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Das jüdische Echo · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 505

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 505 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 505 auszuwählen und zu gruppieren war. Man sieht, die Aufgabe ist vielgestaltig, und man wird sich darum nicht wundern, wenn das Gesamtwerk einen etwas verwirrenden Eindruck macht. Wenn man einen beliebigen „Unterrichtsbrief, etwa den 26., herausgreift, so findet man darin: A: Historische Texte, sehr zweckmäßig übersetzt und transskribiert —B: grammatische Notizen — C: poetische Texte —D: Wortkunde — E: sachliche Erläuterungen („Der Codex Hammurapi u. das Deuteronomium.) Dieselben Unterabteilungen haben alle anderen Briefe. Man kommt auf diese Weise unausgesetzt von der Textlektüre zur Grammatik — aber nicht etwa grammatischer Erläuterung des gerade gelesenen Textes —, von da zu syntaktischen und dann wieder zu historischen Erläuterungen —, ein Weg, der in persönlich erteiltem Unterricht sehr zweckmäßig ist, weih da der Lernende durch häusliche Wiederholnug den Faden behält und der Verwirrung durch das Vielerlei entgeht. Anders ist es aber beim Lernen aus Büchern; da erwartet man im allgemeinen zusammenhängende systematische Darstellung und damit die Möglichkeit, Wissenswertes auch einmal nachzuschlagen. Das ist bei diesen Unterrichtsbriefen kaum möglich, und sie erfordern deshalb ebenso wie eine lehrende Person ein Lehrbuch nebenbei. Ich möchte fast glauben, daß unter solchen Umständen ein pädagogisch gut angelegtes Lehrbuch ein besseres Lehrmittel ist, als diese Briefform — wenigstens für das Hebräische, Bei anderen Sprachen, bei denen neben dem Sprachlichen weniger Sachkunde nebenher zu gehen braucht, ist die Sache anders. Wenn man von diesen in der Sache selber begründeten Schwierigkeiten absieht, sind diese Unterrichtsbriefe ein vorzügliches Lehrmittel; wer Energie genug hat, sie gründlich durchzuarbeiten, und den ganzen Inhalt beherrscht, wird ein Gelehrter, und tatsächlich sind auch diese Briefe hauptsächlich für diejenigen bestimmt, die hebräisch für wissenschaftlichen Gebrauch erlernen wollen. Wer es als lebendige Sprache erlernen und sprechen will, der hat an einem persönlichen Lehrer die Möglichkeit zu Sprachübungen, die er der Natur der Sache nach in keinem Lehrbuch findet, auch nicht in diesen Unterrichtsbriefen. Was aber ein „solches Werk überhaupt geben kann, das wird in diesem Falle gegeben, und die Ausstellungen, die an der Durcharbeitung des einzelnen etwa zu machen wären, fallen dabei nicht ins Gewicht. rst. Aus der Zeit für die Zeit 1. Die Juden in Ühlfeld. Wir werden in nächster Zeit unter diesem Titel eine Reihe von historischen Arbeiten des Herrn Hauptlehrers J. Wormser-Ühlfeld über die Geschichte bayerischer jüdischer Gemeinden veröffentlichen. Eine geschichtliche Betrachtung. Schon seit Anfang des 15. Jahrhunderts gibt es in U h 1 f e 1 d Juden; wenigstens lassen entsprechende Vermerkungen in alten Urkunden darauf schließen. Ein landesherrlicher Befehl vom 12. Oktober 1583 gebot ihnen auszuwandern; es geschah aber nicht. Am 25. März 1613 verbietet Kaspar v. S z o w o 1 s k i, einer von den Rittergutsbesitzern Ühlfelds, den christlichen Einwohnern des Ortes mit Juden Handel zu treiben. Auch dieses Verbot nützte nichts. Schwer wurde der Ort im Dreißigjährigen Krieg heimgesucht. Wiederholt wurde das Dorf mit Umgebung gebrandschatzt, so daß von der ansehnlichen Ortschaft nur 5 Häuser übrigblieben. Das Schicksal der Juden in dieser Geschichtsperiode läßt sich nicht mit Sicherheit festslellen. Ob dieselben bei den öfteren Überfällen durch die Kaiserlichen sowohl, wie durch die Schweden mit den übriggebliebenen Bewohnern umkamen oder durch Flucht ihr nacktes Leben retteten, ist picht nachweisbar. Aber schon 1696 sind wieder 14 jüdische Familien vorhanden. Sie richteten in diesem Jahre das Haus eines einigermaßen begüterten Juden zum Bethaus ein. Der Betsaal diente auch als Schulzimmer. Ihre Vermehrung im 18. Jahrhundert ergibt sich aus folgender Übersicht: 1706: 124, 1715: 137, 1753: 133, 1763: 170, 1796: 176 Seelen. Nach einer Verordnung vom Jahre 1776 solten nur 36 jüdische Familien in Ühlfeld wohnen. Nach geschichtlichen Aufzeichnungen wurde der Friedhof im Jahre 1733 angelegt und 1802 mit einer Mauer umgeben. In diesem Punkte scheinen aber die geschichtlichen Angaben nicht den Tatsachen zu entsprechen. Nach meinem Dafürhalten muß der Friedhof wesentlich älter sein. Ich führe meine Annahme auf folgenden Umstand zurück: Im Friedhofe steht eine mächtige Eiche, — in 12 Meter Höhe über 4,5 Meter Umfang —, die muh Aussage von Sachverständigen mindestens 300 Jahre alt ist. Ihr Stamm umschließt zum Teil einen Grabstein; der Stein ist also, wie man sagt, in den Stamm hineingewachsen. Demnach muß der Grabstein vor der Eiche vorhanden gewesen und somit also auch vor über 300 Jahren zum Andenken an einen lieben Toten errichtet worden sein. Stärker war die Zunahme der jüdischen Gemeinde zu Anfang des 19. Jahrhunderts; 1812 zählte sie bereits 202 Seelen. Damit trat auch ein Umschwung in den gemeindlichen Verhältnissen ein. Der Betsaal war zu klein geworden, um die große Anzahl der Andächtigen fassen zu können. Im November 1813 wurde die jüdische Volksschule in Ühlfeld, somit die erste in Bayern, ins Leben gerufen. Es mußte also auch für ein geeignetes Schullokal Sorge getragen werden. Eine Vereinigung von Synagoge und Schulzimmer war nicht mehr zeitgemäß geworden und entsprach auch nicht den gesetzlichen Anforderungen. Deshalb faßte die Gemeinde am 20. November 1814 den Beschluß, ein neues Gotteshaus zu errichten. Über dessen Einweihung berichtet der Chronist: „Am 6. März 1818 wurde eine neue Synagoge eingeweiht. Sie ist in Form eines Tempels, mit Geschmack, durchaus von Steinen aufgefiilirt und soll 15 000 Gulden gekostet haben. Die Einweihung wurde mit religiösen Prozessionen, Musikchören, Freudenschüssen und unter dem Zusammenschlüsse einer außerordentlich großen Volksmenge vorgenommen. Aufmerksame beobachteten im Zuge von der alten Synagoge zur neuen viele ansehnliche Protestanten und Katholiken, welche zum Teile den eigens hierzu verfaßten deutschen Psalm laut mitsangen. Gerühmt wurde die deutsche Rede des Ortsrabbiners Rosenfeld, und ein Lied, welches von Mädchen gesungen wurde und gedichtet war vom jüdischen Lehrer Lazarus Iv o h n.“ Den höchsten Stand erreichte die Gemeinde am Ende des Jahres 1818. Die Pfarrei ühlfeld zählte damals neben 1100 Lutherisch-Evangelischen und 30 Katholiken 294 Juden. Diese waren Kaufleute, Bauern und Handwerker, darunter Glaser, Flaschner, Säckler, Schuhmacher, Seiler, Seifensieder und Weber. Heute noch wird am hiesigen Platze ein Joseph Schwab, dessen Nachkommen in Fürth und Frankfurt wohnen, als Kartoffelbauer bezeichnet. Das hiesige Rabbinal gehörte bis 1816 zum Bayreuther Oberlandesrabbinat in Baiersdorf. Rah-

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