglichste Höhe gebracht werden. Die Rabbinerfrage ist akut. Wegen des langen Studiums und anderer Verhältnisse besteht eine Abneigung dagegen, sich dem Rabbinerstand zu widmen. Hier muß eine intensive Propaganda einselzen. Palästina als Zufluchtsland unserer unglücklichen Glaubensbrüder im Osten sei zu begrüßen, die Zionisten aber spielen alles auf eine Karle aus, setzen alle Hoffnungen auf ein Ziel. Was geschieht aber, wenn ein Rückschlag kommt? Darum ist unser Bestreben: Öffnung der Grenzen nach allen Ländern. Auf Antrag Dr. Stern wird die Debatte geschlossen und über die Resolution der V olkspartei abgestimmt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Sie hat den folgenden Wortlaut: S. LEV INGER MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse