Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 501

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 501 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9155704--06884-9079601
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 25 Das Jüdische Echo 501 sehen Gemeindelebens eingewirkt haben mögen, so trifft doch im letzten Grunde die Schuld an diesen Verhältnissen die deutsche Judenheit und ihre Vertreter. Lange und oft genug haben Lehrer und Rabbiner ihre warnende Stimme erhoben, aber ihre Warnungsrufe verhallten ungehört. Nun aber gelte es, der Forderung der Zeit Rechnung zu tragen. Die Neuregelung der Lehrerbildung bedeute nichts weniger als Neuschaffung des jüdischen Lehrerstandes. Es sprachen noch der Vertreter der Kölner Lehrerschaft, Rektor G o b 1 e n z , für die Gemeinde Köln deren 1. Vorsitzender Blumenau, Seminaroberlehrer Keßler -Münster, der ein Treugelöbnis zum deutschen Vaterlande ablegte, für den Verein Rheinland und Westfalen, und schließlich Rabbiner Dr. R o s e n t h a 1 -Köln für den Allgemeinen Rabbinerverband Deutschlands. Den eigentlichen Verhandlungen waren zwei Tage gewidmet und zwar in der Weise, daß an den Vormittagen die allgemein interessierenden Schul- und Berufsfragen in öffentlichen Versammlungen, nachmittags hingegen die besonderen Standesangelegenheiten in geschlossenen Sitzungen zur Beratung kamen. * Am Dienstag, den 2. Juni, wurde das Thema „Arbeitsschule und jüdischer Religionsunterricht“ behandelt. Referenten waren Dr. Löwenberg- Berlin und Frl. M a r x-Köln. Während der erste Referent mehr die theoretischen Grundlagen der Arbeitsschule darlegte, zeigte Frl. Marx aus praktischer Erfahrung heraus, wie in der Grundschule die Arbeitsmethode durchgeführt werden könne. Das Kind und sein Erleben müsse in den Mittelpunkt des Unterrichts gestellt werden. Selbsttätiges Erarbeiten der religiösen Wahrheiten, Erlebnisunterricht und Hinführen zur Tat sei das Ziel. Durch die Arbeitsschule werde auch der Unterricht freudvoller, die Religionsstunde zur Feierstunde. In der 2. öffentlichen Sitzung kam die Frage der Lehrerbildung zur Beratung. Es war vorauszusehen, daß in dieser Frage die Gegensätze der Anschauung scharf aufeinander prallen würden. Dies zeigte sich sowohl in den Referaten, die von Dr. G u t m a n n -Berlin, B u c h h e i m -Essen und L e v y-Frankfurt a. M. erstattet wurden, als noch mehr in der anschließenden Debatte. Schließlich wurde folgende, von der Vorstandschaft vorgeschlagene Resolution angenommen: „Der Verband der jüdischen Lehrer im Deutschen Reiche tritt grundsätzlich für die Gleichheit der Vorbildung der jüdischen Lehrer einschließlich der Religionslehrer mit der der Volksschullehrer ein. Aus praktischen Gründen müssen jedoch Veranstaltungen getroffen werden, solchen Bewerbern, die sich lediglich als Religionslehrer und Kantoren bezw. Kultusbeamte ausbilden wollen, eine der Volksschullehrer-Vorbildung in pädagogischer und wissenschaftlicher Beziehung völlig gleichwertige, wenn auch nicht gleichartige Vorbildung zu verschaffen.“ Mit großer Mehrheit wurde dagegen ein Antrag P e r i t z -Königsberg, einstweilen Kurse nur für Kultusbeamte zu schaffen, abgelehnt. Aus den Verhandlungen der geschlossenen Mitgliederversammlungen sei hier nur noch der Teil der gefaßten Resolutionen wiedergegeben, der zeigen soll, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, wenn an einen Wiederaufbau des jüdischen Lehrerstandes überhaupt herangetreten werden kann. „Der Verband weist auf die Notwendigkeit der Heranbildung eines geeigneten Lehrernachwuchses hih und ist, in der sicheren Erwartung, daß die Anstellungü-, Besoldungs- und Versorgungsverhältnisse der Lehrer zeitgemäß geregelt werden, bereit, an der Lösung dieser Aufgabe tatkräftig mitzuarbeiten. Zu diesem Zwecke richtet er an die Landesverbände derjenigen Staaten, die diese Voraussetzungen noch nicht geschaffen haben, das dringende Ersuchen: a) Ein den Anschauungen der Gegenwart entsprechendes Beamtenrecht für sämtliche jüdischen Kultusbeamten zu schaffen; b) Besoldungskassen einzurichten, die die Besoldung der Beamten nach staatlichen Grundsätzen auch in den kleinsten Gemeinden gewährleisten; c) Pensionskassen einzurichlen.“ Die Tagung in Köln hat bewiesen, daß die jüdische Lehrerschaft ihren alten idealen Schwung nicht verloren hat. Aber von Idealen allein kann man nicht leben. In wenigen Tagen wird der größte jüdische Gemeindeverband, der Verband der preußischen Gemeinden, zusammentreten. Hier wird sich zeigen, ob und welches Echo der Ruf von Köln finden wird, ob die Lehrerfrage, die, wie der Vertreter des Verbandes selbst betont hat, d i e Frage des deutschen Judentums ist, ihrer Lösung zugeführt werden kann. M. Rosenfeld, München. Tagung des liberalen Rabbiner« verbandes Köln. (J.T.A.) Gleichzeitig mit dem allgemeinen Rabbinerverband in Deutschland tagte in Köln auch der liberale Rabbinerverband. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Seligmann (Frankfurt a. M.), wies auf die Tatsache des starken Sieges des Liberalismus bei den Preußischen Landesverbandswahlen hin und widmete den seit der letzten Hauptversammlung Dahingeschiedenen Worte der Erinnerung. Rabbiner Dr. Italiener (Darmstadt) sprach über das Thema „Das Numinose unserer hohen Feiertage“, Rabbiner Dr. Selig - m a n n referierte über „Grundfragen und Grundsätze des liberalen Einheitsgebetbuches“. In der Debatte wurde die Forderung ausgesprochen, nicht außer acht zu lassen, daß auch ein liberales Gebetbuch die Idee der Gesamtheit Israels vertreten müsse. Rabbiner Dr. Norden (Elberfeld) referierte über „Ziele und Wege des liberalen Judentums in Amerika und Deutschland“. Er hob das Sendschreiben von Claude Montefiore an die amerikanische Rabbinerkonferenz hervor, das in der Überzeugung gipfele, daß das liberale Judentum das Judentum der Zukunft sei. In diesem Sendschreiben ist gesagt, daß Zionismus und Liberalismus keineswegs innere Widersprüche sind, daß es im Gegenteil darauf ankommt, auch die Zionisten von der Notwendigkeit des religiösen Liberalismus zu überzeugen. — Rabbiner Dr. Norden schilderte die Entwicklung des Liberalismus in Deutschland. Dem Vorstand wurde aufgegeben, die Gründung einer t h e o 1 o g i s c h - w i s s e n s c h a f 11 i c h e n Zeitschrift zu betreiben. Der neue Vorstand setzt sich zusammen aus den Rabbinern S e 1 i g m a n n-Frankfurt a. M„ Vogelstein -Breslau, Freudentha 1-Nürnberg, Nord e n -Elberfeld, Italiener -Darmstadt, Wilde- Magdeburg, W i e n e r-Stettin. Zum Vorsitzenden wurde Rabbiner Dr. S e 1 i g m a n n wiedergewähll. In seinem Referat über das liberale Einheitsgebetbuch stellte Rabbiner Dr. Seligmann folgende Thesen auf: 1. Die schleunige Inangriffnahme eines liberalen Einheitsgebetbuches ist in der Weise in die Wege

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.