Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- Seite 517 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9155707--06901-9079618- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 26 Das Jüdische Echo 517 slraße, wo die Jüdische Gemeinde Berlin ihnen ein Festessen gibt. Der zweite Verhandlungstag. Am Montag, den 22. Juni, zwischen 9 und 11 Uhr morgens tagten die Fraktionen, auch fand eine interfraktionelle Sitzung statt, in der über die Besetzung der Rabbinerposten im Rat verhandelt wurde, eine Einigung herrschte nur inbezug auf die Rabbiner Dr. B a e c k und Dr. Horowitz und inbezug auf die Vertreter der Hochschulen. Für den ß. Rabbinersitz präsentierten die Liberalen Dr. S e- 1 i g m a n n , die Volkspartei Dr. Emil L e v y. Um 11 Uhr begann die Plenarsitzung mit der Wahl der Rabbinervertreter im Rat. Gewählt wurden durch Zuruf Dr. B a e c k und Dr. Horow i t z - Frankfurt a. M. Mit Bezug auf den dritten Sitz entspann sich eine Diskussion, in deren Verlauf Oberreg.-Rat Hans Goslar für die Wahl Levy’s eintrat. Es kam zur Abstimmung. Gewählt wurde Dr. S e 1 i g m a n n. Als Stellverter wurden gewählt Dr. Rosenthal - Köln, Dr. L e v y und Rabbiner Wild e. Als Vertreter der Hochschulen wurden durch Zuruf gewählt: Prof. Dr. M. Guttmann- Breslau, Rabb. Dr. Weinberg- Berlin u. Prof. Dr. E 1 b o g e n - Berlin. Nachdem noch Herr Dr. Ismar Freund zum Etat gesprochen hatte, ging man in die Generaldebatte über den Rechenschaftsbericht ein. Herr Stern (liberal), der als erster das Wort ergriff, betonte sehr warm das Motiv des Klal-Judentums, sprach über die Notwendigkeit der Ausbildung eines tüchtigen L e h r e r n a c h w. u c h s e s , und setzte sich warm für die Idee eines Reichsverbandes aller deutschen Juden ein. (Beifall.) Herr Dr. Klee (Volkspartei) sprach für die Gleichstellung zwischen Ostu. West juden. Er setzte sich für den Ausbau des jüdischen Schulwesens ein, da ohne Schulen sich kein Lehrerstand entwickeln kann. Er sprach von der Notwendigkeit der Arbeit am Aufbau Palästinas, der eine Sache der Gesamtjudenheit sei, und setzte sich für die Unterstützung des Palästina- Aufbaufonds (Keren Hajessod) ein. Auch die soziale Fürsorge sei eine Angelegenheit, der der Landesverband seine Kraft und Aufmerksamkeit widmen muß. Protestresolution gegen verschärfte Ostjudenmisweisungen und gegen Erschwerung der Einbürgerung von ausländischen Juden. Gegen Naumann. Berlin (J.T.A.). Der größte Teil des zweiten Verhandlungstages war der Generaldebatte gewidmet. Herr Dr. Klee, seine Rede fortsetzend, wandte sich in sehr scharfen Ausführungen gegen die Politik der von Dr. Max Naumann geführten nationaldeutschen Juden, die alle für Palästina tätigen Juden als Verräter an Deutschland bezeichnen. Zwischen jüdischem und deutschem Handeln und Fühlen, so führte der Redner aus, gibt es keinen Widerspruch. Eines stört das andere nicht. Man fühlt und handelt als Jude jüdisch und als Deutscher deutsch. Als Vertreter der Konservativen formulierte R.A. H o r o w i t z - Frankfurt a. M. die kulturellen und Schulforderungen der gesetzestreuen Juden. Er forderte jüdische Schulen, in denen die Thora ein Heim hat. Es gibt, sagte er, kein jüdisches Leben ohne die Thora. Wir Konservativen, schloß er. stehen überall da, wo es eine Angelegenheit der jüdischen Gemeinschaft, des Klal-Jisroel, zu vertreten gilt. Arbeit für Klal-Jisroel ist Arbeit für die Menschheit. Mag.-Rat Neumann (Religiöse Mittelpartei) trat ebenfalls für religiöse Erziehung ein. Er bekämpfte aber die Forderung, daß Hebräisch Unterrichtssprache in religiösen Fächern sein sollte. Hebräisch, sagte er, ist unsere heilige Sprache. Wer sie als Umgangssprache gebrauchen will, der mag es tun, uns widerstrebt es, so etwas zu unterstützen. Dem Aufbauwerk in Palästina stehen wir sympathisch gegenüber, aber auch das ist Sache des Einzelnen. Der Landesverband ist ein Verband preußischer Juden, ihm obliegen einzig preußischjüdische Aufgaben. Alfred Berger (Poale Zion) protestiert gegen die unparitätische Zusammensetzung des Rates, welcher von der liberalen Mehrheit beherrscht ist. Das Wahlrecht in zahlreichen jüdischen Gemeinden ist noch immer das veraltete Verhältniswahlrecht in vielen Gemeinden haben die ausländischen Juden überhaupt kein Wahlrecht. Der Redner bezeichnete es als eine Ehrenpflicht der preußischen Judenheit, das Aufbauwerk in Palästina zu fördern, die von den jüdischen Arbeiterparteien geschaffenen Institutionen für das arbeitende Palästina zu unterstützen, ebenso das Werk der fachlichen Ausbildung von Chaluzim. Die soziale Wohlfahrt ist eine der vornehmsten Aufgaben des Verbandes, aber sei müsse nicht an den Grenzen Halt machen. Es wird beschlossen, den vorgelegten Haushalt für das Jahr 1925 einem fiinfzehngliederigen Ausschuß zur Durchberatung und Berichterstattung zu überweisen, worauf sich die Sitzung auf Nachmittag vertagt. Den Reigen der Redner der Nachmittagssitzung eröffnet Sani-Rat Peyser (Liberale Fraktion, Vorstandsmitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden). Er polemisierte sehr scharf dagegen, daß Gelder deutscher Juden für Auslandszwecke, d. h. für Palästina, verwendet werden. Er zweifle nicht an der gut jüdischen Gesinnung der Zionisten, er zweifle aber an ihrer deutschen Gesinnung. Die Worte des Redners rufen einen Sturm der Entriixlianö4r. ko Jßs&servjßhrvekLemi fficimßn^ßknjevdGBei