Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 25 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- Seite 502 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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502 Das Jüdische Echo Nr. 25 zu leiten, daß eine möglichst große Anzahl von liberalen Rabbinern derjenigen Städte, die in ihren Gemeinden für das liberale Einheitsgebetbuch sich einsetzen wollen, mit dem Referenten zu einer Kommission zusammentreten, um gemeinsam auf Grund der allgemein gültigen Grundsätze und den Bedürfnissen ihrer Gemeinde dieses Gebetbuch so bald als möglich fertig zu stellen. 2. Die Großgemeinden werden gebeten, bevor sie an die Schaffung eines neuen liberalen Gebetbuches in ihren Gemeinden herantreten, das Erscheinen dieses fertig zu stellenden Einheitsgebetbuches abzuwarten, um sich alsdann für oder wider dessen Einführung in ihren Gemeinden zu entscheiden. 3. Die von Geiger aufgestellten werden für den hebräischen Text unter Berücksichtigung der seit ihrer Aufstellung veränderten Einstellung und Beurteilung der deutschen liberalen Juden akzeptiert. 4. Die deutsche Bearbeitung soll keine Übersetzung sein, sondern als bestimmt für die des Hebräischen Unkundigen — eine originale Neuschöpfung, die dem deutschen Stilgefühl entspricht. Nur die Gedanken sollen aus den entsprechenden hebräischen Gebeten geschöpft werden. 5. Eine Neubearbeitung der Haftaroth soll baldmöglichst in Angriff genommen werden; desgleichen eine Agende für Rabbiner, ein Gebetbuch für den Jugend-Gottesdienst und eine neue deutsche Techinnah, ein Andachtsbuch für Frauen und Mädchen. Gemeinsame Jugendveranstaltung (J. Z.) Am Sonntag, den 7. Juni fand in Berlin ein Fest des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände statt. Durch dieses Fest sollten die Mittel zur Schaffung eines Erholungsheimes für die jüdische Jugend aufgebracht werden. Zum erstenmal war die gesamte jüdische Jugend zu einer gemeinsamen Kundgebung an die Öffentlichkeit hervorgetreten. Dieser Gedanke beherrschte auch die Ansprache, die Herr Georg Lubinski vom ,,H e c h a 1 u z‘, Deutscher Landesverband, im Namen des Reichsausschusses an die Versammlung richtete. Er hob hervor, daß sich jetzt einmal das Selbstverständliche vollzogen habe, das die gesamte jüdische Jugendbewegung zu einem Werke vereinigte. Dieselben weltanschaulichen, religiösen und politischen Gegensätze wie bei den Alten spalten auch die Jugend in Parteien und Gruppen und gewähren so ein getreues Spiegelbild der Zerrissenheit und Spaltung innerhalb des jüdischen Lebens. Bedeutungsvoll aber sei es, daß sich die jüdische Jugend gerade bei einem Werke der Selbsthilfe und der sozialen Hilfe zusammengefunden habe. Soziale Hilfe und Jugendbewegung seien die beiden Faktoren, die die Neuwerdung einer jeden Gemeinschaft von außen und innen her garantieren. Das Fest sollte aber darüber hinaus einen Einblick in das Leben der verschiedensten jüdischen Jugendbünde geben. Wenn das Bild, das sich so ergebe, nicht einheitlich ist, so liege die Schuld nicht an der Leitung des Festes, sondern an der tatsächlichen Uneinheitlichkeit des jüdischen Lebens. Hier einen Versuch der Einheit zu schaffen, sei vielleicht der tiefere Sinn des Festes. Es folgten darauf Solo- und Chorgesänge in hebräischer Sprache vom „Jung-jüdischen Wanderbund“ und dem „Jüdischen Volkshei m“. Der Horratanz der Kleinsten dieser Gruppen fand begeisterte Aufnahme und mußte wiederholt werden. Der „Esra“ brachte eine recht wirksame Szene aus Moritz Heimann „Das Weib des Akiba“, der sich eine gesangliche Einlage anschloß, die ebenfalls von „Esra“ vorgetragen und in der in sehr humoristischer Weise nochmals der Sinn des Festes hervorgehoben wurde. Der „J ü - d i s c h e J u g e n d b u n d“ brachte deutsche Volkslieder zum Vortrag. Zum Schluß ernteten die Kükenvolkstänze der „Deutsch- Jüdischen Jugendgemeinschaft“ stürmischen Beifall. Als erstes Ergebnis des Abends konnte am Schluß der Veranstaltung mitgeteilt werden, daß die Leitung des jüdischen Wohlfahrtsamtes und der Zentralwohfahrtsstelle der deutschen Juden den Gedanken der Schaffung eines Heims für die jüdische Jugend bei den Gemeinde-Instanzen wirksam vertreten und dem Bestreben der Jugend das vollste Verständnis entgegenbringen werde. Echo der Presse Der „Nürnberger Zeitung“ schreibt ein Korrespondent unter dem Titel „Di© Aufbauarbeit in Palästina“ aus Jerusalem: „Jeder, der nach Palästina kommt und es bereist, merkt gleich den Fortschritt und die Arbeit, die die Zionisten hier verrichteten. Man braucht nicht die frühere Lage zu kennen, bevor die Juden aus aller Welt anfingen, nach diesem Land zu strömen und es zu bebauen, man muß nur an den Grenzen jüdischer und arabischer Besitzungen stehen und gleich wird man den Unterschied merken. Auf dem jüdischen Territorium blühendes Land, das mit den neuesten Maschinen bearbeitet wird, und auf der anderen Seite vernachlässigtes Gebiet, das; wüst und mit Steinen besät daliegt oder mit alten Geräten aus der Zeit der Erzväter bearbeitet wird. Hauptsächlich in der J i s r e e 1-E b e n e wurde viel' geschaffen, denn erst nach dem Kriege konnte man anfangen, diese Ebene, die sehr fruchtbar, aber von den Arabern vernachlässigt worden ist, stückweise abzukaufen und die vielen Sümpfe, der Sitz der Malaria-Fliegen, auszutrocknen. Jetzt ist fast die ganze Ebene in den Händen des „Jüdischen National-Fond“. Dort helfen junge Juden — viele sind Söhne reicher Eltern, die alles im Stich ließen — „Erez-Jsrael“ aufbauen. Hier werden diese jungen Leute „Chaluzim“ genannt, das soviel ist wie „Pioniere“. Alle schwebten in Lebensgefahr. Nicht nur das Malaria-Fieber (heute kommen nur noch einzelne leichtere Fälle vor) war gefährlich, sondern auch die in der Umgebung hausenden Araberstämme bedeuteten Gefahr. Aber dank der Aufopferungen der „Chaluzim“ ist das ganze dortige Gebiet kultiviert worden; die Unheil bringenden Sümpfe sind von der Oberfläche verschwunden, auf denselben Plätzen sind jetzt schöne, blühende Ortschaften erstanden. Und auch die Beduinen sind jetzt freundlich geworden, obwohl sie noch viel von den Effendis gegen die Juden aufgereizt werden; sie sehen doch auch, daß die Juden den Segen mit ins Land bringen. Wie nun aber deutsche Juden an diesem großartigen Aufbauwerk sich beteiligen, erfuhr ich durch Herrn Felix Rosenblüth, den früheren Vorsitzenden der Zionistischen Organisation in Deutschland, der mir ein Interview für die „Nürnberger Zeitung“ gewährte. Die erste Frage war: „Inwieweit sind an der Aufbauarbeit in Palästina Juden aus Deutschland beteiligt?“ . Antwort: „Obwohl viele Juden aus Deutschland als Anführer der Zionistischen Organisation fungierten, konnte lange Zelt die Idee, in Palästina