Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 25 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- Seite 500 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Das Jüdische Echo Nr. 52 sterium in Form einer großen Anfrage ein energisches Vorgehen, damit die durch die Reichsverfassung garantierte Lehrfreiheit geschützt wird und die zuständigen Verwaltungen der Hochschule jederzeit gegen eine Verletzung des Artikels 118 der Reichsverfassung einschreiten. Aus Hannover wird telegraphiert: Nach dem Entscheid des Preußischen Unterrichtsministers, der betonte, daß der Artikel Theodor Lessings „Hindenburg“ im „Prager Tageblatt“ vom 25. April d. J. keinen genügenden Anlaß zu einem disziplinarischen Vorgehen gegen den Verfasser gebe, hat Professor Theodor Lessing am Montag, den 8. Juni, seine Vorlesungen an der Technischen Hochschule wieder aufgenommen. Das erste Kolleg mußte infolge Terrors des studentischen „Kampfausschusses“ unterbrochen werden. Wie verlautet, will der Rektor der Technischen Hochschule in den nächsten Tagen erneut beim Kultusministerium Einspruch erheben und die Forderung wiederholen, daß dem Dozenten Lessing die venia legendi entzogen werde. Die „Vossische Zeitung“ schreibt: Die Hartnäckigkeit des Hannoverschen Rektors ist... , recht unverständlich. Es muß verhinclert werden, daß der politische Terror auf die Hochschulen übergreift. Deshalb kann man wohl erwarten, daß der Unterrichtsminister auch dem neuen Einspruch des Rektors die gebührende Antwort erteilt.“ Vom Verein für das Deutschtum Im Ausland Berlin (J.T.A.). Im Verein für das Deutschtum im Ausland spielt sich zur Zeit ein Kampf um die Zulässigkeit der Aufnahme jüdischer Mitglieder ab. Die Ortsgruppe Pirna des Vereins hat den folgenden Antrag gestellt: Der Landesverband Sachsen wird beauftragt, der Hauptversammlung in Kufstein den Antrag einzubringen, daß künftighin nur diejenigen deutschen Männer und Frauen Mitglieder des Vereins werden können, welche in der Lage sind, ihre deutsche Abstammung nachzuweisen; dieselben müssen reindeutschen Blutes sein und dürfen auch nicht mit Juden verwandt, verschwägert oder sonstwie versippt sein. Dieser Antrag ist in der Landesverbandstagung in Dresden angenommen worden. Die Leitung des Landesverbandes Sachsen hat daraufhin angeordnet, die Ortsgruppen sollten überall außerordentliche Mitgliederversammlungen abhalten, um festzustellen, ob der Landesverband bei der Kufsteiner Tagung derartigen Anträgen zustimmen sollte. In dem Begleitschreiben wird dringend vor der An¬ S. LEVIN GER MÜNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzl Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse nähme dieser Anträge gewarnt, weil sonst der Verein für Deutschtum im Ausland in antisemitisches Fahrwasser geleitet würde. Dem Schreiben der Landesverbandsleitung ist ein Schreiben des Oberlehrers Dr. Gotthold W e i c k e r beigefügt, in welchem es u. a. heißt: „In ganz Osteuropa ist der Träger der deutschen Sprache zu einem großen Teile das Judentum. Das mag vielen unerwünscht sein. Wer aber die Ausbreitung der deutschen Sprache wünscht, kann an dieser Tatsache nicht Vorbeigehen. Der Verein für das Deutschtum im Ausland muß, wenn er die deutsche Sprache in Osteuropa erhalten wissen will, das Judentum als Träger der deutschen Sprache anerkennen und kann es nicht von der Mitarbeit ausschließen.“ In dem Schreiben wird weiter gesagt, mit der Annahme der Satzungsänderung biege der Verein zwangsläufig in die Bahn der völkischen Vereine und Parteien ein und gebe seine politische Neutralität auf. Durch die Annahme würde das Fortbestehen des Vereins überhaupt bedroht. Es wird darum gebeten, den Landesvorstand zu beauftragen, in Kufstein gegen den Antrag auf Satzungsänderung zu stimmen. Tagung des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in Köln Die Metropole am Rhein, das „heilige Köln“, das infolge der Jahrtausendfeier in diesem Sommer das Ziel Tausender und Abertausender sein wird, hatte der Verband der jüdischen Lehrervereine in Deutschland als Ort für seine 8. Tagung gewählt. Aus Ost und West, aus Süd und Nord sind Lehrer und Kantoren in großer Zahl zur Versammlung erschienen. Behörden, Verbände und Gemeinden ordneten Vertreter zu dieser Tagung ab. Der Verband bayerischer Israelitischer Gemeinden zeigte sein Interesse an den Verhandlungen, indem er in dem Ratsmitglied Oberlehrer Dingfelder -München einen eigenen Vertreter entsandte. Das von ihm überbrachte Begrüßungsschreiben des Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, wurde mit besonderem Beifall aufgenommen. Ein stimmungsvoll durchgeführter Begrüßungsabend, umrahmt von Gesangsvorträgen der Synagogenchöre und Kölner Kantoren, zwischen die sich frische Lieder der Schuljugend mischten, eröffnete die Tagung. Aus der großen Reihe der Begrüßungsreden sei die des Bürgermeisters Dr. Linnartz, der für den infolge anderweitiger Inanspruchnahme verhinderten Oberbürgermeister Adenauer erschienen war, besonders hervorgehoben. Mit wohltuender Wärme betonte er, daß die jüdische Schule — Köln besitzt eine in jeder Hinsicht vorzüglich ausgestattete jüdische Volksschule — jederzeit in gleicher Weise wie die der anderen Konfessionen durch die Stadt gefördert werde. Nicht minder angenehm berührte die feinfühlige Art, mit der er zu den Verhandlungsgegenständen der Tagung Stellung nahm. Wenig glücklich sprach der Vertreter des Verbandes der Preußischen Gemeinden, Professor Türk - Berlin. Der Verbandsvorsitzende, Mittelschullehrer Stern- Berlin verband mit seiner Begrüßungsansprache zugleich einen gedrängten Rechenschaftsbericht und entwickelte sodann ein kurzes Programm für die künftige Verbandstätigkeit. Mit dem Ausdrucke tiefsten Bedauerns wies er auf die trostlosen Zustände in zahllosen jüdischen Gemeinden hin, die in Gotteshaus und Schule verwaist sind, deren Kinder ohne religiöse Erziehung und Unterweisung aufwachsen. Wenn auch manche äußeren Umstände ungünstig auf die Entwicklung des jüdi-