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Das jüdische Echo · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 495

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 495 Herrn Rechtsanwalt F örder Breslau. Sehr geehrter Herr Kollege! Ihr Schreiben vom 9. April 1923 nebst Anlagen habe ich mit größtem Interesse gelesen. Ich teile Ihren Standpunkt. In unserem Vorstande ist zwar ein Herr, der auch im Vorstand der Naumann-Partei ist; ich bin aber der Meinung, daß, wer auf dem Naumannschen Standpunkte steht, nicht zu uns gehört. Die Naumannsehe Auffassung belastet die im Central-Verein vereinigten Juden mit dem Vorwurf, daß sie nicht genug deutschnational sind. Ich habe vor Wochen eine längere Unterredung mit ihm gehabt, die damit schloß, daß ich ihm sagte, wir scheiden uns darin: daß sie deutsch sind im Sinne des deutschen Chauvinisten, wir deutsch in dem weltgeschichtlichen, universalen, dem Chauvinismus abholden Sinne des Deutschtums sind. . . . Ich fühle mich auch als Deutscher bis auf die Knochen, suche aber eine Synthese zwischen Deutschtum und Judentum, wie der Katholik eine solche zwischen Deutschtum und Katholizismus gefunden hat. Es ist leicht zu sagen: Ich fühle nur Deutsch! Dann habe ich eben für das Judentum nichts übrig, und dann verkenne ich die Aufgabe eines jüdischen Deutschen. . . . Gewiß kann man nicht zwei Väter haben, aber wir sind Kinder von Vater und Mutter; ist das Deutschtum für uns der Vater, so ist das Judentum die Mutter oder umgekehrt. Wie kann Naumann sagen, daß ich im Jahre 1919 dem Zionismus gegenüber versagt habe? Von mir rührt die Erklärung her, in welcher wir gegenüber dem Gedanken einer jüdischen Volksgemeinde die Erklärung losließen, daß wir ein unlöslicher Bestandteil des deutschen Volkes seien und als solcher fühlten. Der Fehler von Naumann ist, daß er erst jetzt in die Bewegung eingetreten ist, und daß er 30 Jahre der Abwehr einfach geschlafen hat, während wir für die Synthese von Deutschtum und Judentum gekämpft haben. . . Wenn er den Keren Hajessod ablehnt, so übersieht er, daß wir deutschen Juden die Verpflichtung haben, jüdische Solidaritätsgedanken nicht von uns zu weisen, daß wir schon im Interesse des Deutscht u m s die Fäden mit Palästina nicht zu zerreißen haben, wie denn auch hunderte angesehener deutscher Christen für den Palästinagedanken im Interesse des Deutschtums eingetreten sind. Darüber mag man so oder anders denken, jedenfalls halte ich Naumann — und das habe ich ihm direkt ins Gesicht gesagt — für einen jüdischen Schädling, einen Mann, der noch seine Ghettoeigenschaften nicht losgeworden ist, der sich an die deutschen Christen anschmeißt und dabei Stolz und Selbstbewußtsein einer sozialen oder Stammesgruppierung verleugnet, der zu denen gehört, die ihrer Väter nicht gern gedenken. Er gehört der Gruppe an, die ich aufs tiefste verachten würde, wenn ich deutscher Christ wäre. (Die Sperrungen rühren von uns her. Red.) * Wie: wir weiter erfahren, wird Herr Rechtsanwalt Förder gegen das Urteil des Charlottenburger Amtsgerichts, welches ihn zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt hat, Berufung einlegen. Der Centralverein berichtigt In Nr. 22 unserer Zeitschrift brachten wir einen Bericht über die Mitgliederversammlung des C.-V. in Frankfurt a. M., den wir dem Frankfurter „Jüdischen Wochenblatt“ entnommen hatten. Zu diesem Bericht bringt das Blatt eine berichtigende Zuschrift des Vorsitzenden der C.-V.-Ortsgruppö' F r a n k f u r t a. M., um deren Wiedergabe auch , wir ersucht werden. Die Berichtigung lautet: 1. Es ist unwahr, daß die Einladung zur Generalversammlung den Mitgliedern „wohl mit Absicht“ verspätet zugegangen sei. Wahr ist, daß die Eiriladung fünf Tage vor der Generalversammlung zur Post ging, also frühzeitig genug, um einer etwa vorhandenen Opposition ein Vorgehen zu ermöglichen. 2. Es ist unwahr, daß der Generalversammlung irgendein Delegierter des Hauptvorstandes beiwohnte. . 3. Es ist unwahr, daß es zu einer „außerordentlich heftigen Debatte“ über die Wahlen zum Preußischen Landesverband und über die bekannt antizionistische Parole der C.-V.-Leitung gekommen ist, oder gar „Herrn Dr. Mainzer schwer^ Vorwürfe wegen seiner Betätigung im Wahlkampf gemacht worden seien“. Wahr ist, daß Herr Dr. Mainzer seinerseits im Tätigkeitsbericht bestimmte, mit der Wahrheit im Widerspruch stehende, von bestimmter Seite geflissentlich kolportierte Behauptungen hinsichtlich seiner Haltung als mit einer ehrlichen und wahrhaftigen Kampfesweise nicht mehr vereinbar, zurückwies. In der Debatte wurde lediglich von einer einzigen Seite die Berliner Parole, als in ihrer Fassung unglücklich, theoretisch kritisiert und eine Erklärung für die angebliche Verstimmung gewisser konservativer Kreise über die Tätigkeit des Herrn Mainzer im Wahlkampf zu geben versucht, zugleich aber die Vorschlagsliste des Vorstands und insbesondere die Wiederwahl des Herrn Dr. Mainzer als selbstverständlich aufs Wärmste wieder empfohlen. Bayer. 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