Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 25 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- Seite 496 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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496 Das Jüdische Echo Nr. 25 4. Es ist unwahr, daß eine erhebliche Anzahl Herren aus dem C.-V. überhaupt wegen der Haltung des C.-V. und seines hiesigen Ortsgruppenvorstandes ausgeschieden sei. Wahr ist, daß von den im Ganzen über 2300 Mitgliedern der hiesigen Ortsgruppe nach der Landesverbandswahl ganze 7 unter Hinweis auf die angebliche Haltung des „C.-V.“ bei den Landesverbandswahlen und weitere 15 bei der in letzter Zeit erfolgten Beitragserhebung, zum Teil ohne Angabe der Gründe und zum Teil aus speziell angegebenen mit den Landesverbandswahlen nicht zusammenhängenden Gründen, ausgetreten sind. Der Vorstand der Ortsgruppe des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Frankfurt a. M. Dr. Mainzer, Vorsitzender. Zu dieser Berichtigung schreibt das „J ü d ische Wochenblatt“ unter dem Titel Berichtigung der „Bericht igun g“. Punkt I. .Uns liegt eine Karte vor, die den Poststempel vom 14. Mai, 8—9 Uhr vormittags trägt. Die Mitteilung des C.-V. ist also unwahr; die Einladung ist vier Tage, nicht wie behauptet wird, 5 Tage vor der Generalversammlung zur Post gegeben worden. Dazu kommt, daß die Zustellung frühestens am Freitag, den 15. Mai möglich war, also kurz vor Sabbath, so daß sich die Opposition tatsächlich nicht mehr organisieren konnte, da gerade sie sich ja aus solchen Kreisen zusamrhensetzt, die am Sonntag keinerlei telephonische oder schriftliche Vereinbarungen zu treffen in der Lage sind. Punkt II. Hier hat sich unser Berichterstatter tatsächlich geirrt; es hat tatsächlich kein Delegierter des Hauptvorstandes der Generalversammlung beigewohnt. Richtig ist aber nach seinen weiteren Feststellungen, daß der betreffende Herr mehrere Tage vor der C.-V.-Versammlung in Frankfurt weilte, u. a. mit der ausdrücklichen Absicht, die Mißstimmung der konservativen Kreise gegen den hiesigen Vorsitzenden zu beseitigen, eine Mißstimmung, die dieser selbst in seiner oben abgedPuckten Berichtigung als „angebliche“ charakterisiert, die aber offenbar dem Hauptvorstand in Berlin real genug erschien, um ein Eingreifen zu veranlassen. Punkt III. Die Heftigkeit einer Debatte hängt nicht von der Zahl der Redner ab, die an ihr teilnehmen, insbesondere nicht bei einer außerordentlich schwach besuchten Versammlung. Tatsache ist, wie uns mehrere Teilnehmer erneut bestätigen, daß volle 2 Stunden von einem Rededuell zwischen dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Mainzer, und dem aus dem Vorstand ausgeschiedenen konservativen Gemeinderepräsentanten, Ueberkinger Sprudel jj Süddeutschlands führendes Tafelwasser i! Generaldepot iduard Kühles, München Tel. 20542 Ledererstr. 12 Herrn Felix Mayer, ausgefüllt wurden. Die Debatte zwischen den beiden Herren war, wie unser Berichterstatter geschrieben hatte, „außerordentlich heftig“. Punkt IV. Unser Berichterstatter lehnt es ab, über den Zahlenwert des Wortes „erheblich“ in eine Debatte einzutreten. Tatsache ist, daß eine Anzahl von Mitgliedern unter der genannten ausdrücklichen Maßgabe ausgetreten sind und wahrscheinlich nicht die schlechtesten. Im übrigen hören wir, daß eine Reihe von anderen Herren ihre Entscheidung mit vom Ausfall der Generalversammlung abhängig gemacht hat. Dazu bemerkt das „Jüdische Wochenblatt“ noch: Es liegt uns völlig fern, den C.-V. als solchen zu bekämpfen. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß durch seine Abwehrtätigkeit eine ebenso notwendige wie ersprießliche Arbeit geleistet worden ist. Bekämpfen werden wir dagegen jede Verketzerung eines Teils des deutschen Judentums seitens des C.-V., wie es durch die Wahlperiode zweifellos geschehen ist. _ Die letzte Nummer der C.-V.-Zeitung enthält einen wütenden Angriff gegen alle zionistischen und nationaljüdischen Zeitungen, die in letzter Zeit Berichte aus den verschiedenen Ortsgruppenversammlungen des C.-V. gebracht u-nd aus diesen Berichten naheliegende Schlüsse gezogen haben. Der Aufsatz tadelt diese „Geschäftigkeit“ der national-jüdischen Presse und nennt die Berichte selbst „Anekdoten“. Wir haben aus der Berichtigung der Frankfurter C.-V.-Ortsgruppe und der Gegenberichtigung des „Jüdischen Wochenblattes“ durchaus nicht den Eindruck erhalten, daß es sich dabei um pure „Erfindungen“ nationaljüdischer Phantasie handle. Zu dem Bericht über die Abstimmung in der Duisburger Jüdischen Gemeinde, betreffs Subvention des C.-V. (siehe Nr. 22 des „Jüd. Echo“) stellt der Artikel fest, daß 1. drei nichtzionistische Mitglieder der Gemeinderepräsentanz zufällig nicht anwesend waren und daß bei ihrer Anwesenheit der Antrag mit Zweidrittel-Majorität abgelehnt worden wäre und 2. ein Mitglied der Duisburger Jüdischen Gemeinderepräsentanz den C.-V. bei der Debatte in Schutz genommen habe. Ferner wird gesagt, daß, entgegen unserer Annahme, der C.-V. niemals von der liberalen Partei einen Pfennig Unterstützung empfangen habe, noch ihm ein Pfennig angeboten wurde. In hämischem Ton fragt der Artikelschreiber, ob es auch „zu den Aufgaben zionistischer Gemeindepolitik gehört, dahin zu wirken, daß die Gemeinden, statt den Zentralverein zu unterstützen, der für alle deutsche Juden das Recht auf die deutsche Heimat erkämpft, Gelder für den „neutralen“ Palästinaaufbau bereitstellen.“ Darauf ist zu erwidern, daß es nach unserer Auffassung freilich zu den Aufgaben der jüdischen Gemeinde gehört, den Palästina-Aufbau zu fördern. Was aber die Behauptung betrifft, daß der C.-V. „für alle deutsche Juden das Recht auf die deutsche Heimat erkämpft“, so ist es ja eben der Wahlkampf des C.-V. zum preußischen Landesverband gewesen, der uns diesen Glauben gänzlich zerstört hat und gerade der verantwortliche Leiter der Geschäfte des C.-V. hat es damals ausgesprochen, daß der von ihm geführte Verein keineswegs alle deutschen Juden in seinem Kampf gegen den Antisemitismus vertreten könne.