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Das jüdische Echo · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 499

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 499 (sequence 11)
Language
German
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Nr 25 Das Jüdische Echo Jüdische Deputation bei Reichs« Präsident Hindenburg Berlin. (J.T.V.) Der Reichspräsident v. Hindenburg empfing am 12. Juni die Vertreter der drei großen Religionsgemeinschaften in Deutschland zur Entgegennahme ihrer Glückwünsche anläßlich seines Amtsantritts. Namens des Deutschen evangelischen Kirchenbundes überbrachte der Präsident des Evangelischen Oberkirchenrats in Berlin, Dr. Kapier, die Wünsche der Gesamtheit der deutschen evangelischen Landeskirche. Der fürstbischöfliche Delegat, Weihbischof Dr. Deitmer, sprach dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der katholischen Religionsgemeinschaft aus. Als Vertreter des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, zugleich im Namen der gesamten Judenheit, begrüßte der Präsident der Berliner Jüdischen Gemeinde, Kammergerichtsrat Dr. Leo W o 1 f f , den Reichspräsidenten. Seine Ansprache hatte den folgenden Wortlaut: Hochgeehrter Herr Reichspräsident! Die deutschen Juden empfinden es mit lebhafter Befriedigung, daß ihnen Gelegenheit gegeben ist, durch den Mund des Vertreters ihres größten Verbandes Euere Exzellenz zu begrüßen und ihre ehrerbietigsten Glückwünsche zum Antritt Ihres hohen Amtes auszusprechen. Gleich allen übrigen Deutschen hegen sie die feste Zuversicht, daß Euerer Exzellenz beschieden sein möge, dieses Ihnen vom Volke übertragene Amt in selbstloser Pflichterfüllung durch viele Jahre zu verwalten. Wenn Euere Exzellenz es ausgesprochen haben, daß Sie es als Ihre Aufgabe betrachten, allen Parteien und allen Bekenntnissen in gleicher Weise gegenüberzutreten, so nehmen wir diese Worte voller Vertrauen auf und erblicken in ihnen die Gewähr dafür, daß die den Juden durch das Reichsgesetz vom 3. Juli 1869 zugesicherte Unbeschränktheit in der Ausübung der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte' durch die Gesetzgebung nicht angetastet und in der Verwaltung tatsächlich und dauernd durchgeführt wird, daß aber auch Angriffe auf unsere Religion, wie sie unberechtigterweise aus schlecht unterrichteten Kreisen leider hervorgegangen sind, in Zukunft unterbleiben werden. Gleiche Rechte — das erkennen wir freudig an — bringen gleiche Pflichten mit sich, und so werden alle deutschen Juden wie bisher ihre volle Kraft in hingebender und eifriger Mitarbeit an den vaterländischen Aufgaben einsetzen. Möge die Amtszeit Euerer Exzellenz frei bleiben von Zwist, Haß und Mißgunst der deutschen Brüder untereinander! Dann wird sie für unser geliebtes Vaterland sein eine Zeit des Aufstiegs zu alter Größe und Herrlichkeit.“ Reichspräsident v. Hindenburg dankte den Vertretern der Religionsgemeinschaften für die Glückwünsche und sagte: „Ich gebe Ihnen bei dieser Gelegenheit erneut die Versicherung, daß ich in meinem hohen Amte mit gleicher Gewissenhaftigkeit alle Bekenntnisse und Weltanschauungen achten und stets den Geist innerer Volksgemeinschaft schützen werde. Wenn ich einen Wunsch anschließen darf, so bitte ich Sie, diesen gemeinsamen Empfang der Vertreter der verschiedenen Bekenntnisse durch den Vertreter des Deutschen Reichs nicht nur als eine bloße Form anzusehen. Wie Sie, meine Herren, sich hier zusammengefunden haben, um mir ihre gleichgestimmten Wünsche auszu¬ 499 drücken, so möge auch in den Reihen der Kirchen ,, und Gemeinschaften sich stets der Sinn für Ver-;; söhnlichkeit, gegenseitige Achtung und einträchtige Zusammenarbeit finden, ohne den die Zukunft Deutschlands nicht gefördert werden kann.“ Der Fall Theodor Lessing Der preußische Unterrichtsminister gegen die Lessing-Hetze. Sozial- , demokratische Anfrage im Landtag. Berlin (J.T.A.). Vor einigen Tagen wurde am schwarzen Brett der Technischen Hochschule zu Hannover von Studenten, die sich als „Kampfausschuß“ konstituiert haben, ein Anschlag angebracht, in dem es hieß, daß die Absicht Professor Theodor L e s s i n g s , am kommenden Montag seine Vorlesungen wieder aufzunehmen, nicht zur Durchführung kommen werde. Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, weist der preußische Minister für Wissenschaft,; . Kunst und Volksbildung in einem Schreiben an den Rektor der Technischen Hochschule in Hannover zu- . nächst darauf hin, daß Professor Lessing als Inhaber eines Lehrauftrages dem preußischen Disziplinargesetz vom 18. Juli 1852 unterliegt. Nach Artikel 118 ■ Absatz 1 der Reichsverfassung, so führt der Minister . aus, hat jeder Deutsche „das Recht, innerhalb der A Schranken der allgemeinen Gesetze seine Meinung durch Wort, Schrift, Druck, Bild oder in sonstiger Weise frei zu äußern“. Der Minister weist darauf hin, daß der Artikel Lessings „Hindenburg“ im „Präget Tageblatt“ keinen genügenden Anlaß zu einem disziplinarischen Vorgehen gegen Lessing gebe. Der Mi-;, nister ersucht den Rektor, für den Fall, daß Professor Lessing seine Vorlesungen wieder aufzunehmen wünsche, Vorsorge zu treffen, daß dies ungehindert geschehen könne. * Berlin (J.T.A.). Gegenüber den Drohungen der v völkischen Studenten an der Technischen Hochschule für Hannover, „alle zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um Prof. Dr. Lessing aus dem Lehrkörper der Hochschule zu entfernen“ und „nicht eher zu ruhen, bis das gesteckte Ziel erreicht ist“, , fordert die sozialdemokratische Frak - t i o n des Preußischen Landtages vom Staatsmini-

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